FUSSBALL: A-KLASSE

Die „brutale Effizienz“ des SSV Kitzingen

In zweiter Reihe des Kitzinger Fußballs ändern sich gerade die Kräfteverhältnisse. Die „Siedler“ schwimmen auf einer Erfolgswelle, die sie noch weit tragen könnte.
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Florian Soldner (SSV, links) versucht sich dem Zugriff von Richard Maaß zu entziehen. Foto: Foto (Ausschnitt): Hans Will

SSV Kitzingen II – Bayern Kitzingen II 4:2 (2:2). Vergangene Saison waren die Derbys zwischen den Reservemannschaften der beiden Kitzinger Teams noch klare Angelegenheiten zu Gunsten der Bayern. Doch die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben, seitdem das Team vom Bleichwasen im Sommer in der Relegation am Aufstieg in die Kreisklasse gescheitert ist. Dieses Mal ging der SSV – gestärkt von sechs Siegen in Serie – als Favorit in das kleine Kitzinger Derby.

Lange brauchten die Siedler denn auch nicht, zu untermauern, dass ihnen diese Rolle nicht zu Unrecht zugeschrieben wurde. Nach nicht einmal einer Minute zappelte die Kugel im Netz der Bayern. Die als Flanke gedachte Hereingabe Marvin Funks geriet länger und länger – und senkte sich schließlich über den verdutzten Julian Wald ins Tor.

Aber die Bayern zeigten sich nicht getroffen, hatten mehr Ballbesitz und waren aktiver. Echte Chancen erwuchsen daraus zunächst nicht. „Die erste Halbzeit war die schlechteste, die wir seit Langem gespielt haben“, sagte SSV-Coach Jürgen Brettmann. Seine Jungs bekamen rasch die Quittung: Nach einem Foul an Bayerns Christopher Lutsch gab es zu Recht Strafstoß: Angelo Koch traf zum 1:1 (22.).

Die Bayern zeigten weiter, dass sie mehr zu leisten imstande sind, als die Tabelle derzeit glauben lässt. Sie gestalteten die Partie über die gesamte Dauer ausgeglichen, waren zeitweilig die bessere Elf. Die Siedler hatten nur einen Vorteil: Sie nutzten ihre Chancen. Auch für Brettmann war das der entscheidende Unterschied: „Wir legen zurzeit eine brutale Effizienz an den Tag.“ Nachdem sich Bayern-Torwart Wald im Herauslaufen verrechnet hatte, legte Lukasz Mazur das Leder an ihm vorbei zum 2:1 in die Maschen (34.).

„Der SSV hat in der ersten Halbzeit eigentlich aus keiner Chance zwei Tore gemacht. Uns hat das Quäntchen Glück gefehlt“, sagte Burkhard Straßberger, der die Bayern-Reserve für das Derby betreute. Einen festen Coach gibt es gerade nicht, nachdem der im Sommer als Trainer verpflichtete Dominik Zitzmann im September aufgrund beruflicher Veränderung ausgeschieden war. Man führe Gespräche mit potenziellen Kandidaten, so Straßberger, der zuversichtlich ist, im Winter einen Coach präsentieren zu können.

Die Bayern ließen sich am Sonntag davon nicht beirren – und schlugen noch vor der Pause abermals zurück. Lutsch hatte sich im Sechzehner behauptet und auf Christian Rumpel zurückgelegt, der aus sieben Metern ins lange Eck traf (40.). Aus der Halbzeit kamen die Bayern mit dem gleichen Elan und Mut. Fast wären sie auch erstmals in dieser Partie in Führung gezogen, doch Lutsch (51.) und Richard Maaß (65.) trafen mit ihren Schüssen nur die Latte.

„Letzte Saison hätten wir so ein Spiel gewonnen“, sagte Straßberger, hadernd mit dem Abschlusspech seiner Elf. Die missliche sportliche Lage sieht er aber weniger in dem vor der Saison erfolgten personellen Umbruch in der Reserve begründet als vielmehr im fehlenden Selbstvertrauen der jungen Truppe. Steigern konnte sie das auch im Derby nicht. Denn nachdem die Bayern einen Freistoß von rechts nur unzureichend in die Mitte geklärt hatten, zog Marvin Funk aus dem Rückraum ab, und der Ball landete abgefälscht zum 3:2 im Tor (70.). Später traf auch noch der kurz zuvor eingewechselte Angelo Gnirck.

„In der zweiten Halbzeit haben wir das Derby endlich angenommen und mehr Leidenschaft gezeigt“, erklärte Brettmann. Er freute sich auch über die Fortsetzung der eigenen Erfolgsserie. „Wir haben gemerkt, dass wir dieses Jahr was reißen können, und wollen in die Top drei. In den Spitzenspielen wie nächste Woche gegen Schwarzach wird sich zeigen, ob wir schon so weit sind, dass es auch für den zweiten Platz oder sogar mehr reicht.“

SSV Kitzingen: Sauer – Karwath, Weltner, Kempf, Stumpf, Grujic, Christopher Soldner, Florian Soldner, Mazur, Qerimi, Funk. Eingewechselt: Kartal (62.), Gnirck (90.), Fabian Reuter (90.).

Bayern Kitzingen: Wald – Lalomia, Lutsch, Fortune, Kümmel, Phouthavong, Andreas Schmitt, Bachmann, Koch, Maaß, Rumpel. Eingewechselt: Olcaytürk (38.), Moser (43.), Scherpf (86.).

Schiedsrichter: Andreas Karl (Hopferstadt). Zuschauer: 40. Tore: 1:0 Marvin Funk (1.), 1:1 Angelo Koch (22., Foulelfmeter), 2:1 Lukasz Mazur (34.), 2:2 Christian Rumpel (40.), 3:2 Marvin Funk (70.), 4:2 Angelo Gnirck (90.+1).

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