Motorsport

Ein Unfall überschattet Hoffmanns Sieg

Vorsprung verteidigt, den Titel vor Augen: Klaus Hoffmann gewinnt in Eichenbühl die Tourenwagen-Klasse – und bekommt gleichzeitig die Gefährlichkeit seines Hobbys vor Augen geführt.
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Nur noch ein Wrack: Jürgen Seitz verunglückte am zweiten Tag des Bergrennens in Eichenbühl schwer, ist aber außer Lebensgefahr. Foto: Foto: Hartmut Hess
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Überschattet vom tragischen Unfall des Leutkirchers Jürgen Seitz, hat Klaus Hoffmann beim 45. AvD-Bergrennen von Unterfranken in Eichenbühl seinen Vorsprung in der deutschen Tourenwagen-Automobil-Bergrennmeisterschaft verteidigt. Der Motorsportler des AMC Kitzingen geht damit als Favorit auf den Titel ins Saisonfinale in Mickhausen am 6. und 7. Oktober.

Aus dem Duell mit dem Eichenbühler Lokalmatador Norbert Brenner und dem Österreicher Herbert Stolz ging Hoffmann als heimlicher Sieger hervor. Im ersten Durchgang schlug er Brenner gar in seinem „Wohnzimmer“. Der Eichenbühler hatte sich für das Rennen am Wochenende in der eigenen Garage eingerichtet.

Hoffmann fuhr Sonntagvormittag ein furioses Rennen: Er schlug Brenner im Duell der Piloten ehemaliger DTM-Boliden um die Winzigkeit von drei Hundertstelsekunden und holte wichtige 15 Punkte für die deutsche Meisterschaft. Beim zweiten Lauf revanchierte sich Brenner, er setzte sich an die Spitze der Klassenwertung, so dass es zwischen den beiden eins zu eins stand. Stolz vermochte in dieser Auseinandersetzung nicht mehr mitzuhalten und musste im vorletzten Saisonrennen Brenner an sich vorbei ziehen lassen. Stolz landete zweimal auf Rang drei der Tourenwagen-Königsklasse, Norbert Handa musste jeweils mit einem vierten Rang zufrieden sein.

„Ich denke, ich habe Brenner und Stolz im ersten Lauf schon etwas geschockt“, sagte Klaus Hoffmann und sah seine psychologische Botschaft an die Konkurrenten angekommen. Der Buchbrunner stockte sein Konto am Sonntag auf 243 Punkte auf und geht mit 21,5 Punkten Vorsprung vor Brenner (221,5) und Stolz (220) als heißester Titelkandidat in das letzte Rennen in Mickhausen. Damit steht der AMC-Fahrer vor der Krönung seiner Laufbahn, die beim Schwanbergrennen 1988 in einem Ford Escort begonnen hatte. Stolz haderte unterdes mit Getriebeproblemen und äußerte sich verblüfft von Klaus Hoffmanns Duftmarke. „Hoffmann hat jetzt die besten Karten“, fand Stolz, er vergaß aber nicht zu betonen, dass sich die Lage beim Rennsport schnell ändern könne.

Dass die Sache schnell vorbei sein kann, erlebte Hoffmann, als er seinen Opel Astra am Samstag in die Leitplanke setzte. Stundenlang war seine Mechaniker-Riege gefordert, um den Renner wieder flott zu kriegen. Mehr Pech hatte am Sonntag Jürgen Seitz. Der Leutkircher flog mit seinem Ford Escort MK III aus der Honda-Kurve, überschlug sich mehrmals und wurde lebensgefährlich verletzt.

Der junge Allgäuer musste von den Rettungskräften aus dem Wrack geschnitten und vom Rettungshubschrauber in die Frankfurter Unfallklinik der Berufsgenossenschaft gebracht werden. Inzwischen gaben die Ärzte Entwarnung: Seitz habe stabilisiert werden können und schwebe nicht mehr in Lebensgefahr. Der Unfall ernüchterte Fahrer und Zuschauer in Eichenbühl gleichermaßen, und Rennleiter Peter Thumbeck entschied sich im Sinne des Sports dafür, das Rennen abzubrechen und lediglich zwei Läufe zu werten.

Norbert Handa gelang es nicht, in den Kampf um die Podestplätze einzugreifen, obwohl er eigens neue Mi-chelin-Reifen für 18-Zoll-Felgen aufgezogen hatte. Der Markt Einersheimer plagte sich im ersten Durchgang mit Schaltfehlern und ließ dabei eine mögliche Zeit von 1:19 Minuten aus. Der Meister der Jahre 2002 und 2010 verbesserte sich im zweiten Lauf auf eine 1:20er-Zeit – und war damit annähernd zufrieden. Für ihn war 2012 ohnehin ein verlorenes Jahr, weil er seinen neu aufgebauten Lancia Delta Integrale wegen fehlender Teile nicht an den Start bringen konnte. Erst im kommenden Jahr wird Handa in seinem weiß-blauen Knauf-Renner wieder konkurrenzfähig im Titelrennen sein.

Derweil strahlte aus dem Quartett des AMC Kitzingen Norman Struckmann, der im Ford Escort Cosworth überraschend den zweiten Platz der Klasse H bis 2000 Kubikzentimeter errang. „Ich habe hier die Erfahrung gemacht, noch später und weniger hart bremsen zu können“, schilderte der Großlangheimer seine fahrerischen Fortschritte. Nach zuletzt einem Klassensieg in Oberhallau nahm er dieses Jahr schon mehrere Pokale mit. Jetzt will er im KW-Bergcup weiter vorne angreifen.

Mit 31 Jahren ist Jürgen Schuster beileibe kein Jungspund mehr, trotzdem genießt er seinen aktuell dritten Platz in der Rookie-Wertung des KW-Bergcups. Der Mittelfranke im Dienst des AMC Kitzingen verbesserte sich im zweiten Lauf und musste im Maz-da RX 7 nur zwei Konkurrenten den Vortritt lassen. Eine andere Übersetzung und neue Reifen ließen ihn dieses Jahr in Eichenbühl zwei Sekunden schneller werden. Schuster will mit seinen AMC-Kollegen auch in Mickhausen mitmischen, um sich weiterzuentwickeln. In der Gesamtwertung ist der Schweinfurter Uwe Lang nach dem Sieg in Eichenbühl nicht mehr einzuholen.

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