Den 25. Mai 2014 wird Raimund Eichelbrönner nicht so schnell vergessen. Seinem SSV Kitzingen, den er seit Juli 2013 Jahr trainiert, gelingt nur Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit die 1:0-Führung in Dettelbach. Beinahe parallel dazu traf der TSV Sulzfeld beim Siedler-Konkurrenten in Reichenberg zum 1:0. Bei einem Zähler Rückstand der Kitzinger auf Reichenberg vor der Partie war der SSV zu diesem Zeitpunkt Meister. Noch sind fast 45 Minuten zu absolvieren, in denen auf beiden Plätzen viel passieren kann. Sollte sich der SSV Kitzingen wirklich den fast schon verspielt geglaubten Titel doch noch gewinnen?

„Die Spieler wussten zu dem Zeitpunkt nicht, wie es in Reichenberg steht. Dort war dann Schlusspfiff, Sulzfeld hatte tatsächlich gewonnen. Bei uns waren noch vier, fünf Minuten zu spielen. Das waren die längsten, die ich bis jetzt als Spieler oder Trainer mitgemacht habe. Noch ein Eckball für Dettelbach, noch ein Freistoß“, erinnert sich der 57-jährige Übungsleiter an Minuten, die zu Stunden wurden. Dann erlöst Schiedsrichter Michael Krug mit seinem Schlusspfiff Raimund Eichelbrönner und den gesamten Kitzinger Tross. Der SSV gewinnt 1:0, Reichenberg verliert und verspielt damit tatsächlich den Titel. Wie er selbst den Moment erlebte? „Das war Emotion pur, einfach Wahnsinn!“ So langsam setzt der Jubel ein, mancher der Spieler hat noch nicht begriffen, was Sache ist. Schließlich folgen die Momente der Freude. „Ich habe schon einige Sachen erlebt, aber damit konntest du nicht rechnen“, gibt der Dipbacher zu.

So richtig daran geglaubt habe er nicht, dass es noch klappen könnte. In den letzten Jahren hatten die Siedler nie gewonnen in Dettelbach, das zudem noch um den Ligaverbleib bangte. Im Vorfeld hatte sich Eichelbrönner auf Platz zwei eingestellt und bereits mögliche Gegner für die Relegation beobachtet. Umso schöner sollte der spontane Moment sein. Der Verein hatte keine Meister-T-Shirts anfertigen lassen, selbst das Meister-Foto wurde im spontanen Feier-Trubel vergessen.

Später im SSV-Vereinsheim strahlte alles. Die Sulzfelder, die den SSV zum Meister gemacht hatten, schauten auf der Party vorbei. Gefeiert wurde im Anschluss kräftig. Der Abschluss-Akkord der Feierlichkeiten wird auf Mallorca gespielt, wo sich die Mannschaft Ende Juni eine Woche lang austoben wird. „Da sollen die Jungs mal unter sich feiern, ich will da nicht dabei sein“, begründet Eichelbrönner seinen Verzicht. Zum Start des Kapitels Bezirksliga am 30. Juni werden sie wieder zurück sein.

Die gerade abgelaufene Saison hatte gut für den SSV begonnen, der aus den ersten zwölf Spielen 32 Punkte einfuhr und damit gleich ganz oben landete. Drei Niederlagen in Serie sorgten dafür, dass der Vorsprung im Winter nicht zu groß wurde.

Es folgte eine Zeit, in der sich Raimund Eichelbrönner wunderte und von Zweifeln geplagt wurde. Die Vorbereitung lief schleppend, die Beteiligung im Training ließ zu wünschen übrig. Und das als Tabellenführer. „Ich dachte, Mensch Leute! Wisst ihr denn nicht, was ihr hier verschenkt Es war schwierig, der Wurm irgendwie drin. Vielleicht war es bei manchen eine Spur Bequemlichkeit“, schildert der Trainer beim Rückblick. Mit Christopher Soldner und Bernd Keilholz verabschiedeten sich zudem zwei wichtige Akteure beruflich ins Ausland. Verletzungen gesellten sich hinzu.

Der Vorsprung des SSV schmolz weiter. Die mangelnde Fitness bei einigen wirkte sich aus. Mancher, der zuvor länger gefehlt hatte, musste den Trainingsrückstand erst einmal aufholen. Zwei Heimniederlagen auf der Zielgeraden gegen Sulzfeld und Bayern Kitzingen II machten die Ausgangslage schwierig, zumal noch die Partie in Reichenberg am drittletzten Spieltag anstand

Was im Nachhinein das Schlüsselspiel für Eichelbrönner werden sollte, begann mit einem Schrecken für den SSV. Nach zwölf Minuten musste Felix Scheider mit Roter Karte vom Feld, fast 80 Minuten mit einem Mann weniger standen an. „Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Wie sollen wir das überstehen? Ich hatte keine Abwehrspieler mehr und musste Dennis Ketturkat als Innenverteidiger aufbieten“, erinnert sich der Trainer. Es klappte, die Mannschaft biss sich durch und brachte ein 1:1 mit, statt alles zu verspielen.

Der Rest ist bekannt. Jetzt steht der SSV Kitzingen nach zehn Jahren wieder in der Bezirksliga, dort, wo der Klub längst wieder hin wollte. „Nach der Vorrunde hatte jeder die Erwartung, wir waren doch schon durch bei allen Trainern der Konkurrenten“, schaut Eichelbrönner zurück. Manche personelle Not wurde irgendwie überstanden, etwa mit A-Jugendtorwart Marco Bischoff im Kasten oder den glücklicherweise wieder genesenen Dominik Held und Daniel Tausch. Oder Jugendspieler Christopher Hornung, und und und . . .

Für die Bezirksliga weiß Eichelbrönner, dass seine Truppe eine Schippe drauf legen muss. Bange ist ihm nicht. „Wir müssen uns an ein intensiveres, schnelleres Spiel gewöhnen. Wenn ich alle an Bord habe, dann haben wir die Qualität dazu.“ Mit dem von Ende Juli bis Oktober in Südafrika weilenden Lukas Pauluhn fällt der Kapitän zunächst aus. Dennis Ketturkat muss sich am Knöchel operieren lassen und wird ebenso fehlen. Routinier Marko Renner wird aufhören. Es gelte erst recht, die Euphorie mitzunehmen, damit die Bezirksliga möglichst länger zur sportlichen Heimat des SSV Kitzingen wird.