FUSSBALL: BAYERNLIGA

Der TSV Abtswind wird kalt erwischt

Ohne den gesperrten Trainer Schindler kassiert die Mannschaft die nächste Niederlage: 1:3 gegen Bamberg. Mit einem Klasse-Tor trifft ein junger Oberfranke zur Entscheidung.
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Ernste Mienen, gesenkte Köpfe: Abtswinds Aushilfstrainer Thorsten Götzelmann (links) und Adrian Graf arbeiten die Niederlage auf. Foto: Andreas Stöckinger

Die zweite 1:3-Niederlage in Folge für den TSV Abtswind ließ einige Spieler nach Schlusspfiff zu Boden sinken, als hätten sie einen Wirkungstreffer bekommen. Sie standen (und saßen) nicht nur sprichwörtlich im Regen, Eintracht Bamberg hatte den temporeichen „Abnutzungskampf“, wie es FC-Trainer Michael Hutzler nachher beschrieb, nicht unverdient gewonnen. Allerdings waren der Heimelf in der Drangphase dreimal Pfosten oder Latte im Weg.

Als Aushilfstrainer musste diesmal bei den Abtswindern Thorsten Götzelmann auf der Bank einspringen, nachdem der eigentliche Abtswinder Übungsleiter Mario Schindler in der Woche zuvor eine Rote Karte bekommen hatte.

Kontaktverbot für den gesperrten Trainer

Für Schindler hatte dieser Platzverweis auch ein Kontaktverbot mit seinen Spielern zur Folge – nicht nur für die 90 Minuten, sondern jeweils eine halbe Stunde vor und nach der Partie. Die Aufstellung und Taktik hatte Schindler festgelegt. „Wir haben uns im Vorfeld natürlich unterhalten – auch vor dem Spiel“, sagte Götzelmann.

Schon nach zwölf Minuten musste er erleben, wie seine Elf in Rückstand geriet: Nach einem Einwurf hatte sie Bamberg zu lange gewähren lassen. Marco Schmitt schoss flach aufs lange Ecke, den von TSV-Torwart Felix Reusch abgewehrten Ball schob Tobias Ulbricht zum 0:1 ein.

Die Abtswinder bleiben zu passiv

Nicht nur hier, sondern auch in vielen Szenen der ersten Hälfte agierte Abtswind zu passiv, ließ den Gegner zu sehr machen. Erst gegen Ende der ersten Hälfte, als Götzelmann und sein Helfer Michael Herrmann von außen zu früher Attacke aufgefordert hatten, bekam der TSV mehr Anteile und erste Torchancen. Bei der besten traf Michael Dietl aus wenigen Metern allerdings nur den Pfosten (39.).

Die bis dahin so spielstarken Oberfranken gerieten nach der Halbzeit gleich wieder unter Druck. Abtswind glich rasch aus, als Michael Dietl eine Kombination über Markus Thomann und Max Hillenbrand mit dem 1:1 abschloss (48.). Jetzt schien Abtswind im Spiel, doch nur wenige Sekunden später zögerte die Defensive der Gastgeber erneut zu lange. Auf Renners Vorarbeit setzte Bambergs Patrick Görtler einen nahezu ansatzlosen Schuss flach aus etwa 14 Metern in die lange Ecke (51.).

Ein Klasse-Tor, aber vermeidbar

Ein Klasse-Tor, aber vermeidbar in seiner Entstehung. „Ich habe extra noch einmal Torschuss geübt im Abschlusstraining“, sagte der 21-jährige Bamberger, einer von vielen jungen Akteuren des FC. Seit zehn Jahren kickt Görtler nun in Bamberg, zuletzt stieg er zweimal in Folge mit der Eintracht auf. „Noch weiter nach oben wäre schön, aber wir bleiben erst mal auf dem Boden“, meinte der Stürmer zu den Ambitionen des Traditionsklubs, der die vergangenen Jahre in finanzielle Nöte geraten war.

Das Spiel wurde nun offen, es ging hin und her, weil Abtswind Dampf machte. Als Max Hillenbrand nach Markus Thomanns Flanke volley abzog, stand wieder das Aluminium im Wege (69.). Frank Hartlehnert vergab aus guter Position (73.) – dann setzte ein Fehler die Abtswinder matt.

Der Torwart in Bedrängnis

Innenverteidiger Christian Steinmetz hatte einen Ball hoch zurück zu Torwart Reusch gespielt, der ihn – unter Bedrängnis eines Bambergers – nicht weit genug klären konnte. Die Gäste eroberten die Kugel, Lukas Schmittschmitt lupfte sie von außen über alle hinweg ins Netz (79.). Abtswind ließ nicht locker, zu guter Letzt stand die Querlatte bei Markus Thomanns Versuch erneut im Weg (89.).

„Spielentscheidend war das 2:1“, sagte Trainer Hutzler. „So ein Tor können nur wenige. Aber wenn ihr die Tore macht, kann es auch anders ausgehen“, sagte der Gäste-Coach an die Adresse der Abtswinder.

Deren Situation fasste Spieler Markus Thomann in der Pressekonferenz drastisch zusammen. „Letztlich war es zu wenig. Wir müssen sehen, dass wir aus der Scheiße wieder herauskommen.“ Mit zehn Punkten nach acht Spielen ist Abtswinds Abstand nach hinten geschrumpft. Nun geht es zum Würzburger FV – dann wieder mit Mario Schindler auf der Trainerbank.

Die Statistik des Spiels
Abtswind: Reusch – Graf, Steinmetz, Lenhart, Ekollo (65. Wolf) – Wirsching (79. Hummel), Dußler, Hillenbrand, Dietl (51. Hartlehnert), Thomann – Endres.
Bamberg: Dellermann – Marco Schmitt (75. Hofmann), Kollmer, Jerundow, Linz – Reischmann, Renner, Schmittschmitt (88. Nögel), Nicolas Görtler (61. Elshani) – Patrick Görtler, Ulbricht.
Schiedsrichter: Markus Hertlein (Dinkelsbühl/Frankenhöhe). Zuschauer: 300. Tore: 0:1 Tobias Ulbricht (12.), 1:1 Michael Dietl (48.), 1:2 Patrick Görtler (51.), 1:3 Lukas Schmittschmitt (89.).
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