Es scheint ein meteorologisches Gesetz zu geben, nach dem eine Spielgruppentagung im Raum Würzburg und Kitzingen stets bei recht unfreundlichem Wetter stattfindet. Im letzten Jahr rutschten die Teilnehmer bei Eisglätte nach Erlach, heuer kämpften sie sich durch den Schnee bis zur Ochsenfurter Maininsel. Entsprechend düster fiel auch die Prognose von Kreisspielleiter Bernd Reitstetter hinsichtlich der wenigen Nachholspiele am 26. Februar aus: "Zu 80 bis 85 Prozent gehe ich schon heute von einer Absage aus."
Ebenso skeptisch sind Reitstetter und sein Kollege Michael Köhler für den ersten Spieltag dieses Jahres am 3. und 4. März: "Uns wird schon Angst und Bange, wenn wir hier nur aus dem Fenster schauen." Aufgrund der drohenden Absagen richteten sie einen Appell an die Vereinsvertreter: "Lasst eure Trainer beim Anrufen und Absagen außen vor. Regelt es selbst, lasst sie eure Mannschaft trainieren", gaben beide den Funktionären mit auf deren Weg.
Zugleich erwähnte der Kreisspielleiter "einige wenige Ausnahmen, die mich am Telefon blöd anquatschen, weil sie sich nicht zu benehmen wissen". Doch gehe es mitunter auch einvernehmlich bei einer Absage zu: "Wenn der Gegner zustimmt, das sagen wir euch weiter zu, verlegen wir ein Spiel auch noch kurzfristig", so Reitstetter. Beantragt ein Verein eine Spielabsage wegen fehlender Spieler, werde zuerst die zweite Mannschaft abgesetzt, so dass Spieler zur Verfügung stünden, um das Spiel der ersten Mannschaft ordnungsgemäß durchzuführen.

98 Prozent der Plätze bekannt


"In zwölf Jahren, so lange bin ich tatsächlich schon beim Verband tätig, hatten wir nur einen Fall, dass aufgrund einer Absage ärztliche Atteste vorgelegt werden mussten", berichtete Reitstetter - sage und schreibe 14 Atteste seien dem Verband anschließend ins Haus geflattert. "Da war der Spielleiter wohl selbst noch Arzt", sorgte als Zwischenruf für Gelächter. Sollte der Platz unbespielbar sein, sei der offizielle Weg einzuhalten - "der erste Ansprechpartner ist immer der Spielleiter." Doch schrieb Reitstetter seinen Vereinen folgenden Hinweis ins Poesiealbum: "Wenn mir eine Absage spanisch vorkommt, können wir das Spiel auch auf den gegnerischen Platz verlegen. Es ist nicht so, dass wir davon Gebrauch unbedingt machen wollen, aber schließlich leben auch wir nicht auf dem Mond. Ich kenne 98 Prozent eurer Plätze."
Zum Ende der Sitzung fragte Sportleiter Claus Bidner von der Spvgg Gülchsheim aufgrund der sich wiederholenden Zustände im Februar und März auf den Plätzen nach Lösungen, um in den Mannschaften eine ordentliche Vorbereitung durchführen zu können und im Verband die ersten Spieltage nicht mehr so häufig wie in den letzten Jahren absagen zu müssen. Dieter Köberle vom SSV Kitzingen pflichtete ihm bei: "Unsere Spieler wissen gar nicht mehr, wie ein grüner Rasen aussieht, dafür kennen sie jedes Verkehrsschild in der Siedlung."

Mittelfränkische Version


Reitstetter stellte klar, dass eine derartige Änderung am Rahmenterminplan nur einvernehmlich mit dem gesamten Bezirk erfolgen könne: "Es wird nur eine einheitliche Lösung für ganz Unterfranken geben." Er gab zu bedenken, dass der in Mittelfranken eingeschlagene Weg, die unteren Ligen auf 14 Mannschaften zu verringern, Vor- und Nachteile mit sich bringe. "Wenn unsere Vereine das möchten, können wir eine Anfrage nach kleineren Ligen gerne starten. Bei vier eingesparten Spieltagen würden wir den Plan deutlich entzerren." Jedoch fielen pro Verein zwei Heimspiele weg. Auch könnten die Spiele von ersten und zweiten Mannschaften nicht mehr angeglichen werden: "Wenn ihr es wollt, sagt uns Bescheid, ihr würdest uns sogar einen Gefallen tun, weil es die bisherige Arbeit erleichtern würde."
Schließlich hatte Reitstetter noch einen spitzen Pfeil im Köcher - er traf den Toto-Pokal. "Es ist uns ein Dorn im Auge, dass die kleineren Vereine meistens ohne Training direkt in den Pokal einsteigen müssen", nannte Reitstetter als Motiv für geplante Reformen. Dass sie kommen, sei gewiss, wann und wie stehe allerdings noch nicht fest. Der im Juli beginnende Wettbewerb werde noch einmal in alter Form ausgetragen, aber ab Oktober könnte schon der reformierte Modus greifen. Das Endspiel würde in den Mai vorverlegt werden, der Toto-Pokal insgesamt weniger Zeit beanspruchen und der Kreispokalsieger im Folgejahr an der ersten bayernweiten Hauptrunde teilnehmen. Reitstetters Vorschlag, diesen in den ersten Runden durch zentrale Blitz-Turniere an einem Wochenende zu ermitteln, fiel bei der Versammlung zunächst durch.
"Es ist noch nichts entschieden, sondern wir befassen uns momentan mit allerlei Gedankenspielen", beschwichtige er das Stöhnen der Vereine und erhofft sich von ihnen weitere Ideen, wie man den Toto-Pokal umgestalten könne.