Juniorenfußball

Der Sieg war zu keiner Zeit das Ziel

Verloren und trotzdem in höchstem Maß zufrieden. Das mag paradox klingen. Für Markus Hartsch aber hätte das Ergebnis des SSV Kitzingen kaum besser ausfallen können.
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Nur nichts anbrennen lassen: Kitzingens Verteidiger Nils Lange (rechts) kommt dem Schweinfurter Sebastian Ziegler zuvor. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Verloren und trotzdem in höchstem Maß zufrieden. Das mag paradox klingen. Für Markus Hartsch aber hätte das Ergebnis kaum besser ausfallen können. Die von ihm trainierten U 17-Junioren des SSV Kitzingen unterlagen als Aufsteiger zum Beginn der Landesliga-Runde dem FC Schweinfurt 05 mit 0:2 (0:1) und erreichten damit, was sie sich vorgenommen hatten.

„Es ging uns allein um Schadensbegrenzung“, erklärte Hartsch nach der Partie gegen eine Mannschaft, die er zu den Meisterschaftsfavoriten rechnet: „Wir haben zu keiner Zeit daran gedacht, auf Sieg zu spielen.“ Entsprechend hatte er seine Elf eingestellt: Eine extrem defensive Taktik sollte Schweinfurt daran hindern, den Ball in Tornähe zu bringen. Dazu postierte der SSV hinter seiner Viererabwehrkette mit Turgay Senel zusätzlich einen Libero zur Absicherung. Das Mittelfeld war mit vier Mann ebenso kompakt aufgestellt.

Auf dem Rasen gestaltete sich die Raumaufteilung derart, dass die fünf Verteidiger bei Ballbesitz der eigenen Mannschaft kaum einmal nach vorne rückten. Senel blieb mitunter einfach vor dem Strafraum stehen. Attackierten die Schweinfurter, dann trafen sie erst dreißig Meter vor dem Tor auf den ersten Widersacher. Hartschs Plan griff, weil die Gäste ihre spielerische Qualität in der Mitte des Feldes ausbreiteten, statt häufiger über die Außenpositionen den Erfolg zu suchen. „Mit Gegnern, die nur hinten stehen, kommen wir nicht zurecht“, sagte Schweinfurts Trainer Thomas Gerstner.

Das Kitzinger Tor geriet lange Zeit nicht in Gefahr. Als die Gäste doch einmal den Ball über die Seiten zirkulieren ließen, fiel bei erstbester Gelegenheit das 0:1. Max Hillenbrand hatte das Spiel auf rechts beschleunigt, ins Zentrum geflankt und für Marcel Bönisch aufgelegt. Kitzingens Schlussmann Tobias Uhl wehrte den Schuss ab, erst Bönischs zweiter Versuch mit dem Kopf landete im Netz (23. Minute).

„Wie schwer sich die Schweinfurter mit unserer taktischen Meisterleistung getan haben“, sagte Markus Hartsch, „hat sich auch dadurch geäußert, wie giftig sie miteinander umgegangen sind.“ Mit lediglich einem Frontmann – zunächst mit Daniel Veeh in der Spitze, im zweiten Durchgang mit Angelo Gnirck – ergaben sich für die Hausherren keine Perspektiven vor dem gegnerischen Tor. Zumal der Angriffsaufbau darauf ausgelegt war, den Ball mit hohen Abschlägen nach vorn zu befördern, wo die Schweinfurter sich jedoch rasch wieder der Kugel bemächtigten.

„Ich muss das spielen lassen, was meine Mannschaft kann“, sagte SSV-Trainer Hartsch über sein taktisches Konzept, das dem Team vergangene Saison in der Bezirksoberliga zum Erfolg verholfen hatte: In der 1-4-4-1-Formation stellten die Kitzinger seinerzeit die beste Abwehr der Liga. In der Rückrunde hatten sie nur fünf Treffer kassiert.

Bis Mitte der zweiten Halbzeit änderte sich nichts am Spiel: Die Gäste rieben sich an der Kitzinger Defensive auf, bis Hartsch seinen Abwehrriegel durch Auswechslungen lockerte, um vielleicht doch einen Glückstreffer zu landen. Vier Mann verteidigten nun in einer Raute, dazu kam in Sebastian Stumpf ein zweiter Angreifer. Stumpf gab prompt den einzigen gefährlichen Schuss des SSV ab, aber im Gegenzug nutzte Schweinfurt erneut den Flügel zum 0:2 (70.) durch Marco Stöhlein. „Unsere Leistung lässt für die Zukunft hoffen“, sagte Hartsch: „Es kommen noch genug Gegner auf unserem Niveau.“ Gut möglich, dass der SSV dann auf eine andere Taktik setzt.

Das Spiel in der Statistik

SSV Kitzingen – FC Schweinfurt 05 0:2 (0:1)

Kitzingen: Tobias Uhl; Özer Gisi (62. Johannes Grieb), Turgay Senel, Nils Lange, Sebastian Hehn (62. Yanik Unger), Sebastian Stumpf, Maximilian Meyer, Angelo Gnirck, Dominik Laudenbach, Daniel Veeh (68. Felix Derr), Jakob Rohr (71. Pascal Kapp).

Schweinfurt: Kilian Brätz; Pascal Schmitt, Vincent Waigand, Marius Heinze, Markus Thomann (54. Michael Klug), Eren Özdemir, Simon Holch, Shaban Rugovaj (62. Marco Stöhlein), Max Hillenbrand, Leon Vollmuth (41. Yanik Pragmann), Marcel Bönisch (54. Sebastian Ziegler).

Schiedsrichter: Udo Lenhard (FC Lindach).

Zuschauer: 60.

Gelbe Karten: Rohr, Gnirck; Hillenbrand, Vollmuth.

Tore: 0:1 Marcel Bönisch (23.), 0:2 Marco Stöhlein (70.).

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