Ein leichtfüßiges und schön anzusehendes Hallenspektakel hat der U17-Nachwuchs des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München am vergangenen Wochenende beim Turnier in Wiesentheid den Zuschauern geboten. Doch was die Junglöwen da aufs Parkett der Steigerwaldhalle zauberten, ist für sie mit hohen Anstrengungen und Entbehrungen verbunden – und immer mit dem Risiko des Scheiterns behaftet. Nur wenige werden ihr Ziel als Profikicker erreichen, viele auf der Strecke bleiben. „Das ist ist ein sehr steiniger Weg, der mit viel Verzicht verbunden ist. Im Endeffekt gibt es für die Jungs nur Schule und Fußball“, sagt 1860-Trainer Günther Himpsl.

Nur ein Beispiel aus dem Alltag der Jugendlichen: Am 7. Juli starteten sie mit ihrer Vorbereitung auf die Runde in der U17-Bundesliga. In jenen 188 Tagen bis zum Turnierauftritt in Wiesentheid absolvierten sie insgesamt 133 Übungseinheiten. Hinzu kommt dienstags und donnerstags noch jeweils eine Stunde Schulsport am Vormittag. „Da stecken harte Arbeit und Fleiß dahinter, nicht nur Talent“, sagt Himpsl, „wir führen bloß das weiter, was in den Jahren vorher geschaffen wurde.“

Dass die Münchener ihre Aufgabe sehr ernst nehmen und gut machen, zeigt ein Blick auf die Liste der Kicker, die es aus dem Löwen-Nachwuchs in die aktuelle Nationalmannschaft geschafft haben. Zu nennen sind etwa die Bender-Zwillinge Sven und Lars, die in Dortmund und Leverkusen kicken, aber auch Kevin Volland oder Fabian Johnson (aktuell TSG Hoffenheim), Moritz Leitner (VfB Stuttgart), Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg), Jose Holebas (Olympiakos Piräus), Stefan Aigner (Eintracht Frankfurt), Martin Stranzl (Borussia Mönchengladbach) und viele mehr.

Der Pluspunkt der Sechziger

Im aktuellen Zweitliga-Profikader der Münchener finden sich mehrere Akteure der eigenen Talentschmiede. Deshalb ist der Traditionsverein nach wie vor eine interessante Adresse für Jungfußballer, wie auch U17-Trainer Himpsl feststellt. „Diese Durchlässigkeit zum Profikader ist für uns schon ein Pluspunkt.“ Er sieht schon weitere Kandidaten, die es bis nach oben bringen können, auch in seiner U17. „Warten wir mal ab, der eine oder andere kann es schaffen“, sagt er, ohne sich auf Namen festzulegen.

In Wiesentheid stach Moritz Heinrich heraus. Der 16-Jährige ist waschechter Münchner, wohnt in Neubiberg und kickt seit der U8 bei den Löwen. „Klar hat man das Ziel, mal bei den Profis zu landen“, sagt er. Am liebsten läuft er im rechten Mittelfeld auf. Mit dreizehn Toren zeigte der Realschüler in Wiesentheid seine Qualitäten als Angreifer.

Im Stadion ist Moritz Heinrich mit der U17 regelmäßig als Balljunge im Einsatz, auch beim Training kann er sich so manches von den Großen abschauen. Nicht nur da hat er Kontakt zu den Profis von 1860. „Beim Fördertraining trainiert immer einer der Profis mit uns und gibt uns Tipps“, sagt er. Benni Lauth ist sein Idol bei den Löwen – international schaut er gerne Real Madrid und dessen Superstar Cristiano Ronaldo zu. Doch das ist dann noch einmal eine ganz andere Welt.