Fussball-Landesliga Nordwest

Ein Stich in Bayerns Kämpferherz

Eine Standardsituation entscheidet das Landkreisderby zu Gunsten Abtswinds. War die entscheidende Finte zum 0:1 einstudiert?
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Im Hintertreffen: Der Kitzinger Johannes Dürr (rechts) verfolgt den ballführenden Abtswinder Jürgen Endres. Foto: Foto: Jürgen Sterzbach

Wenn Fußballspiele ausgeglichen erscheinen und dann doch mit einem Sieger enden, finden sich die anderen nicht in diesem Ergebnis wieder. So hinterließ das 0:1 (0:0) der Kitzinger Bayern am Samstag gegen den TSV Abtswind enttäuschte Gastgeber, die sich für ihre Leistung nicht mit wenigstens einem Punkt belohnt hatten, während Abtswind nun zum sechsten Mal in Serie unbesiegt blieb. „Diese Niederlage tut so richtig weh“, sagte Kitzingens Trainer Tamer Yigit, „denn über neunzig Minuten waren wir sicherlich nicht die schlechtere Mannschaft.“

Das waren sie wirklich nicht, und dies stellten alle Beteiligten übereinstimmend fest. Während die Gastgeber ihr Leid darüber klagten, für den hohen Aufwand nicht entlohnt worden zu sein, betonte etwa Abtswinds Kapitän Michael Herrmann, dass es „ein intensives Spiel“ und „ein hartes Stück Arbeit“ für ihn und seine Mitstreiter gewesen sei. Für die Kitzinger war es die zweite knappe Niederlage nach dem 0:1 der Vorwoche in Rimpar. Yigit hatte seine Startformation auf einer Position geändert. Für den verhinderten Felix Straßberger übernahm Julian Schuhmann die rechte Abwehrseite. Auch Kollege Thorsten Götzelmann hatte einmal getauscht, da Simon Pauly nach seinem starken Debüt in der Woche zuvor beim 3:2 gegen die Würzburger Kickers fehlte.

Fabian Mauderer besetzte den Posten im linken offensiven Mittelfeld. Ende der ersten Halbzeit ergaben sich erste gute Gelegenheiten: Nach Sebastian Stumpfs Flanke suchte Shawn Hilgert den Abschluss vor Abtswinds Tor, auf der Gegenseite zog Jürgen Endres aus der Drehung ab, scheiterte aber ebenso wie Jörg Otto nach Fabian Mauderers Zuspiel an Torhüter Frank Landauer.

Dass Torchancen weitgehend ausblieben, war die Folge konzentrierter und über weite Strecken fehlerfreier Abwehrarbeit beider Teams, die sich auf hohem Niveau begegneten. „Keiner wollte in Rückstand geraten. Beide standen deshalb hinten sehr gut“, beschrieb Götzelmann die Rahmenhandlung. Ähnlich hörte sich das bei Kitzingens Kapitän an: „Beide verteidigten sehr gut, es war entscheidend, wer das erste Tor erzielen würde“, so meinte Christopher Lenhart. Ausgeglichen war die Partie, und so ging es auch weiter, mit dieser bedeutenden Änderung im Ergebnis. Noch keine Viertelstunde war nach dem Wechsel vergangen, als sich die letztlich spielentscheidende Szene ergab. „Bei Eckbällen gehe ich öfter einmal mit nach vorne“, erklärte Abtswinds zur Halbzeit für den angeschlagenen Mathias Brunsch eingewechselter Verteidiger Adrian Graf.

Nachdem Jonas Wirth einen kurz ausgeführten Eckball Jörg Ottos per Kopf verlängert hatte, fand sich Graf in Nähe des langen Pfostens völlig unbehelligt wieder. Sein präziser Kopfball schlug hinter Landauer im Tor ein und traf mitten ins Kitzinger Kämpferherz.

„So ein Gegentor zu kassieren und dadurch zu verlieren ist sehr bitter“, sagte Yigit und rang in seiner Enttäuschung um Worte. Sebastian Stumpf übte Selbstkritik, da Graf und Wirth unbedrängt den Ball hatten köpfen können. „Beim Gegentor haben wir gleich zweimal nicht aufgepasst.“ Die Übung der Abtswinder schien einstudiert, war sie aber nicht, wie Graf zugab. „Jonas verlängert den Ball genial. Da hat auch der Zufall mitgespielt.“ Und auch Götzelmann dementierte, die Variante vorher einmal geübt zu haben.

Die Bayern brauchten ein paar Minuten, um sich vom Gegentor zu erholen, drängte ab Mitte der zweiten Hälfte die führenden und fortan auf Konter lauernden Abtswinder in die eigene Hälfte zurück. Zuvor hatte der eingewechselte Cristian Dan mittels Seitfallzieher ein wenig Akrobatik ins Spiel gebracht. Die Gastgeber kamen dem Ausgleich nahe, als Ahmed Bakares Flanke Stumpf am entfernten Pfosten fand. „Ich stand ein bisschen zu weit hinten, um den Ball besser auf das Tor zu bringen“, erklärte der 19-Jährige, weshalb sein Kopfball aus kurzer Entfernung doch knapp daneben ging.

Aus Kitzingens Anrennen resultierten in der Schlussviertelstunde keine weiteren Chancen – zumal Abtswinds Torschütze auch seine ureigene Aufgabe in der Abwehr ohne Fehl und Tadel erledigte. Dass es für die offiziell 656 Zuschauer dennoch spannend blieb, lag auch daran, dass Abtswinds Konter von Kitzingens Innenverteidigern Lenhart und Jandl gestoppt wurden, ehe sie gefährlich werden konnten. „Wäre das Spiel unentschieden ausgegangen, hätte sich auch keiner beklagen können“, fand Trainer Yigit, und Stumpf fügte hinzu: „Wir waren nicht die schlechtere Mannschaft. Nur leider konnten wir uns nicht für diesen Aufwand belohnen.“

Das Spiel in der Statistik

Bayern Kitzingen – TSV Abtswind 0:1 (0:0)

Kitzingen: Frank Landauer; Benedikt Jandl, Andre Hartmann, Christopher Lenhart, Johannes Dürr (64. Abdurrahman Marangoz), Julian Schuhmann, Jannik Feidel, Ahmed Bakare, Shawn Hilgert, Daniel Endres (71. Sandro Especiosa), Sebastian Stumpf.

Abtswind: Florian Warschecha; Mathias Brunsch (46. Adrian Graf), Jonas Wirth, Daniel Hämmerlein, Carl Murphy, Fabian Mauderer (60. Albert Fischer), Nicolas Wirsching, Carl Murphy, Michael Herrmann, Przemyslaw Szuszkiewicz, Jürgen Endres, Jörg Otto (64. Cristian Dan).

Schiedsrichter: Patrick Hanslbauer (Stein).

Gelbe Karte: Bakare.

Zuschauer: 656.

Tore: 0:1 Adrian Graf (57., Kopfball aus nächster Nähe nach einer von Jonas Wirth verlängerten Ecke Jörg Ottos).

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