Tennis

Ein Talent, entdeckt im Kindergarten

Ludwig Fuhr hat einen Traum: Er möchte unter die weltweit besten Tennisspieler – und der Neunjährige, der so forsch spricht wie er spielt, arbeitet hart dafür.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fast nur Tennis im Kopf: Ludwig Fuhr arbeitet zielstrebig an seiner sportlichen Karriere. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Der Junge weiß, was er will, wenn es um Tennis geht. „Also“, sagt Ludwig Fuhr, „mein Ziel ist es, mindestens unter die besten 300 in der Welt zu kommen.“ Bis dahin ist zwar noch ein weiter Weg, doch die ersten recht erfolgreichen Meter dazu hat der Neunjährige aus Enheim bereits hinter sich. Ludwig gehört zu den größten Talenten, die es aktuell bei den Knaben im bayerischen Tennis gibt.

Gleichwertige Gegner seines Alters hat Ludwig hier in Unterfranken so gut wie nicht. Er tritt zwei Altersklassen höher an, gegen zwölf- oder dreizehnjährige Jungs, um richtig gefordert zu werden, immer öfter auf dem richtigen Spielfeld und nicht auf dem Kleinfeld oder auf dem Midcourt, das seinerzeit speziell für Kinder eingerichtet wurde. Und auch nicht mehr mit den leichten Bällen, die es zum Anfang gibt. Ab Januar darf Ludwig Fuhr offiziell in der Altersklasse U12 antreten – endlich, wie man meinen möchte.

Die körperlichen Voraussetzungen dazu hat der junge Enheimer, der mit seinen fast 1,60 Metern schon recht groß ist für sein Alter. Beim Tennis ist dies natürlich von Vorteil – zumal er auch die nötige Kraft besitzt und sie in seine Schläge einbauen kann. „Er ist technisch sehr gut, hat viel Gefühl und das Verständnis für Tennis“, sagt Michael Fric, bei dem der Neunjährige in Gerolzhofen mittlerweile regelmäßig trainiert.

Ludwig Fuhr ist ein aufgeweckter Kerl, das spürt man sofort, wenn man dem Viertklässer gegenüber sitzt. Was ihm am Tennis gefällt, sagt er ohne Umschweife. „Tennis ist ein Kampfsport, da kann man sich richtig auspowern. Das tut mir richtig gut.“ Begeistert ist er von den Wochenend-Camps in der Tennis-Akademie von Rainer Schüttler und Alexander Waske in Offenbach, wo er hin und wie-der teilnimmt. Sie liegen ihm näher als das Golfen, das er bis vor kurzem spielte, ebenfalls recht verheißungsvoll.

Das Trainingspensum, das Ludwig beim Tennis absolviert, ist enorm anspruchsvoll. Viermal die Woche wird geübt, außer in Gerolzhofen einmal am Stützpunkt in Hambach mit Verbandstrainer Christian Höhn. Gelegentlich geht es nach Goldbach, wo er zusammen mit Tom Sickenberger spielt, einem gleichaltrigen, ähnlich veranlagten Jungen. „Die beiden sind unschlagbar“, sagt Ludwigs Mutter, Jasmin Fuhr-Küspert. Zudem tritt der Neunjährige in der Mannschaft des TC Herzogenaurach an.

Die Mutter ist durch Ludwigs Leidenschaft ganz schön gefordert und viel unterwegs. Kürzlich hat der Sohn ein U10-Turnier in Frankfurt gewonnen, kurz darauf schlug er in Konstanz auf – und als nächstes geht's nach Weiden. Das sei nötig, um sich mal mit Stärkeren seines Alters zu messen, sagt Jasmin Fuhr-Küspert.

Sie sieht das Tennis als ein Spiegelbild für Ludwigs Charakter. „Er ist ein Kämpfer, verbissen, für ihn zählt nur der Sieg. Verlieren kann Ludwig nicht so. Er ist eher der Typ Einzelsportler als ein Team-Player.“ Zum Training müsse man ihn nie drängen. Sie hebt hervor, dass ihr Sohn auf sein Ziel fixiert und psychisch stark sei. „Wenn er mal den ersten Satz mit 0:6 verloren hat, ist er in der Lage, das Spiel zu drehen.“

Außerhalb des Platzes schildert ihn die Mutter als sehr diszipliniert, was die Schule betrifft. Selbst nach intensivem Training müsse sie ihren Sohn nicht drängen, dass er sich über die Hausaufgaben mache oder lerne. Das Abitur mit einem Einser-Schnitt hat sich der Junge, der an der Schwelle zum Gymnasium steht, vorgenommen. Manchmal allerdings, gibt die Mutter zu, müsse sie ihn schon etwas bremsen. Ludwig brauche Bewegung, da werde es die Weihnachtstage über schwierig, ihn ohne seinen Sport zu beschäftigen.

„Er ist ein Kämpfer, verbissen. Für ihn zählt nur der Sieg.“
Jasmin Fuhr-Küspert über ihren Sohn Ludwig (9)

Von wem ihr Sprössling das Talent habe, weiß Jasmin Fuhr-Küspert nicht zu sagen. Sie ist früher geritten. Ludwigs Vater war erfolgreicher Ruderer. Über den Kindergarten fand Ludwig zum Tennis. Dort machte eine Erzieherin die Eltern auf das ungewöhnliche Ballgefühl des Jungen aufmerksam, das er beim Federballspielen gezeigt habe. Deren Rat, es mal mit Tennis zu probieren, nahm Jasmin Fuhr-Küspert an. Sie meldete Ludwig beim HC Marktbreit an, wo er von Jürgen Matern die ersten Schläge lernte. Im ersten Jahr gewann er gleich seinen ersten Siegerpokal – beim Turnier in Nürnberg. In diesem Stil ging es fast weiter.

25 Turniere hat Ludwig im fast abgelaufenen Jahr gespielt, ein stolzes Pensum. Beim renommiertesten Turnier hierzulande in Detmold schaffte er es bei seiner ersten Teilnahme bis ins Hauptfeld seiner Altersklasse. Das will er auch 2016 wieder versuchen. Bis dahin wird eifrig trainiert und gespielt. Was er kann, weiß Ludwig. Er besitze eine gute Ausdauer. „Ich bin eher ein offensiver Spieler. Ich mache viel Power mit dem Handgelenk, und mein Aufschlag ist gut, gezielt und hart“, sagt er so forsch, wie es seine Spielweise ist.

Enormes Talent spricht ihm Trainer Michael Fric nicht ab. Die Entwicklung, wie Ludwigs Weg verlaufe, sei aber schwer vorherzusagen. „Da spielen noch viele Faktoren mit rein, auch der Körper muss mitmachen. Wir arbeiten daran, dass er noch besser wird.“ Den richtigen Weg hat der Junge auf jeden Fall schon mal eingeschlagen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.