Auf Tabellenplatz 14 liegend, starten die Handballer des TSV Rödelsee am Samstag den zweiten Teil der Runde in der dritten Liga. Zu Gast in der Sickergrundhalle ist der TV Hochdorf, der den Rödelseern im Sommer einen ernüchternden Auftakt beschert hat. Trainer Dusan Suchy (38) weiß, dass sich seine Mannschaft in manchen Punkten steigern müsse, um die Klasse zu halten. Der Slowake spricht im Interview vor dem Rückrundenstart über das Kommen und Gehen im Rödelseer Kader, entscheidende Kleinigkeiten und über das Verhältnis zu seinen Kritikern.

Frage: Warum wird der zweite Teil des Abenteuers dritte Liga für den TSV Rödelsee besser und erfolgreicher, als es der erste Teil war?

Dusan Suchy: Wir hatten jetzt fünfzehn Spiele, um zu sehen, was in der Liga abgeht, wie man reagieren muss. Der Prozess dürfte nun abgeschlossen sein. Um drin zu bleiben, müssen wir unsere Auswärtsbilanz verbessern. Da muss mehr kommen, wir müssen uns vielleicht auch mental besser vorbereiten.

Was ist bei Ihnen aus der Vorrunde am stärksten haften geblieben? Wo lagen die Höhen und Tiefen?

Suchy: Tiefpunkte waren die Spiele, bei denen wir uns auswärts manches vorgenommen hatten und die dann richtig in die Hose gingen. In jenem Moment, als die Mannschaft merkte, sie kann etwas holen, ist es schlecht gelaufen. Auswärts hat man gemerkt, dass uns die Breite im Kader und dadurch die Konstanz fehlt. Wir haben auswärts teilweise 55 Minuten gut gespielt wie in Konstanz, standen dann am Ende aber mit leeren Händen da. Die Fehler waren häufig auch der psychischen Belastung geschuldet. Komischerweise haben wir auswärts bei guten Mannschaften befreiter aufgespielt. Erfolg und Misserfolg liegen so nah beieinander, dass Kleinigkeiten entscheiden. Zu Hause fand ich uns sehr gut gegen Friedberg oder Balingen – auch in den entscheidenden Phasen.

Auffällig ist, dass die starken Spiele wie gegen Coburg oder Bad Neustadt alle zu Hause stattfanden. Ist das wirklich nur Kopfsache?

Suchy: Man muss das global sehen. Zu Hause spielst du selbstbewusster, das Publikum unterstützt dich – und dann gerätst du in ein, zwei Situationen, die von den Schiedsrichtern anders bewertet werden als bei einem Auswärtsspiel. Da kann ein Spiel bereits kippen. Auswärts braucht man in der Liga eine viel höhere Qualität, um sich zu behaupten. Da musst du auch mal die schwierigen Momente überleben.

Sie sagten, dass die Breite im Rödelseer Kader fehle. War das nicht von Rundenbeginn an klar?

Suchy: Das wusste ich, ja. Wir müssen lernen, mit dem dünnen Kader so zurechtzukommen, dass es am Ende reicht und dass auch das Ergebnis stimmt.

Sind nicht auch die personellen Wechsel im Kader schuld an der Misere? Marin Varvodic verletzte sich und ging. Für ihn kam Rok Ivancic. Dann verabschiedete sich André Deis – und nun kommt Max Brunner. Das trägt kaum dazu bei, dass sich das Team einspielt, dass Konstanz einkehrt.

Suchy: Das ist ja gerade das Schwierigste: dass sich der Kader eigentlich ständig geändert hat. Wenn man sich nicht so gut kennt, entstehen Fehler im Zusammenspiel. In der dritten Liga wirkt sich jede Kleinigkeit gravierend aus.

Gerade bei André Deis haben viele im Umfeld nicht verstanden, warum so ein Spieler geht.

Suchy: Wenn ein Spieler sagt, er will nicht mehr spielen, weil es zeitlich, wegen der Familie oder wegen seines Berufs nicht mehr klappt, dann hast du es schwer, Argumente zu finden. Ich war ja selbst enttäuscht, wie das gelaufen ist. Die Entscheidung wurde an einem Tag getroffen – und am nächsten Tag mussten wir das schlucken. Da gab es keine Verhandlungsbasis.

Es war nichts mehr zu machen?

Suchy: Wir Trainer haben versucht, mit André zu reden, aber er hat total abgeblockt. Freilich war er unzufrieden, weil er weniger Spielzeit bekam, als er sich vorgestellt hatte. Aber daran kann ein Spieler arbeiten. Wenn man weniger spielt, muss man eben mehr trainieren. Nur das ist der Weg, um sich weiterzuentwickeln. Das zu verstehen ist ein Problem der heutigen Generation, nicht nur bei uns in Rödelsee.

Hätten Sie nicht auch mehr durchwechseln müssen?

Suchy: Das ist immer relativ. Wechselst du viel, wird gemeckert. Wenn du zu wenig wechselst, dann auch. Dabei wechselt ein Trainer nach seinem Gewissen und nicht danach, ob er jemanden mehr oder nicht so mag. Ich denke nicht, dass wir zu wenig gewechselt haben. Jeder Spieler hat so viel gespielt, wie er es verdient hatte oder wie das im jeweiligen Moment möglich war.

Haben einige Spieler zu eigensinnig gehandelt?

Suchy: Das kann man sagen. Aber in bestimmten Situationen ist das nicht negativ. Die Leute, die mit solchen Vorwürfen kommen, sind nicht beim Training, sie kennen das Innenleben der Mannschaft nicht. Ich sehe die Spieler viermal die Woche beim Training, ich weiß, wie sie ticken. Wenn ein anderer Trainer da wäre, hätte er wohl manches anders gemacht. Und dann fänden die Leute wieder andere Kritikpunkte. Wir sind Aufsteiger, wir kämpfen uns mit einem dünnen Kader durch und versuchen, mit geringen Möglichkeiten das Maximale herauszuholen.

In Kürze fällt aus dem dünnen Kader auch noch Christian Häckner weg, den es für ein paar Monate in die weite Ferne zieht.

Suchy: Ja, er geht für einige Zeit nach Neuseeland. Damit fehlt ein weiterer Baustein. Er hat sich so entschieden, das muss man akzeptieren. Er hat in seiner Laufbahn viel für den Verein investiert, war immer loyal. Für die Mannschaft ist das nicht leicht. Wir müssen die Lücke irgendwie füllen, das haben wir bereits seit einiger Zeit versucht.

In Max Brunner ist nun ein Kreisläufer nach Rödelsee gekommen, der die Lücke schließen soll. Wann darf er denn mitspielen?

Suchy: Ich gehe davon aus, dass er schon an diesem Samstag dabei sein kann. Soweit ich weiß, ist er ab dem 7. Januar für den TSV Rödelsee spielberechtigt.

Inwieweit war die Vorrunde ein Lernprozess: für die Spieler und auch für Sie als Trainer?

Suchy: Spieler und Verein bewegen sich in einer Liga, die noch vor einigen Jahren weit weg war. Da dachte man nicht einmal an Vorbereitungsspiele gegen Teams dieser Klasse. Das sollten alle bedenken, die etwas an Realitätsverlust leiden und die glauben, dass wir da im Mittelfeld mitmischen können. Als Aufsteiger ist das nicht drin. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Wenn es am Ende zum Ligaverbleib reicht, haben wir klasse gearbeitet.

Wie viele Punkte werden nötig sein, um die Liga zu halten? Derzeit sind es neun, achtzehn Punkte werden wohl zu wenig sein.

Suchy: Wir brauchen einfach einen Punkt mehr als der Drittletzte. In der Tabelle liegt vieles eng beieinander. Mit fünf oder sechs Punkten in Serie kannst du einen riesigen Sprung machen. Wir müssen auswärts mal gewinnen. Das brächte gleich eine ganz andere Stimmung. Zu Hause sind die Punkte Pflicht – außer am Samstag. Da kommt mit dem TV Hochdorf ein Brocken . . .

. . ., an dem sich Rödelsee beim 24:34 im Hinspiel gleich einmal heftig verschluckt hat.

Suchy: Wir kannten die Hochdorfer doch überhaupt nicht, sie stehen derzeit auf Platz drei, womit wohl keiner gerechnet hat. Aber sie haben einige Spieler, die bei der TSG Friesenheim ab und an zweite Liga spielen. Gerade hat die zweite Liga Pause – das heißt, sie werden mit ihrem kompletten Kader kommen. In Hochdorf haben sie uns klar und deutlich die Grenze aufgezeigt.

Rödelsee wird 24 oder 25 Punkte brauchen, um drin zu bleiben. Sehen Sie das ähnlich?

Suchy: Ich gehe davon aus, dass 23 oder 24 Punkte reichen müssten. Die Klasse ist so ausgeglichen – vielleicht reicht das nicht, vielleicht reichen ja auch 19.

Worauf lag in den letzten Wochen der Schwerpunkt im Training? An der Integration der Neuen?

Suchy: Wir haben keine große Pause gemacht. Erst kam die Regeneration, dann die Fitness. Wir müssen ein wenig umstellen. Da Christian Häckner bald weg ist, haben wir einen neuen Kreisläufer. Und wir haben auch an den Gegenstößen gefeilt, damit wir mehr von den so genannten billigen Toren machen. Das war ein Punkt: dass wir vor allem gegen die robusten Abwehrreihen schneller nach vorne spielen.

Also kann die Rückrunde kommen?

Suchy: Ja, wir können getrost nach vorne blicken. Das Wichtigste war, an der Stimmung zu arbeiten. Ich denke, das ist uns gelungen. Die Stimmung in der Mannschaft ist jedenfalls nicht schlecht.