Vom Zweitligisten ETSV Würzburg wechselte Anika Höß, die auch schon in der 1. Bundesliga beim TSV Crailsheim und dem Hamburger Sportverein unter Vertrag stand, als Spielertrainerin zum TSV Frickenhausen.
Anika Höß begann als Vierjährige mit dem Fußballspielen bei der SG Lutzingen. 2004 ging sie zum SC Athletik Nördlingen, wo sie zwei Spielzeiten blieb. 2006 spielte sie beim TSV Schwaben Augsburg und wechselte nach einer Saison weiter zum Erstligisten TSV Crailsheim, wo sie bei der 0:2-Niederlage gegen den FCR 2001 Duisburg ihr erstes Bundesligaspiel bestritt.
Ihr erstes Bundesligator erzielte Höß am 2. Dezember 2007, neun Tage vor ihrem 17. Geburtstag, beim 4:2-Sieg gegen die SG Wattenscheid 09 zum 1:1 in der 26. Spielminute. Nach dem Abstieg des TSV Crailsheim trat sie beim Hamburger SV an. Dort wurde sie jedoch in der ersten Mannschaft nur in einem Spiels des DFB-Pokal eingesetzt und war ansonsten Teil der zweiten Mannschaft, die in der 2. Fußball-Bundesliga spielte.
Im Sommer 2011 wechselte Höß zum Zweitliga-Aufsteiger ETSV Würzburg und agierte dort auf Anhieb als Stammspielerin. Die heute 21-Jährige war Mitglied in den U15- und U17- Nationalmannschaften.
Wegen eines Risses des Syndesmosebands und den folgenden Reha-Maßnahmen verpasste Höß die U20-Weltmeisterschaft in Deutschland. Die Kitzinger sprach mit der angehenden Frickenhäuser Spielertrainerin.

Was und wer veranlasste Sie dazu, den Posten als Spielertrainerin in Frickenhausen anzunehmen?
Anika Höß: Die Idee entstand durch Gespräche mit ein paar Freundinnen aus der Mannschaft. Im Februar habe ich angefangen, den Trainerschein, die C-Lizenz Leistungssport beim Bayerischen Fußballverband, zu erwerben. Irgendwann erfuhr ich, dass Maurizio Orofino in Frickenhausen als Trainer aufhört. Dann kam an mich die Anfrage, wie es bei mir aussehen würde, als Spielertrainerin zu kommen. Ich fand die Sache nicht so doof, denn ich kann Fußball spielen und trainieren. Ich habe mir die Sache durch den Kopf gehen lassen und habe einfach die Herausforderung angenommen. Das hat weder etwas mit dem ETSV und sonst irgendwas zu tun. Sondern mich reizt einfach die Herausforderung. Ich weiß, dass es eine ziemlich schwere Aufgabe wird, weil ich mit 21 Jahren noch sehr jung bin. Ich habe zwar schon die E-Jugend und B-Mädchen bei mir daheim trainiert und ich weiß, dass das ganz was anderes ist als bei den Frauen. Ein anderer Erschwernispunkt ist, dass ich selbst noch spiele. Ich schaue einfach einmal, wie es wird. Ich freue mich auf die Aufgabe, die eine neue Chance für mich darstellt. Ich hoffe, dass es funktioniert - und ich gehe davon aus, dass es funktioniert.

Sie haben Ihre Berufsausbildung fast beendet. Wie sieht es zeitmäßig mit dem Training aus?

Ich habe, bis auf die mündliche Prüfung, alles hinter mir. Als Personaldienstleistungs-Kauffrau habe ich keine Probleme mit den Trainingszeiten, ich habe das in Crailsheim und beim HSV auch geschafft. Offen ist, ob wir zwei oder drei Mal in der Woche trainieren. Ich werde die Mannschaft in der ersten Juliwoche kennenlernen und dort werden wir alles besprechen.

Welche Erwartungen haben Sie für die kommende Saison?
Meine Erwartung ist auf jeden Fall der Klassenerhalt, das ist auch das Ziel des Sportleiters Uwe Hanselmann. Vielleicht haben wir das Glück, gut in die Runde zu starten. Andere Mannschaften müssen auch erst 90 Minuten spielen und mit einem 0:0 beginnt jedes Spiel. Mein angestrebtes Ziel ist schon das vordere Mittelfeld.

Ein paar Leistungsträgerinnen werden Ihnen nicht mehr zur Verfügung stehen, wie wollen Sie das auffangen?
Das wird man sehen. Ich habe die Mannschaft erst zwei Mal gesehen und muss mir erst ein Bild machen. Ich denke, dass noch ein paar neue Spielerinnen, beziehungsweise aus der U17, dazu kommen werden. Ich muss halt mit der Mannschaft, die auf dem Platz steht, das Beste daraus machen.

Wie wird ihr Training aussehen?
Ich habe unter verschiedenen Trainern, die die A-Lizenz besitzen, viel gelernt und werde diese Erfahrung in mein Training mit einfließen lassen. In der Vorbereitung ist das Konditionstraining natürlich das A und O, denn wenn man fit ist auf dem Platz, kann man weiterschauen. Natürlich werden so einfachere Sachen, wie Pässe spielen, Ballannahme, das Umschalten von Abwehr auf Angriff, immer geübt.

Welches Engagement erwarten Sie von den Spielerinnen?
Dazu kann ich noch wenig sagen. Ich weiß noch nicht, wie es in der Landesliga ist. In der Bundesliga musste man zum Training kommen, aber dass es hier ganz anders ist, ist mir auch klar. Meine Erwartungen sind wahrscheinlich zu hoch. Aber die Mannschaft muss sich an mich anpassen und ich muss mich an die Mannschaft anpassen. Größere Erwartungen muss ich halt herunterschrauben. Mir ist auch klar, dass nicht bei jedem Training 16 Mädels auf dem Platz stehen.

Als ehemalige Bundesligaspielerin stehen Sie unter einem größeren Erfolgsdruck. Wie werden Sie damit umgehen?
Man muss sich eine Schutzmauer aufbauen. Als Spielertrainerin wird von mir, weil ich höherklassig gespielt habe, mehr erwartet. Ich werde auf jeden Fall immer mein Bestes geben. Wir sind eine Mannschaft, da gibt es keine Einzelspieler und ich werde mich in den Dienst der Mannschaft stellen. Ich will natürlich der Mannschaft auf dem Platz, im Training, neben dem Platz und immer, wo ich kann, helfen. Ich gehe davon aus, dass die Fans hinter der Mannschaft stehen und wir einfach als Team auf dem und neben dem Platz auftreten. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fans und bin gespannt, wie sie mich aufnehmen.

Auf welcher Position spielen Sie am liebsten?
Im offensiven Mittelfeld. Ich habe schon überall, nur nicht im Tor gespielt.