Fußball

Der Wahnwitz der Pokal-Reform

Kennt sich noch jemand aus in dem Chaos, das der unterfränkische Fußball-Bezirk da mit seiner Pokal-Reform gestiftet hat? Dann bitte, Freiwillige vor, die in kurzen Worten die Logik eines Wettbewerbs erklären können, gegen die die Abseitsregel geradezu ein Kinderspiel ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Pokal und seine Gesetze: Die Drohung des früheren Kreisspielleiters Bernd Burgis, hier auf einem Archivbild von 1998, nur die Klubs bei der Vergabe von Relegationsspielen zu berücksichtigen, die auch für den Pokal melden, ist noch heute allgegenwärtig. Foto: Foto: Fabian Frühwirth

Weiß eigentlich einer, ob das im Pokal nun die dritte Runde des zweiten Wettbewerbs ist oder doch die zweite Hauptrunde des ersten Wettbewerbs? Kennt sich jemand in all dem Chaos, das der unterfränkische Fußball-Bezirk da mit bestem Wissen und Gewissen gestiftet hat, wirklich noch aus? Dann bitte, Freiwillige vor, die in kurzen Worten die Logik eines Wettbewerbs erklären können, gegen die die Abseitsregel geradezu ein Kinderspiel ist.

Vielleicht liegt es ja daran, dass wir (und mit uns viele, viele Trainer und Klubvertreter, mit denen wir gesprochen haben) einfach zu dumm sind. Es könnte allerdings auch daran liegen, dass das Verfahren mittlerweile so kompliziert ist, dass es auch die Experten überfordert. Der Pokalwettbewerb ist in den vergangenen 25 Jahren gefühlte 20 Mal reformiert worden – und bei aller Reform-Wut doch nie attraktiver geworden. Ein solcher Murks wie in diesem Jahr, ein so undurchdringliches Stückwerk aber ist unter dem Strich noch nie herausgekommen. Chaosforscher hätten ihre Freude daran.

Welch wahnwitzige Züge das Ganze angenommen hat, ließ sich Mittwochabend am Beispiel des FC Geesdorf verfolgen. Während der Klub im niederbayerischen Neßlbach gerade aus dem Lostopf für die zweite bayerische Hauptrunde des ersten Wettbewerbs gezogen wurde (und dort vom Sportleiter Leo Weiglein repräsentiert war), standen Geesdorfs Spieler beim Drittrunden-Spiel des zweiten Wettbewerbs in Nordheim auf dem Platz. Das versteht kein Mensch mehr, und da helfen auch die Marktschreier des Verbands nichts, die auf ihrer Homepage für „packende Partien und spannende Derbys“ werben. Es ist der Versuch, ein völlig misslungenes Projekt noch irgendwie zu retten. Dabei lässt sich aus Schrott nur selten Edelmetall machen.

Der Verband in München wird die Verantwortung leugnen, er wird den Schwarzen Peter weitergeben an den Bezirk. Aber ganz so einfach können es sich die Granden um ihren sonst so machtbewussten Chef nicht machen. Der Maître eines Sternerestaurants darf sich nach einem versalzenen Essen vor seinen Gästen auch nicht damit herausreden, einer seiner Azubis habe das Gericht zubereitet. Dafür muss er schon selbst geradestehen, und wenn sich die Missstände nicht anders abstellen lassen, müssen in der Küche auch mal Köpfe rollen. Beim Fußball-Verband ist das anders: Da gelten – wie im Pokal – andere Gesetze, darf jeder wursteln, wie er mag.

Schon bei der eiligen Installierung der B-Klassen und dem Neuzuschnitt der Schiedsrichtergruppen haben die Macher im Bezirk wenig Geschick bewiesen. Statt im Konsens über Reformen nachzudenken, wird wie immer im Handstreich und von oben herab entschieden. „Entscheidend ist, was hinten herauskommt“, hat der CDU-Kanzler Helmut Kohl einst erklärt. Im Fall der Pokal-Reform stinkt die Sache gewaltig.

Dem Bezirk ist es ergangen wie den meisten, die in der Lotterie aufs große Los hoffen: Sie haben bloß die Niete erwischt.

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.