Handball-Bayernliga Frauen

Etwashausens Leistung wärmt auch den Trainer

Die dezimierten Etwashäuserinnen zeigen ihre Stärke ausgerechnet im unterfränkischen Derby. Sie bieten in frostiger Atmosphäre eine Leistung zum Erwärmen und besiegen Garitz/Nüdlingen mit 24:18.
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Die Siegerin unter lauter Gewinnerinnen: Anna Renner nimmt Glückwünsche entgegen. Foto: Foto: Stöckinger

Getreu dem Motto „Jetzt erst recht“ demonstrierten die dezimierten Etwashäuser Handballerinnen ihre Stärke ausgerechnet gegen den unterfränkischen Rivalen, die SG Garitz/Nüdlingen. Am Schluss stand ein in fast allen Belangen überzeugender 24:18 (13:10)-Sieg, bei dem der Aufsteiger kaum einmal am Sieg schnupperte.

Zwar herrschten draußen wie drinnen in der Halle niedrige Temperaturen, aber das, was Ingo Preuns Mannschaft am Samstag bot, dürfte nicht nur den Trainer erwärmt haben. Im Kühlschrank Sickergrundhalle taute vor allem eine wieder einmal auf: Anna Renner. Die eben erst 21 Jahre alt gewordene halbrechte Rückraumspielerin schien der Gegner von Beginn an nicht recht auf dem Zettel zu haben, und so zog sie vor allem in der ersten Halbzeit immer wieder im Angriff an. Dass die 1,70 Meter große Akteurin Talent besitzt, gab sie in der Vergangenheit schon häufiger zu erkennen, jedoch zeigt ihre Leistungskurve oft noch zu wechselhafte Ausschläge.

Dieses Mal waren es vier satte Tore allein in der ersten Hälfte, dazu noch einmal gut vier Treffer an Latte oder Pfosten. „Ohne die Aluminiumtreffer wären es heute mindestens zehn Tore geworden. Nachdem wir in der Vorrunde gegen Garitz nicht so gut waren, haben wir gesagt, wir reißen uns diesmal zusammen. Das hat super geklappt“, sagte Renner. Die Schwan-kungen in ihrem Spiel kennt sie. „Ja, das ist es halt. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben. Ich hoffe, dass ich die Form von heute auch in die nächsten Bayernliga-Spiele mitnehmen kann.“

Garitz/Nüdlingen hatte sich zu Beginn vielleicht zu sehr auf Etwashausens Torjägerin Melanie Meyer ausgerichtet. Auf diese Situation war der TVE vorbereitet. „Damit müssen wir rechnen“, sagte Trainer Preun, „dafür haben wir Varianten.“ Ihm fehlten in Carolin Straßberger und der „kleinen“ Melanie Meyer zwei Fixpunkte im ohnehin dünn besetzten Spielerkader. So konnte er nur zwei Spielerinnen zum Wechseln aufbieten. Um so mehr legten sich die übrig Gebliebenen ins Zeug. Nadine Arlt zeigte als Lenkerin auf der Mitte über die gesamten sechzig Minuten eine couragierte Leistung, daneben gefiel Laura Knorz, die sich mehr und mehr auch an die Rückraum-Position zu gewöhnen scheint.

Zudem hatte Julia Hebling im Tor ebenfalls einen guten Tag erwischt. Bis sie fünf Minuten vor Schluss von Daniela Braun abgelöst wurde, hielt sie, was zu halten war. „Die Leistung war für mich nicht überraschend. Es zeigt: Wenn wir als Team auftreten, sind wir schwer zu schlagen“, meinte Preun. Er hatte unter der Woche verstärkt Würfe üben lassen. Das zahlte sich aus.

Der Gegner schien von Beginn an nicht recht bei der Sache. Nach einer Viertelstunde gelang Sabrina Kleinhenz das 6:6 für die SG. Manch guter Zug des Aufsteigers lief über Manuela Schäfer am Kreis, doch kam aus dem Rückraum zu wenig, um die aufmerksame TVE-Abwehr richtig zu fordern. Mit zu vielen leichten technischen Fehlern machten sich die Gäste das Leben schwer. „Das zog sich wie ein roter Faden durch. Die erste Halbzeit war noch in Ordnung. Was aber in der zweiten Hälfte in der Mannschaft vorging, ist mir ein Rätsel. Wir haben keinen Willen für den Sieg gezeigt“, sagte SG-Trainer Holger Jordan. Auswärts schaffe es sein Team nicht, an die couragierten Auftritte vor eigener Kulisse anzuknüpfen. Eine Sache der Motivation sei das, so Jordan, der die Seinen in der neuen Liga im Lernprozess sieht.

In Kitzingen kam hinzu, dass sich die Torhüterin Stephanie Piske, sonst eine Leistungsgarantin, von den Unpässlichkeiten ihrer Vorderleute anstecken ließ. Mit Sabrina Kleinhenz' Konter-Treffer zum 14:16 (39.) kam Garitz noch einmal auf zwei Tore an, von da an ging aber vor allem im Angriff nicht mehr viel. Nur noch viermal traf der Neuling in den verbleibenden 20 Minuten. Dazu bremsten ihn zwischen der 42. und 53. Minute vier Zeitstrafen.

Etwashausen dagegen agierte im zweiten Abschnitt clever und geduldig und bestrafte die Lässigkeiten der Gäste. Spätestens nach „Melle“ Meyers Trefferserie, als sie von 19:15 auf 21:15 stellte (49.), war alles klar. „Das war eine Einheit. Was wir uns vorgenommen hatten, haben wir über das gesamte Spiel durchgezogen“, stellte Ingo Preun zufrieden fest. Fast schon bezeichnend für die Gäste blieb die Szenerie nach Spielschluss. Sichtlich enttäuscht zogen die Spielerinnen ihre Sporttaschen auf Rollen aus der Halle – das kleine Päckchen aus den vorangegangenen Minuten quasi im Schlepptau.

Das Spiel in der Statistik

TV Etwashausen – SG Garitz/Nüdlingen 24:18 (13:10)

Etwashausen: Julia Hebling, Daniela Braun; Rikarda Suciu (4), Julia Meyer, Melanie Meyer (8/2), Laura Knorz (5), Anna Renner (5), Anja Muther (1), Isabella Renner, Nadine Arlt (1), Janina Ruschin.
Garitz/Nüdlingen: Stephanie Piske; Verena Metz, Lisa Wenzke (7/2), Carolin Ammon, Sabrina Kleinhenz (3), Manuela Schäfer (5), Franziska Thomas, Nina Barnickel, Julia Albert, Tanja Sadowski (3), Carmen Mantel, Melanie Dotzer.
Schiedsrichter: Thommy Schmidt/Christian Stauder (TG Würzburg).
Zuschauer: 130 (geschätzt).
Zeitstrafen: Anna Renner; 2x Sadowski, Kleinhenz, Wenzke, Dotzer.
Spielfilm: 5:1 (8.), 6:6 (19.), 11:7 (24.), 13:10 (Halbzeit); 15:12 (35.), 16:14 (39.), 21:15 (49.), 24:16 (57.), 24:18.

Bayernliga Frauen

HCD Gröbenzell – SG Kissing/Friedberg 36:30  
HSV Bergtheim – HSG Fichtelgebirge 31:29  
TSV Ismaning – HC Sulzbach 28:28  
HaSpo Bayreuth – TSG Augsburg 31:23  
TS Herzogenaurach – ESV Neuaubing 19:20  
TV Etwashausen – SG Garitz/Nüdlingen 25:18  

1. (2.) HSV Bergtheim 16 12 2 2 451 : 396 26 : 6  
2. (1.) TSV Ismaning 16 12 1 3 486 : 414 25 : 7  
3. (3.) 1. FC Nürnberg 14 9 1 4 373 : 330 19 : 9  
4. (4.) HCD Gröbenzell 16 9 1 6 434 : 416 19 : 13  
5. (6.) TV Etwashausen 16 8 1 7 434 : 400 17 : 15  
6. (9.) HaSpo Bayreuth 16 7 2 7 446 : 423 16 : 16  
7. (5.) HSG Fichtelgebirge 16 8 0 8 410 : 427 16 : 16  
8. (7.) SG Garitz/Nüdlingen 16 7 1 8 381 : 405 15 : 17  
9. (8.) TS Herzogenaurach 15 7 0 8 393 : 375 14 : 16  
10. (10.) SG Kissing/Friedberg 15 5 3 7 430 : 435 13 : 17  
11. (11.) ESV Neuaubing 16 6 0 10 383 : 451 12 : 20  
12. (12.) HC Sulzbach 15 3 2 10 404 : 433 8 : 22  
13. (13.) TSG Augsburg 15 1 0 14 307 : 427 2 : 28  
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