Die definitive Zusage hat Elzbieta, genannt Ela, Flohr erst vor einigen Tagen gegeben. Sie hatte sich Bedenkzeit erbeten – bis sie am Ende doch zustimmte, die Handballerinnen des TV Etwashausen in die neue Bayernliga-Saison zu führen. Frei geworden war der Posten des Trainers, nachdem Ingo Preun im Sommer aus zeitlichen Gründen seinen Abschied verkündet hatte.

„Mein Urlaub war für den August bereits geplant. Ich bin mit den Verantwortlichen so verblieben, dass ich mir da noch einmal Gedanken mache, ob ich diese Aufgabe annehme“, sagt die gebürtige Polin, die seit einigen Jahren in Mainbernheim verheiratet ist. Außerdem gibt Ela Flohr zu, dass sie nach ihrem Ausstieg bei den Handball-Frauen des TSV Mainbernheim im Sommer 2010 erst einmal Distanz zum Trainergeschäft gesucht habe.

Nun kam die Wendung zurück zu dem Sport, den sie einst in ihrer Heimat begonnen und später professionell betrieben hat. Unter anderem in Danzig spielte Ela Flohr in der ersten polnischen Liga, Ende der achtziger Jahre kam sie nach Deutschland. Hier spielte sie noch eine Zeit lang selbst, zog sich dann zurück und trat 2009 wieder bei den Frauen des TSV Mainbernheim in Erscheinung, nur für ein Jahr allerdings, dann war Schluss. Bis heute.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal so hochklassig einsteige“, gibt sie zu. Die sportliche Herausforderung und den Zeitaufwand der Bayernliga musste sie mit Familie und Kindern absprechen. „Das muss ja alles passen – vor allem bei den Auswärtsspielen bleibt viel Zeit auf der Strecke.“

Beim TV Etwashausen hatte nach Preuns raschem Abschied Peter Renner das Team trainiert, da der Verein zunächst keinen geeigneten Nachfolger fand. Spielervater Renner wollte ursprünglich als Betreuer mithelfen, sich eher um organisatorische Dinge kümmern. Für den Fall der Fälle stehe er als Notnagel bereit, hieß es. So weit kommt es nun doch nicht, denn nachdem Ela Flohr sich in ein paar Trainingseinheiten und zuletzt beim Turnier in eigener Halle ein Bild von der Mannschaft gemacht hatte, sagte sie zu.

Die Spielerinnen habe die vorerst unklare Personalie des Trainers kaum gestört, sagt Melanie „Melle“ Meyer. Die Vorbereitung sei fast geräuschlos verlaufen. „Dadurch, dass wir einen so großen Zusammenhalt haben, war das kein Problem. Peter hatte ja das Training geleitet.“ Beim abschließenden Trainingslager vergangenes Wochenende habe dann die neue Trainerin bereits Kleinigkeiten angesprochen und geändert. „Angriff und Abwehr passen im Großen und Ganzen. Sie möchte noch eine zweite Abwehrvariante und weitere Spielzüge reinbringen“, sagt die 23 Jahre alte Rückraumspielerin.

In der Tat hat Elzbieta Flohr bereits Gefallen an ihrer neuen Mannschaft gefunden. Für sie ist die neue Aufgabe beim TVE „eine Herausforderung, es ist ja die beste Frauenmannschaft hier im Umkreis“. Team und Umfeld kennen zu lernen – das stand für sie dieser Tage neben der Trainingsarbeit an. Viel geredet habe sie in den ersten Trainingstagen mit den Spielerinnen, aber nicht nur das. „Es steckt schon Potenzial in ihnen, und fleißig sind sie auch. Ich glaube schon, dass man aus der Mannschaft noch ein wenig herausholen kann“, meint Ela Flohr.

Zusätzliche Schlagkraft hat das Team etwa durch Ann-Kathrin Lang gewonnen, einer talentierten Außenspielerin, die aus Marktsteft gekommen ist und auch zentral eingesetzt werden kann. Dazu holte man in Judith Keilholz eine junge Torhüterin, auch weil Daniela Braun sich langsam zurückziehen möchte.

Zum Aufgebot gehört zudem wieder Carolin Straßberger, die vergangene Saison lange verletzte Spielmacherin. Nicht einsatzfähig ist Nadine Alt, die mit Bandscheibenproblemen vorerst kürzertreten muss. Eine ordentliche Runde und einen Platz im Mittelfeld der Tabelle traut Melanie Meyer ihrer Mannschaft wieder zu. „Ich schaue positiv in die Runde. Wir spielen zuerst beim Aufsteiger in Taufkirchen, dann gegen Bergtheim, wo angeblich einige Spielerinnen aufgehört haben. Das sind zwei Gegner, die man nicht einschätzen kann“, sagt sie vor dem Start in die vierte Bayernliga-Spielzeit des TVE.

Kader TV Etwashausen

Abgänge: keine.

Zugänge: Ann-Kathrin Lang (TV Marktsteft), Judith Keilholz (SG Dettelbach/Bibergau).

Aufgebot, Tor: Daniela Braun, Judith Keilholz, Julia Hebling.

Rückraum: Ann-Kathrin Lang, Melanie „Melle“ Meyer, Laura Knorz, Carolin Straßberger, Nadine Arlt, Anna-Maria Renner.

Kreis: Julia Meyer, Isabella Renner.

Außen: Ricarda Suciu, Janina Ruschin, Melanie Meyer, Anja Muther, Jessica Ullrich.

Trainerin: Elzbieta Flohr (neu, TSV Mainbernheim).

Saisonziel: Mittelfeldplatz. Meistertipp: HCD Gröbenzell.