Tischtennis-Landesliga Nordwest Männer

Etwashausen verspielt wohl die Meisterschaft

Tausendmal berührt, und am Ende ist es dann passiert: Etwashausen verspielt den Sieg im Spitzenduell mit Arzberg in wenigen Situationen. Michal Bozek schleudert verärgert den Schläger.
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Höchste Konzentration: Etwashausens Michal Bozek geht beim Aufschlag tief in sich, aber es ist nicht sein Tag gegen Arzberg. Seine beiden Einzel verliert er. Foto: Foto: Michael Kämmerer
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Nach dreieinviertel Stunden und mehr als tausend Ballwechseln ließ sich anhand von gerade mal zwei schicksalsträchtigen Momenten erklären, weshalb der Schlagabtausch des TV Etwashausen in der Tischtennis-Landesliga gegen die TS Arzberg mit einer 6:9-Niederlage zu Ende gegangen war. Das erste wegweisende Erlebnis hatte Etwashausens Torsten Küster an der Seite seines Doppelpartners Christoph Sasse.

Es stand 9:9 im entscheidenden fünften Satz. Küster schlug den Ball mit Vorwärtsdrall an den Rand der Spielfläche. In Gedanken hatte er den Punkt schon gewonnen, er hätte danach zum Matchball servieren können. Völlig unverhofft reichte Arzbergs Jan Zak noch an den Ball heran, ehe er und sein Mitspieler Karel Komenda ihre Abwehrhaltung auflösten und in den Angriff übergingen. Mit 11:9 entschieden sie den Satz für sich – und damit auch das Spiel.

Statt mit 2:1-Siegen nach den Doppeln in die Einzelbegegnungen zu gehen, musste Etwashausen mit dem psychologischen Nachteil zurechtkommen – was besonders den Druck auf dessen Spitzenspieler Michal Bozek erhöhte. Erneut hatte der Arzberger dabei Zak seine Hände im Spiel. 8:2 lag Bozek im fünften Satz eines hochklassigen und nicht minder dramatischen Vergleichs vorn. „Der Gegner hat in dem Moment angefangen, mit viel Risiko zu spielen“, stellte Bozek fest. Und das zahlte sich aus, gepaart mit einer Menge Glück.

Die beiden letzten Punkte beim 11:9-Satzgewinn des Arzbergers resultierten aus einem Netzroller und einem Kantenball. So führten die Gäste im Mannschaftsvergleich mit 4:1. Da konnte Bozek nicht anders, als seinen Schläger verärgert auf die Platte zu schleudern und lauthals mit dem Schicksal zu hadern.

Nach dem Hinspiel, das die Arzber-ger mit 9:3 gewonnen hatten, hatte sich die Geschichte im Duell mit seinem tschechischen Landsmann wiederholt: Schon damals war Bozek in den letzten beiden Spielzügen durch Netz und Tischkante am Sieg gehindert worden. Sein zweites Einzel am vergangenen Samstag gegen den vermutlich besten Akteur der Liga, Karel Komenda (aktuelle Bilanz: 25:1 Siege) ging indes in drei Sätzen mit jeweils zwei Zählern Unterschied verloren. Tabellenführer Arzberg zog mit 7:3 in Führung und legte damit früh die Basis für den Tagessieg, der Etwashausen als Tabellenzweitem aller Voraussicht nach die Meisterschaft gekostet hat.

„Wenn der Verein weiter Gefallen an mir hat, bleibe ich – unabhängig von einem Aufstieg in die Bayernliga“, sagte Bozek, der für den TVE seit sechs Jahren als Honorarkraft aufschlägt. „Hier fühle ich mich wohl“, erklärt der 34 Jahre alte Tscheche in einer Mischung aus deutschen und englischen Wörtern: „Die Mitspieler sind super Jungs, und die vielen Zuschauern schaffen eine tolle Atmosphäre.“ Zur Jahrtausendwende hatte es Bozek nach Deutschland verschlagen, zunächst nach Sachsen, später nach Bayern.

Etwashausen ist seine sechste Station und seine längste. Mit Tischtennis hat er einen Verdienst neben seinem Beruf als Ingenieur für Computerprogramme. Aber der Aufwand, um zu den Spielen anzureisen, ist beträchtlich: Bozek lebt mit Frau und Kind in Ostrau, ganz im Osten seines Landes, wenige Kilometer vor der Grenze zu Polen. 800 Kilometer sind es zwischen seiner Heimat und Kitzingen.

Bozek reist Freitag um Mitternacht an, schläft bei Teamkollege Bastian Herbert und fährt sonntags wieder nach Hause. Der frühere Hochschulmeister Tschechiens, der dort in den beiden höchsten Klassen spielte, ist nicht der einzige Tischtennisakteur seines Landes, der in der Landesliga zu finden ist. Mit Freunden, die in Untersiemau und Altenkunstadt am Ball sind, bildet er eine Fahrgemeinschaft.

Arzberg, gerade mal vier Kilometer von der Grenze entfernt, profitiert in besonderer Weise von der Nähe zu Tschechien: Vier seiner sechs Spieler hat der Klub aus dem Nachbarland rekrutiert. Die Begeisterung der Einheimischen scheint das nicht zu stören. Gut und gerne zwanzig Unterstützer hatten die TS Arzberg nach Kitzingen begleitet – was die stets gut gefüllte Kulisse in der Florian-Geyer-Halle noch verstärkte. Von den über hundert Zuschauern hielt es einige vor lauter Spannung, die das Spitzenspiel bot, nicht auf den Sitzplätzen.

„Die Kulisse war geil“, schwärmte der Etwashäuser Torsten Küster. Dessen Sieg im Einzel gegen Roman Vavrinek und der Erfolg Christoph Sasses über Patrick Geiser ließ beim Stand von 6:8 noch einmal Hoffnung keimen. Nach der Niederlage in einem Mannschaftsvergleich, das mancher Beobachter auf dem Niveau der Bayernliga einstufte, gilt es für Etwashausen, den zweiten Rang für die Relegation zu wahren. Da half auch nicht, dass der TVE tags darauf 9:5 in Hösbach gewann.

Das Spiel in der Statistik

TV Etwashausen – TS Arzberg 6:9 (24:31 Sätze)

Bozek/Günzel – Vavrinek/Schindler 7:11, 11:7, 11:8, 11:8

Küster/Sasse – Komenda/Zak 11:9, 4:11, 12:10, 9:11, 9:11

Herbert/Röder – Zima/Geiser 9:11, 8:11, 7:11

Bozek – Zak 11:6, 11:13, 14:16, 11:8, 9:11

Günzel – Komenda 11:13, 13:15, 10:12

Küster – Zima 7:11, 5:11, 9:11

Herbert – Vavrinek 11:9, 11:9, 11:9

Sasse – Schindler 11:8, 11:0, 11:9

Röder – Geiser 4:11, 6:11, 11:13

Bozek – Komenda 9:11, 10:12, 9:11

Günzel – Zak 11:9, 11:8, 11:4

Küster – Vavrinek 11:9, 6:11, 3:11, 11:4, 11:9

Herbert – Zima 11:5, 3:11, 9:11, 11:9, 7:11

Sasse – Geiser 11:4, 7:11, 11:7, 11:8

Röder – Schindler 9:11, 6:11, 8:11

Landesliga Nordwest Männer
 
TTC Tiefenlauter II – TSV Untersiemau 9:5  
FC Hösbach – TV Etwashausen 5:9  
SB Versbach II – TS Arzberg 2:9  
TV Etwashausen – TS Arzberg 6:9  
DJK Effeltrich II – TTC Tiefenlauter II 8:8  
TSV Waigolshausen – Viktoria Wombach 9:4  
 
1. (1.) TS Arzberg 13 12 0 1 115 : 60 24 : 2  
2. (2.) TV Etwashausen 12 10 0 2 99 : 53 20 : 4  
3. (3.) DJK Effeltrich II 14 6 4 4 105 : 95 16 : 12  
4. (5.) TTC Tiefenlauter II 13 6 3 4 93 : 85 15 : 11  
5. (4.) TTV Altenkunstadt 12 7 0 5 88 : 88 14 : 10  
6. (6.) TSV Untersiemau 12 5 1 6 90 : 81 11 : 13  
7. (7.) TSV Waigolshausen 11 4 1 6 78 : 77 9 : 13  
8. (8.) FC Hösbach 13 3 1 9 77 : 106 7 : 19  
9. (9.) SB Versbach II 13 2 2 9 60 : 107 6 : 20  
10. (10.) Viktoria Wombach 15 3 0 12 71 : 124 6 : 24  
 
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