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HANDBALL

Eine Markstefterin in der Handball-Bundesliga

Cara Reuthal steht in dieser Saison beim Handball-Erstligisten Ketsch im Aufgebot. Warum sich die 18-Jährige als Neuling oft noch hinten anstellen muss.
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Seit dieser Saison für die TSG Ketsch in der Frauen-Bundesliga auf Torejagd: Die aus Marktsteft stammende Cara Reuthal. Foto: Foto: Daniel Glaser

Für den Fasching blieb Cara Reuthal dieser Tage nicht viel Zeit. „Das ist so gut wie ausgefallen. Wir hatten Rosenmontag frei, trafen uns und saßen mit der Mannschaft zusammen, aber sonst war?s das“, erzählt die aus Marktsteft stammende Handballerin, die im März 19 Jahre alt wird. Seit letzten Sommer spielt sie beim TSG Ketsch, einem Klub im Rhein-Neckar-Kreis in der Nähe von Mannheim, der als „Kurpfalz Bären“ in der Bundesliga der Frauen spielt. Mit 26:34 setzte es am Faschingssamstag für die Bären gegen Frisch Auf Göppingen eine weitere Niederlage.

Wie in allen Spielen vorher, stand Cara Reuthal auch gegen Göppingen im Aufgebot der erst im Sommer in die Bundesliga aufgestiegenen TSG. Einen Tag später, am Faschingssonntag, musste sie im Heimspiel der „Reserve“ in der Dritten Liga gegen Markranstädt erneut ran. Dort gab es beim 31:29-Sieg ein Erfolgserlebnis für sie. Bei den „Junior-Bären“, wie sich die Zweite nennt, ist die 18-jährige Linkshänderin eine der Stützen der Nachwuchs-Mannschaft.

Zwei Spiele am Wochenende, das ist nicht ungewöhnlich für die Marktstefterin: „Das bin ich schon gewohnt. Die anderen gehen feiern, ich spiele, das war auch in der Jugend öfters so.“ Von der Jugend an durchlief Cara Reuthal die Auswahl-Mannschaften des Bayerischen Handballverbandes, zuletzt spielte sie dank des Doppelspielrechts bei der HG Erlangen und bei ihrem Heimatverein in Marktsteft. Dort gehörte die Linkshänderin zu dem Jahrgang, der in der bayerischen Spitze mitmischte.

Seit letzten Sommer hat sich für die junge Frau einiges verändert. Mit dem Abitur in der Tasche entschloss sie sich, den Sprung weg von zuhause zu wagen. Cara wohnt nun in Mannheim mitten in der Stadt, selbst Wäsche waschen und kochen gehört nun für sie neben Handball zum Alltag. „Die erste Zeit war das schon komisch. Aber daran gewöhnt man sich“, sagt sie.

Tagsüber absolviert die Unterfränkin im Bereich Sport und Fitness bis zum Herbst ein Praktikum. Ab Oktober will sie ein Studium in Heidelberg im sozialen Bereich oder in Pädagogik beginnen. Geplant ist also ein längerer Aufenthalt in Baden-Württemberg, schließlich gehe der Vertrag bei der TSG Ketsch über insgesamt drei Jahre.

Der Kontakt von Cara Reuthal nach Ketsch entstand über die Beachhandball-Mannschaft der „Caipirinhas Erlangen“, wo mit Sabine Stockhorst eine ihrer Mitspielerinnen bei Ketsch ebenso aktiv ist. „Sie hat mich quasi vermittelt. Ich wurde zum Probetraining eingeladen, dann hieß es, man möchte mich. Also sagte ich zu. So eine Chance bekommt man vielleicht nicht so oft“, erzählt die 1,75 Meter große Linkshänderin.

Der Wechsel zum Bundesliga-Aufsteiger aus der 13 000-Einwohner-Stadt im Rhein-Neckar-Kreis brachte für Cara Reuthal gerade in sportlicher Hinsicht eine Umstellung. Training ist für sie nahezu jeden Tag angesagt, das Niveau der Übungseinheiten sei schon etwas anderes, erzählt sie. Gerade körperlich werde sie mehr gefordert. Das habe sie gewusst und auch so gewollt. Neben den Einheiten mit der ersten und zweiten Mannschaft am Abend stehen für Cara meist vormittags zusätzliche Schichten Fitness auf dem Plan.

Die junge Handballerin ist zufrieden mit ihrer Rolle in der neuen Umgebung, auch wenn die „Kurpfalz Bären“ in der Bundesligatabelle im hinteren Drittel rangieren. Als Aufsteiger habe man sich von Beginn an auf eine schwierige Runde eingestellt. „Wir sind in jedem Spiel klarer Außenseiter, auch weil wir eine sehr junge Mannschaft haben“, erzählt Cara Reuthal. Dazu komme, dass die meisten Mitspielerinnen „Feierabend-Handballerinnen“ seien, also tagsüber studieren oder arbeiten.

Die junge Frau aus Marktsteft ist zufrieden mit dem Start bei den Bären. „Ich war bei jedem Spiel der Ersten im Kader und habe auch Spielzeit bekommen. Gegen Bietigheim durfte ich 30 Minuten ran“, erzählt Cara. Für eine junge Spielerin wie sie, sei es normal, sich als Neuling erst einmal hinten anzustellen. Da könne es eben auch sein, dass man in der Bundesliga auch mal 60 Minuten nur auf der Bank verbringe.

Ihr erstes Bundesliga-Tor hat sie im Hinspiel gegen Göppingen erzielt, aktuell steht sie bei drei Treffern. Eingesetzt wurde sie meist auf Rechtsaußen, doch die Position ist für sie nicht das entscheidende. Sie freut sich, Spielanteile und Erfahrung zu sammeln: „Ich würde mich zur Not auch ins Tor stellen.“

Was die Tabelle betrifft, schaut es bei der ersten Garnitur nicht so rosig aus, Auf den vorletzten Platz ist die TSG Ketsch abgerutscht, beim 26:34 gegen Göppingen musste der Aufsteiger einmal mehr Lehrgeld zahlen. Erst ein Sieg und ein Unentschieden stehen nach nun 16 Spielen auf der Habenseite der Kurpfalz Bären.

Was ihr Potenzial betrifft, sieht Cara noch viel Steigerungsmöglichkeiten. Athletik, Kraft und Schnelligkeit – das mache im Bundesliga-Handball die Unterschiede. „Ich brauche noch mehr Durchschlagskraft im Angriff, da bin ich oft noch zu zaghaft“, bekennt sie selbstkritisch. Die Abläufe wie Spielzüge müssten in Fleisch und Blut übergehen, das werde mit der Zeit immer besser, hat sie festgestellt.

Natürlich ist Cara Reuthal auch immer auf dem Laufenden, was ihre frühere Mannschaft vom TV Marktsteft betrifft: „Es freut mich, dass sie als Aufsteiger so gut in der Landesliga mithalten.“ Über Freundinnen, aber auch die Eltern, die oft zu den Spielen nach Ketsch kommen, informiert sie sich. Zuhause am Main war sie dagegen eher selten, zuletzt an Weihnachten.

Ob ihr sportliches Ziel lautet, längerfristig Stammspielerin in der Bundesliga zu werden? „Klar, ich würde lügen, wenn ich was anderes sagen würde. Das ist schon mein großes Ziel.“

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