GEWICHTHEBEN

Ein Schwerathlet lebt seinen Traum

Als erster unter den Männern des KSV Kitzingen holt Armin Uhl eine Medaille bei deutschen Meisterschaften. Das reicht dem jungen Bundesligaheber aber noch nicht.
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Mit der Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft hat Armin Uhl ein erstes Ziel erreicht. Foto: Foto: Hartmut Hess

„Das ist mein Talisman, den ich – außer im Bett – immer trage“, sagt Armin Uhl, der Gewichtheber des Kraftsportvereins Kitzingen, über seine Halskette mit einer Hantel als Anhänger. Dieses Markenzeichen kann als Indiz dafür gelten, dass der Albertshöfer an seinem Sport hängt. „Ich bin total vom Gewichtheber-Virus infiziert“, sagt Uhl. Er liebt seinen Sport – und er lebt ihn nach Kräften, genau wie seinen Titeltraum, deutscher Meister bei den Männern zu werden. „Es war einfach ein geiles Gefühl, bei dieser Meisterschaft auf dem Siegertreppchen zu stehen“, erklärt Armin Uhl mit Blick auf seinen bisher größten sportlichen Erfolg: die Bronzemedaille bei den nationalen Titelkämpfen.

„Meine Beine sind schon immer fitter als mein Oberkörper.“
Armin Uhl über seine eher schmächtige Figur

Am 4.

November 2017 machte er in Speyer mit dem dritten Platz in der Gewichtsklasse bis 85 Kilogramm das von ihm lange bearbeitete Gesellenstück: Als erster in der bald 125-jährigen Vereinsgeschichte des KSV holte er bei deutschen Meisterschaften der Männer eine Medaille. Wie stark der 26-Jährige dort auftrumpfte, erkennt man an der Tatsache, dass er nur dem Olympia-Athleten Tom Schwarzbach und dem Weltmeisterschaftsteilnehmer Nico Müller den Vortritt lassen musste. Uhl träumt vom deutschen Meistertitel, und die Perspektive konkretisiert sich, weil Schwarzbach mit 30 Jahren wohl bald zu den Masters (Senioren) wechseln wird und Müller eigentlich aus der Klasse bis 77 Kilo kommt und in Speyer nur ausnahmsweise in der höheren Gewichtsklasse gestartet war.

„Das ist mein großer Traum – den deutschen Meistertitel zu holen, und dafür tue ich alles“, sagt der bescheidene und ruhige Typ, der nur an der Hantel aus sich herausgeht und sich voll reinhaut, um nach dem gelungenen Gesellen- auch sein Meisterstück zu schaffen.

2017 sei das beste Jahr in seiner Heber-Laufbahn gewesen, sagt der Albertshöfer: Er erzielte persönliche Bestleistungen beim Reißen (136 Kilo), beim Stoßen (165 Kilo) und im Zweikampf (301 Kilo) – unterfränkische Rekorde wie die daraus resultierenden 126,6 Relativpunkte. Bei den Titelkämpfen in Speyer trat er fokussiert auf. Unterstützt von seinem Vereinstrainer beim Bundesligisten AC Mutterstadt, Dennis Eichner, startete Armin Uhl auf großer Bühne durch. „Wir haben im Stoßen richtig draufgepackt“, sagt der Spitzenheber über seine Strategie.

In seiner ersten Teildisziplin ließ er mehrere – laut Meldeliste stärker eingeschätzte – Widersacher im Feld der 17 Heber hinter sich. „Das Reißen ist mir lieber, obwohl dabei mehr schief gehen kann“, sagt Armin Uhl. Seine Vorliebe verwundert nicht. Denn er kam nie als ein Mann mit Muskelbergen daher – und wird nie als solcher daherkommen. Er ist mehr der Techniker. „Meine Beine sind schon immer fitter als mein Oberkörper“, sagt der 26-Jährige mit Blick auf seine Konstitution.

Seine Vita stellt ihm ein hervorragendes Zeugnis aus. Er hat in seiner Laufbahn, die im Jahr 1991 als C-Jugendlicher begann, gleich reihenweise bayerische Meistertitel gewonnen, hat sich die Teilnahme an acht nationalen und internationalen deutschen Meisterschaften erkämpft. Etwa vierzig Medaillen zieren mittlerweile die Wohnung von Mutter Sonja Uhl, die stolz auf ihren erfolgreichen und mit beiden Beinen im Leben stehenden Sohn ist. Als B-Jugendlicher schaffte er sogar den Sprung in den Bundeskader. Dort war er bis zu den Junioren vertreten.

Drei wichtige Weichenstellungen gab es im Sportlerleben Armin Uhls: 2002 brachte ihn sein einstiger Trainer Erwin Gilch zum KSV Kitzingen. 2005 wechselte er auf ein Sportinternat in Frankfurt/Oder, und 2011 ging er als Mannschaftsheber zum renommierten AC Mutterstadt, mit dem er seit fünf Jahren in der 1. Bundesliga präsent ist. Die sechseinhalb Jahre in Frankfurt /Oder brachten für den Jugendlichen damals fernab der Heimat und getrennt von Familie und Freunden manche Entbehrungen mit sich. Doch Armin Uhl lernte, was es heißt, ein Leben für den Sport zu führen. Als nur mittelmäßiger Hauptschüler war er ins Sportinternat gekommen. Er verließ es mit dem Abitur in der Tasche.

Dass Erfolg nur mit hartem Training und mit der Konzentration auf seinen Sport zu erreichen ist, lehrten ihn die Jahre in Frankfurt ebenfalls. Mit Armin Uhl stieg die KSV-Mannschaft später sogar in die zweite Liga auf, wo Armin Uhl von der Leistung her mindestens hingehörte. Deswegen war sein Entschluss, vor der Saison 2011/12 als Mannschaftsheber nach Mutterstadt zu wechseln, genau richtig.

„Er motiviert und bremst mich immer wieder gut aus.“
Armin Uhl über seinen Trainer Dennis Eichner

Dort gab ihm Dennis Eichner das volle Vertrauen, das der Albertshöfer seit Jahren zurückzahlt – mit Zinsen. Eichner weiß, dass Armin Uhl permanent um die 110 Relativpunkte liefert und damit eine Konstante des Klubs bildet, der 2016/17 den fünften Platz in der Bundesliga belegt hat. „Dennis Eichner motiviert und bremst mich gleichzeitig immer wieder gut aus“, sagt Uhl, der weiß, was er an seinem Trainer in Mutterstadt hat. In der Saison 2013/14 musste Armin Uhl nach einem Motorradunfall mit Schulterproblemen ein Jahr pausieren, Eichner führte den unterfränkischen Rekordhalter behutsam zurück zu Erstliga-Niveau.

Dass Uhl sich aktuell im Leistungshoch befindet, erstaunt ihn selbst etwas. „Ich bin kein Kaderathlet mehr, ich arbeite Vollzeit“, sagt der Schwerathlet über eine Konstellation, die so nicht zu einem nationalen Spitzenheber passt. Der Groß- und Außenhandelskaufmann ist dabei, nebenher noch seinen Handelsfachwirt zu machen, obendrein trainiert er noch sechs Einheiten die Woche. Da bleibt so gut wie keine Freizeit. Ihm macht das nichts aus, ist er doch bereit, alles dafür zu geben, seinen großen Traum zu verwirklichen: den vom deutschen Meistertitel.

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