Fünf Punkte sind es, die in der Rechnung von Michael Hochrein fehlen. Derzeit zählt der Würzburger FV in der Bayernliga 27 Punkte - das reichte gerade einmal für eine maue Platzierung im unteren Drittel, zumindest aber mit Abstand zu den drei Abstiegsplätzen. Entsprechend folgert der 47-jährige Trainer: "Die Vorstandschaft sowie die sportliche Leitung sind natürlich nicht mit unserem bisherigen Abschneiden zufrieden. Wir hätten bestimmt mehr erreichen können, doch trugen viele Faktoren dazu bei, dass wir dies nicht konnten."
Der neunte Platz, der vom Gros aller Mannschaften als Ziel ausgeben wurde, liegt für die Zellerauer vier Punkte entfernt. "Das ist unser Maximalziel", sagt Hochrein, "wenn alles gut läuft, können wir diesen Platz auch erreichen. Aber bei nur noch zwölf restlichen Spielen wird dies schwierig. Dafür müssen wir einige Partien gewinnen und dürfen nur wenige verlieren." 50 Punkte, so rechnet er, benötige sein Team dafür mindestens. Sollte es nicht für den direkten Sprung reichen, soll der Einzug in die neue Regionalliga über die Entscheidungsspiele gelingen: "Es ist unser Minimalziel, dass wir uns die Möglichkeit erhalten, in der Qualifikation zu spielen. Schließlich ist es nicht so, dass die Spiele gegen die Landesligisten und Mitkonkurrenten aus der Bayernliga als nicht machbar erscheinen."
Nach einem guten Start setzte sich eine Abwärtsbewegung in Gang. "Das waren urlaubsbedingte Geschichten, weil wir nach unserem eigentlich guten Start auf einmal zu viele Ausfälle hatten, gepaart mit Verletzungen, so dass wir die Spieler im Verlauf der Vorrunde körperlich nicht wieder in Form brachten", nennt Michael Hochrein den maßgebenden Faktor. Die große Stärke, das körperbetonte und kampfintensive Spiel, wurde zu einer Schwäche: "Deshalb agierten wir körperlich nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Wir waren da stets über 90 Minuten topfit, aber in dieser Saison mussten wir uns bis zum Winter ‚durchwursteln‘." So verlor die vorwiegend junge Mannschaft einen Teil ihres Selbstvertrauens. "In manchen Spielsituationen verhielten wir uns daher einfach nicht clever genug", stellte Hochrein fest.
Symptomatisch für den Saisonverlauf sei das Spiel in Buchbach, wo die Mannschaft trotz einer guten Leistung ihre Führung aus der Hand gab und mit 2:3 verlor. Gerade zu Hause fiel es dem Team schwer, in seinen Rhythmus der vorherigen Jahre zu finden. "Wir müssen uns klar eingestehen, dass wir zu Hause schwächere Spiele als auswärts zeigten und sehr viele Punkte abgaben. Gerade das war untypisch für uns. Aber in den Heimspielen war der Druck auf unsere junge Mannschaft umso größer." Für Hochrein trug auch der Erfolg des Vorjahres, als der WFV den fünften Platz belegte, dazu bei, dass die Gegner defensiver an der Mainaustraße auftraten: "Wir fanden dagegen aber nicht die Mittel, um unser Spiel zu machen."
Ohne personelle Veränderungen starteten die WFV-ler bereits in die Vorbereitung. "Wir werden die Saison mit unserem Kader durchziehen", sagt der Trainer, "und versuchen, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Wenn uns das gelingt, alle Spieler dabei voll mitziehen und wir bei den Verletzungen etwas mehr Glück als zuletzt haben, denke ich, dass wir für die Rückrunde eine gute Basis besitzen." Folglich gibt es keine Veränderungen im Angriff - der Problemzone: "Wir haben heuer keinen Stürmer, der als Torjäger bislang brillieren konnte", kritisiert Hochrein. Mit Steffen Krautschneider steht ein Mittelfeldspieler an der Spitze der WFV-Torschützenliste. Zehn Mal traf der 20-Jährige, oft mit Standards. Die Angreifer liegen mit ihrer Ausbeute weit dahinter - Pascal Kamolz erzielte fünf, Tobias Rosenberger vier, Tobias Riedner drei und Pascal Rausch nur zwei Tore. "Das ist einfach viel zu wenig", betont ihr Trainer.
Ob Hochrein, wie in den letzten acht Jahren, seine erfolgreiche Arbeit an der Mainaustraße fortsetzen wird, werde sich in den nächsten vier bis fünf Wochen, in jedem Fall vor dem Auftaktspiel am 2. März in Schweinfurt entscheiden: "Es gab erste Gespräche zwischen dem Verein und mir. Man darf diese Entscheidung schließlich nicht nur von der möglichen Qualifikation abhängig machen." Allemal wäre es für ihn durchaus sehr reizvoll, eine weitere Liga aufzusteigen: "Vom Grundprinzip her ist die Reform für einen Bayerligisten sehr positiv, weil viele Vereine dadurch die Möglichkeit erhalten, von der fünften in die vierte Liga zu gelangen."