Nur wer ganz genau hingeschaut hat, dem ist das kleine Logo auf den Ärmeln der Trikots aufgefallen: „Das 5. Element“ – ein Sponsor des Fußball-Regionalligisten FC Schweinfurt. Und beileibe keiner wie jeder andere. Ein Sauna-Tempel der edlen, aber speziellen Sorte. Wo die Zweisamkeit mit finanziell interessierten Damen möglich und vor allem etwas kostspieliger ist. Damit ist jetzt Schluss. Nicht mit der Zweisamkeit, aber damit, dass dafür auf den Trikot-Ärmeln geworben wird. Um programmiertem Ärger mit dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) aus dem Weg zu gehen, werden die Nullfünfer nun doch lieber für das „7 Days“ schaulaufen. Das ist ein Catering-Service – und gehört demselben Geschäftsmann aus der Fuldaer Gegend.

Florian Kamberi trägt schicke Designerkleidung und fährt einen aufgemöbelten bayerischen Geländewagen. Er war mal Gastronom und im Sicherheitsgewerbe tätig. Vor allem aber schätzt er wohlgeformte Frauenkörper. Und er hat sich entschlossen, sie zum Mittelpunkt seines Auskommens zu machen. Kamberi ist der Inhaber der noblen Wellness-Oase in Eichenzell bei Fulda. Dort gibt es leckeres Essen, gesunde Massagen und einen schönen Pool. Das gibt es auch in der Bad Kissinger Therme. Nicht aber diese vielen aufregenden jungen Damen, die im „5. Element“ um die auffallend vielen alleinstehenden und meist nicht ganz so jungen Herren herumschwänzeln. „Alle im Bikini“, so hebt Kamberi das Fingerchen der Moral.

Die Moral ist ihm nicht unwichtig, schließlich betreibe er ja keinen Puff. „30 Prozent unserer Besucher kommen nur wegen des Wellness-Angebots.“ Und die anderen 70? Ja, die kämen dann doch eher wegen der Bikini-Schönheiten, räumt der 35-jährige gebürtige Albaner ein, der um Fulda herum ein paar, auch höherklassige Fußballklubs sowie Handballer und Radsportler unterstützt. Auch, dass er in seinem Etablissement Räume bereithält, in die Mann und Frau sich bei monetär geförderter Sympathie zurückziehen können, gibt er zu. Alles moralisch einwandfrei natürlich. Schließlich seien die Mädels keine Angestellten des Hauses, sie müssten auch Eintritt zahlen. „65 Euro für Essen und Handtücher“, sagt Kamberi. „Wir schaffen nur die Plattform. Was die Gäste dann daraus machen, ist ihre Sache.“

Alles legal und im Jahr 2013 nicht mehr sonderlich aufregend. Pikant wird es, wenn ein solches Unternehmen die Spielkleidung eines Fußballvereins ziert. „Wer sich darüber aufregt, soll selbst etwas bewegen“, sagt FC-05-Vorsitzender Markus Wolf, der Hauptsponsor des Klubs. Moralische Bedenken wischt er vom Tisch. „Wir zwingen ja keinen, dann auch nach Fulda zu fahren. Macht ein Verein für Mercedes Reklame, fahren ja auch nicht alle Fans Mercedes. Wir sind schließlich keine Meinungsbildner.“ So war es für Wolf auch keine wirkliche Gewissensfrage, vor der Saison mit Kamberi die Unterschrift unter einen Vertrag zu setzen, der dem Klub eine ordentliche fünfstellige Summe beschert.

Natürlich ist Wolf bewusst, dass er da mit einem gesellschaftlichen Tabu spielt. Deswegen achtete er auch auf das Aussehen der Banden, die ein neutrales Logo ziert, das nicht mal schemenhaft einen weiblichen Körper zeigt. „Herr Kamberi wollte uns sogar einen Bus bereitstellen“, sagt Wolf. „Aber damit kannst du ja nicht herumfahren.“ Also doch Bedenken wegen allzu großen Geredes? Nicht ganz unberechtigt, wie die mahnenden Worte Thomas Kerns beweisen.

Der Geschäftsführer des Bayerischen Landessport-Verbandes (BLSV) hat rechtlich keine Handhabe, verweist auf den Bayerischen Fußballverband (BFV) und stellt trotzdem klar: „Wir vertreten Werberichtlinien, in deren Rahmen wir den Vereinen empfehlen, nicht für Alkohol, jugendgefährdende oder gegen Sitten verstoßende Dinge zu werben.“ Kern liegt besonders die Jugend der Vereine am Herzen: „Vereine betreiben auch Nachwuchsarbeit, deswegen sehe ich eine solche Werbung mit Sorge und ordne sie in den gefährlichen Bereich ein.“

Den von Kern gespielten Ball fängt man beim rechtlich zuständigen BFV jedoch nur mit allerhand Verrenkungen auf. Geschäftsführer Jürgen Igelspacher verweist ebenso auf den „allgemeingültigen Grundsatz im Sport von Ethik und Moral“, sagt, dass er „einen klassischen Puff“ als Sponsor nicht genehmigen würde, weil er „die Förderung von Prostitution nicht für akzeptabel“ hält. Aber: Die vom FC vor dem Saisonstart eingeschickten Fotos, die auch den Trikot-Ärmel zeigen, wurden durchgewinkt. Weshalb der BFV-Vertreter sich nach ersten Nachfragen dieser Zeitung zum Thema auch auf einen Handel mit dem Verein einließ: Wegschauen bis zur Winterpause – und dann sollten die Schweinfurter ihren Ärmelsponsor wechseln.

Das tun sie nun doch etwas früher, am Samstag schon im Heimspiel ge-gen den SV Schalding-Heining. Damit es kein unnötiges Trara gibt. Und ehe es vielleicht doch noch peinlich wird. Vor allem aber ist sich Wolf seiner Fürsorgepflicht für den ganzen Verein bewusst. Reizen würde es ihn zwar schon, einige der Kamberi-Mädels auch einmal im VIP-Zelt, wo ab sofort „7-Days“-Speisen gereicht werden, bedienen zu lassen („selbstverständlich angezogen“), aber ebenso entschlossen zog er die Notbremse, als der spendable Fuldaer dem kostspieligen Nachwuchsleistungszentrum des FC 05 unter die Arme greifen wollte.

„Das konnten wir schon allein aus Rücksicht auf die Eltern nicht machen. Nächste Saison ist das jedoch über den Catering-Service ein Thema“, so Wolf. Er fügt hinzu, dass der Internetauftritt des „5. Elements“ sauber sei und im Zusammenhang mit dem Betrieb kein Suchtpotenzial etwa einer Spielothek bestehe. Einem werbeinteressierten Schweinfurter Bordell habe man übrigens ob dessen arg anstößigen Logos eine Absage erteilt.

Nie – und er wiederholt das Wort mit hörbarem Ausrufezeichen – würde er es zulassen, dass der FC 05 wie-der in die negativen Schlagzeilen gerate. Aber man müsse sehen, dass ein Fußballverein auf dieser sportlichen Ebene auch ein Wirtschaftsbetrieb sei. Daher könnte Wolf sich Kamberi sogar im Verwaltungsrat vorstellen. „Geschäftsleute sind immer willkommen, weil sie einfach wirtschaftlich denken.“ Umgekehrt werde es selbstredend nie – erneut mit Ausrufezeichen – eine FC-05-Veranstaltung im „5. Element“ geben. Das würde dann vielleicht etwas zu sehr an FC-05-Zeiten mit verarmten Millionärinnen, geraubten Geldkoffern und feudalen Weihnachtsfeiern auf dem Schloss erinnern.