"Wir sind die erste U12-Mannschaft des TV Segnitz, die den Deutschen Meistertitel geholt hat", freut sich ein stolzer Spieler Andreas Kaemmer, neun Jahre jung. Dass sie am Sonntag goldbehangen gefeiert werden, daran hatte am Samstagabend nach der Vorrunde bei den "Deutschen" in Hamm niemand gedacht. Auch Coach Christian Lauck nicht: "Ich habe uns so eingeschätzt, dass wir unter den 26 männlichen U12-Mannschaften zwischen Rang zwölf und 15 landen würden." Selbst am Samstagabend, nachdem sie sich nur als Gruppendritter für das Klassement der besten Zwölf qualifiziert hatten, setzten sich Trainer wie Spieler lediglich das Ziel, in die Top ten zu kommen.
Dass die Segnitzer Jungs einen "so coolen Moment", wie es der zwölfjährige Kapitän Philipp Mengler beschreibt, bei der Siegerehrung erleben durften, verdanken sie ihrer Unbekümmertheit auf dem Spielfeld. Angst vor den großen Namen hatten sie keine, da sie diese Vereine in ihrem Alter noch nicht kannten. "Sie gingen unbeschwert in die Partie, egal, wer auf der anderen Seite stand. Die Jungs haben gar nicht realisiert, was außen herum geschah, auch wenn 200 Zuschauer, wie beim Viertelfinale gegen Brettorf, oder 600 im Finale am Rand standen. Sie haben ihr Spiel gemacht und das umgesetzt, was wir von draußen gesagt haben", lobt Christian Lauck. Unbekümmert, keinesfalls naiv, trat der Faustball-Nachwuchs in den K.o.-Spielen am Sonntag an. "Sie haben so etwas von diszipliniert und ruhig gespielt - das habe ich von so Kleinen noch nie erlebt", freut sich der Coach.

Nur 2:0-Siege am Sonntag

Die Kids hatten am Sonntag einfach einen Lauf und viel Spaß. "Nach dem Erfolg gegen Ahlhorn und dem Viertelfinalsieg gegen Brettorf haben wir gedacht, wir sind richtig gut und haben jeden Ball irgendwie rausgefischt. Wir haben den einen Schlagmann so verrückt gemacht, dass er geweint hat", sagt Mengler. "Der Knackpunkt war der Sieg in der Viertelfinal-Quali gegen Ahlhorn", konstatiert auch Lauck. Bis zum Endspiel gewannen die Segnitzer alle vier Partien mit 2:0-Sätzen. Die Krönung stellte der Finalsieg gegen den SV Kubschütz dar, gegen den Segnitz in der Vorrunde eine seiner zwei Niederlagen kassiert hatte. "In der Vorrunde haben wir gegen sie verloren - und man verliert nur einmal", motivierte Lauck seine Schützlinge. Das hätte er gar nicht gebraucht. "Die können wir im Endspiel packen, vorher hatten wir nur knapp verloren, weil sich der Fabio am Ende verletzt hat", sagt Kapitän Philipp Mengler, mit zwölf Jahren der älteste Spieler im Team. Mit Lorenz Grötsch, Jeremias Tröge und Fabian Buchta traten noch drei Elfjährige in den Farben des TV Segnitz an. Simeon Tröge (10 Jahre) sowie Andreas Kaemmer und Fabio Lauck (beide 9) komplettierten die Mannschaft. Jeremias und Philipp Tröge sowie Fabian Buchta brachten schon einige Erfahrung mit, landeten sie 2011 bei der "Deutschen" auf Rang vier. "Diesmal wurden wir bei der Siegerehrung als letzte aufgerufen", beschreibt Philipp Mengler den großen Moment. "Dann wurde die Nationalhymne gespielt, wir haben alle mitgesungen. Mit der Segnitzer Broträuschfest-Fahne liefen wir die Ehrenrunde."

Riesenempfang in Segnitz

Doch das war nicht alles. Ein Riesenempfang erwartete die erfolgreichen Kids nach vierstündiger Heimfahrt am späten Sonntagabend. Mit dem Bulldog ging es durch Segnitz, bei Pizza und Spezi feierten sie mit Eltern, Bekannten und TVS-lern am Sportplatz bis in die Nacht hinein. "Dabei hat uns der Trainer gesagt, dass wir nur kurz zu McDonald´s fahren, dann unsere Sachen ausladen und er uns nach Hause bringt. Als wir dann zum Sportplatz kamen, haben uns alle erwartet und mit Trommeln und Tröten empfangen", war nicht nur Mengler überrascht. "Mit einer Goldmedaille um den Hals und von allen bejubelt, das war schon sehr schön. Ich habe nicht gedacht, dass wir so gefeiert werden", strahlt auch Andreas Kaemmer. Auf der Heimfahrt ging es dagegen ruhig zu. "Die müssen den Titel erst einmal sacken lassen", sagt Coach Lauck. Selbst am Montagmittag sprach Philipp Mengler davon, dass das Team es noch nicht begriffen habe, dass es Deutscher Meister sei. Der Beweis ist indes hart: "Ich habe die Goldmedaille am Bett hängen", freut sich Andreas Kaemmer. Neue Ziele haben sich die Jungs bereits gesetzt. "Wir wollen wieder Deutscher Meister werden", betonen Philipp und Andreas unisono. Und wieder solch ein Wahnsinnswochenende erleben.