KITZINGEN

Die Bayern versöhnen ihr Publikum

Immerhin sechs Versuche hat es gedauert: Die Kitzinger Bayern treten zu Hause formverbessert auf und feiern mit dem 3:1 gegen Höchberg ihren ersten Heimsieg der Saison.
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Erfolgreiche Rutschpartie auf eigenem Terrain: Tolga Arayici und die übrigen Kitzinger holten sich mit einem energischen Auftritt den ersten Heimsieg der Saison. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Heimkomplex? „Den hat man versucht uns einzureden“, wiegelt Bayern Kitzingens Trainer Wolfgang Schneider ab. Nun ja, man wird doch mal fragen dürfen, wenn eine Mannschaft zu Hause keines ihrer fünf Spiele gewinnen konnte, auswärts aber in jeder Partie in vollem Umfang – und das auch noch ohne ein Gegentor – erfolgreich war. Immerhin am elften Spieltag konnten die Kitzinger hinter das leidliche Thema, das nach Schneiders Worten intern angeblich gar kein so großes war, einen Haken setzen. Einen großen, dicken sogar.

Denn was die Bayern auf eigenem Terrain gegen die TG Höchberg zur Schau stellten, barg einige bislang kaum für möglich gehaltene Überraschungseffekte in sich. Für Wolfgang Schneider war das Zustandekommen des 3:1-Sieges vom Samstag dagegen nicht mehr als ein Resultat der konsequenten Fortentwicklung seiner Elf, die er seit Juli verantwortet. „Unser Spiel ist viel variabler geworden“, durfte der Trainer feststellen. In den vorangegangenen Begegnungen war der Eindruck entstanden, die Kitzinger agierten immer gleich – was Ideenlosigkeit und Einfältigkeit in der Angriffseröffnung vermuten ließ. So hatten sich die Verteidiger in der Breite immer wieder die Bälle zugeschoben, ohne Raum zu gewinnen, ehe ein lang getretener Pass nach vorne die Situation zu Gunsten des Gegners auflöste.

Gegen defensiv eingestellte Gäste war auf diese Weise keine Beute zu machen – und das Publikum nicht zu begeistern. „Querpässe werden eben nicht beklatscht“, sagte Schneider, der an der bisherigen Strategie nichts auszusetzen fand: „Außer im Spiel gegen Bergrheinfeld (3:4) hatten wir uns schließlich nichts vorzuwerfen.“ Eine halbe Stunde lang versuchten sich die Bayern auch gegen Höchberg wieder an dieser Marschroute – und hatten Erfolg, weil sie in der zweiten Welle tief in der gegnerischen Platzhälfte den Ball zurückeroberten. „Alles was über unsere Mitte gelaufen ist, hatte Hand und Fuß“, erkannte Schneider. Im defensiven Teil des Mittelfelds übernahm Jörg Otto die Kontrolle, während Tolga Arayici in stürmischer Manier seine Kreativität auslebte.

Damit waren die Bayern zum ersten Mal in einem Heimspiel in Führung gezogen, auch wenn dafür ein Elfmeter – verschuldet von Mathias Weißenseel an Shawn Hilgert und verwandelt von Jörg Otto – herhalten musste (29. Minute). Das 1:0 wirkte auf Kitzingen wie ein Druckausgleich nach einer rasanten Talfahrt: Das Selbstvertrauen wuchs, die Körpersprache signalisierte Entschlossenheit. „Das lief für uns wie gemalt“, gab sich Wolfgang Schneider von seiner expressionistischen Seite. Fortan versöhnte der Aufsteiger, der nun wieder zugibt, sich in der Tabelle nach oben zu orientieren, seine Zuschauer: Ausgangspunkt des zweiten Treffers war zwar erneut ein langer Ball von Innenverteidiger Matthias Brunsch. Anschließend zirkulierte die Kugel über Agron Ibrahimi, ehe Stefan Schöderlein mit voller Kraft abschloss (34.).

Höchbergs Trainer Thomas Karl versuchte zwar durch Wechsel und Umstellungen korrigierend einzugreifen, doch sämtliche Maßnahmen verfehlten ihre Wirkung. „Unsere Leistung war richtig schlecht“, stellte Karl fest, der wieder einmal seine Formation auf mehreren Positionen hatte verändern müssen: „Bei uns befindet sich jeder in einem unterschiedlichen körperlichen Zustand.“ Im zweiten Durchgang erhielten die Kitzinger zunehmend Räume für ihr Kombinationsspiel, das sie tempogeladen in den Höchberger Strafraum führte.

Agron Ibrahimi vollendete immerhin noch zum 3:0 nach flüssigem Spiel über Arayici und Schöderlein (63.). Höchbergs einzige Torchance nutzte Andreas Ullrich zum Ehrentreffer (65.). Doch die Stimmung seines Trainers konnte er damit freilich nicht aufhellen. Thomas Karl hatte bereits während der Begegnung eine Schiedsrichter-Schelte betrieben: „Was das Gespann sich geleistet hat, war unter aller Sau.“ Karl wollte Fouls an seinen Spielern gesehen haben – erst „festgehalten“, dann „umgerissen“ –, ehe der Gegner Tore erzielte. Und den Elfmeter zum 0:1 hielt Karl für nichts anderes als einen „unglaublichen Witz“. Zum Glück hatte er in seinem Ärger an diesem Samstag nicht die Kritik an der schwachen Leistung der eigenen Mannschaft vergessen.

Das Spiel in der Statistik

Bayern Kitzingen – TG Höchberg 3:1 (2:0)

Kitzingen: Florian Nöth; Julian Schuhmann, Matthias Brunsch (88. Marcel Geitz), Christopher Lenhart, Philipp Schlarb, Stefan Güntner, Jörg Otto, Shawn Hilgert (85. Marcel Reuther), Tolga Arayici, Stefan Schöderlein, Agron Ibrahimi (76. Florian Warschecha).

Höchberg: Matthias Wohlfart; Matthias Ebert, Matthias Grünewald, Mathias Weißenseel (60. Leutrim Gjemajli), Kevin Ille (39. Tristan Schmid), Stefan Kapaun, Philipp Hügelschäffer, Jeffrey Karl, Onur Ulusoy, Johannes Grieb (46. Julian Geiger), Andreas Ullrich.

Schiedsrichter: Frank Seitz (SC Pollanten).

Zuschauer: 210.

Gelbe Karte: Hügelschäffer.

Tore: 1:0 Jörg Otto (29., Foulelfmeter), 2:0 Stefan Schöderlein (34.), 3:0 Agron Ibrahimi (63.), 3:1 Andreas Ullrich (65.).

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