BOB: WELTMEISTERSCHAFT

Ein Mainbernheimer auf der schnellsten Bahn der Welt

Der Mainbernheimer Christian Rasp ist bei der WM im kanadischen Whistler Anschieber des Viererbobs von Pilot Johannes Lochner. Wie Rasp seine Chancen einschätzt.
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Wintersport Bob
Gelingt in Kanada die Titelverteidigung? 2017 raste der Mainbernheimer Anschieber Christian Rasp (hinten) mit Pilot Johannes Lochner am Königssee zum WM-Titel (unser Bild). Damals mit im Schlitten: Matthias Kagerhuber (Zweiter von rechts) und Joshua Blum. Foto: Foto: Felix Roittner, Witters
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Er gewann in dieser Saison den Gesamtweltcup im Zweier- und im Viererbob. Nun macht sich Francesco Friedrich an den Eintrag in die Geschichtsbücher des Bobsports. Bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft im kanadischen Whistler Mountain, die an diesem Freitag beginnt, möchte der Sachse zum fünften Mal hintereinander Zweierbob-Weltmeister werden. Das hat bisher nur der Italiener Eugenio Monti zwischen 1957 und 1961 geschafft. Dessen Serie könnte Friedrich mit einem Sieg auf der Hochgeschwindigkeitsbahn einstellen. „Bei der WM 2020 in Altenberg auf meiner Heimbahn, will ich dann den sechsten Coup landen“, sagt Friedrich. Cheftrainer René Spies bleibt aber vorsichtig und warnt seinen Vorzeigepiloten. „Für mich bleibt Justin Kripps der Topfavorit“, sagte Spies und sieht den in Pyeongchang mit Friedrich zeitgleichen Zweierbob-Olympiasieger aus Kanada auf dessen Heimbahn in einer Sonderstellung.

Mit Rückenwind kamen auch Johannes Lochner und sein Team in den Wintersportort nördlich von Vancouver. Zwei Mal Rang drei gab es für Lochner beim Weltcup-Finale in Calgary. Trotz des schwierigen Saisonstarts reichte es für die Crew vom Königssee auch im Vierer-Gesamtweltcup noch zu Platz drei. Wie die Aussichten sind, darüber sprachen wir mit Lochners unterfränkischem Anschieber Christian Rasp, der aus Mainbernheim (Lkr. Kitzingen) kommt und für den WSV Königssee startet.

Frage: Warum ist für die Bobfahrer die WM wichtiger als der Weltcup?

Christian Rasp: Ich denke, das liegt bei uns, wie in vielen anderen Sportarten auch, am Reiz des Saisonhöhepunktes. Man muss am Tag X der Beste sein und das ist in den Jahren zwischen den Olympischen Spielen eben die WM. Man bereitet sich auch gezielter auf solch ein Großereignis vor. Unsere Piloten sind im November extra für eine Woche nach Whistler geflogen, um hier auf der WM-Bahn zu trainieren und ihr Material zu testen. Während Weltcuprennen teilweise aus vollem Training absolviert werden, will und muss man sich bei einer WM in Topform zeigen, weil sich erfahrungsgemäß auch andere Teams besser präsentieren werden als sonst.

Anders als bei Weltcup-Rennen werden im Zweier und im Vierer jeweils vier statt zwei Wertungsläufe gefahren.

Rasp: Ja, das ist ein weiterer Reiz an einer WM. Ein Ergebnis nach vier Läufen sagt mehr über die fahrerische Konstanz des Piloten und über das athletische Durchhaltevermögen des ganzen Teams aus als nur nach zwei. Auch die Wettereinflüsse können sich ändern und damit muss man zurechtkommen. Es trennt sich also die Spreu vom Weizen! Oder eben nicht – wie vor zwei Jahren, als wir mit Team Francesco Friedrich nach vier Läufen zeitgleich im Ziel waren und es letztlich zwei verdiente Weltmeister gab.

Wie ist die Stimmung im Team Lochner nach den beiden Übersee-Weltcups? Was habt Ihr Euch für Whistler vorgenommen? Jeweils eine Medaille? Oder doch die Titelverteidigung im Vierer?

Rasp: Uns war eigentlich von Anfang an klar, dass in den USA und Kanada die Saison erst richtig losgeht, weil man aus seiner Komfortzone auf den europäischen Bahnen herausgerissen wird. Das hat sich auch sofort beim Weltcup gezeigt, als die deutschen Teams nicht mehr ganz so dominiert haben wie sonst. In Lake Placid sind wir im Zweier sogar von Platz eins im ersten Lauf auf Platz sieben zurückgefallen. Das zeigt, dass es kein Selbstläufer wird, aber gleichzeitig, dass alles drin ist. Die beiden guten dritten Plätze zuletzt in Calgary haben gezeigt, dass wir auch auf einer kanadischen Bahn in beiden Schlitten aufs Podest fahren können.

Wie sind Sie persönlich drauf? Ist maximaler Anschub möglich?

Rasp: Ich bin persönlich sehr gut in Form. Ich habe die letzten Monate einige Dinge im Training verändert. Das hat sich sowohl im Einzelanschub, aber vor allem bei meinen Einsätzen im Zweier und im Vierer bemerkbar gemacht. Aber natürlich ist das immer auch eine Leistung des ganzen Teams!

Christopher Weber, der sich nach einem Sturz zu Beginn des Jahres einer Hauttransplantation an der Schulter unterziehen musste, ist kurz vor der WM ins Team zurückgekehrt. Gehen wir recht in der Annahme, dass Sie sich trotz erfolgreicher Zweierbob-Einsätze in Webers Abwesenheit auf den Vierer beschränken, der an den beiden Schlusstagen der WM ausgefahren wird?

Rasp: Ja. Nachdem Christopher die Zweier-WM fährt, werde ich mich ausschließlich auf den Viererbob konzentrieren.

Worauf kommt es auf der Bahn in Whistler an? Wie seid Ihr – und vor allem Johannes Lochner an den Lenkseilen – bisher hier zurechtgekommen?

Rasp: Ich persönlich habe an Whistler eigentlich gute Erinnerungen. Hier durfte ich mein erstes Weltcuprennen bestreiten. Wir sind hier vor drei Jahren mit nur zwei Trainingsläufen im Vierer überraschend Dritter geworden, nachdem wir damals von einem elften Platz im ersten Lauf auf Platz drei vorgefahren sind. Wir sind hier auch immer gut gestartet. Anscheinend liegt uns dieses Startprofil. Es ist aber auch eine Bahn der Extreme. Es ist die schnellste Bobbahn der Welt mit Geschwindigkeiten bis zu 155 km/h. Mit „Curve 50/50“ (Anm. d. Red.: früher hieß es, nur 50 Prozent der Gestarteten würden Kurve 13 unfallfrei überstehen) ist die Bahn dieses Jahr beim ersten Training am Dienstag ihrem Ruf wieder gerecht geworden. 15 Schlitten sind gestürzt. Das zeigt, dass man hellwach und konzentriert bei der Sache sein muss.

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