Fußball-Kreisliga 1 Würzburg

Der SSV Kitzingen schlägt zurück

Die Hopferstädter erliegen beim SSV Kitzingen einem Irrglauben. Denn als angeschlagener Gegner erweisen sich die Siedler keineswegs. Vielmehr geraten die Gäste beim 1:4 selbst zum Sparringspartner.
Artikel drucken Artikel einbetten
Da hilft alles pressen nichts: Hopferstadts Stefan Pohl (links) jagt dem Ball hinterher und hängt den Kitzinger Dominik Mauderer ab, doch am Ende gehört der Sieg dem Gegner. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Beim Boxen sind angeschlagene Gegner bekanntlich die gefährlichsten Widersacher. Im Laufe der Runden haben sie zahlreiche Treffer einstecken müssen, sie hängen in den Seilen und taumeln im Schlaghagel durch den Ring. Allein ihr Wille hält sie noch auf den Beinen. Doch ein Lucky Punch, ein Glückstreffer ans Kinn oder auf die Leber – schon geht der überlegene Kämpfer K.o.

Wäre der FC Hopferstadt eine Boxstaffel und kein Fußballklub, so würde das sichtlich gezeichnete Team bereits nach sieben von 30 Runden in der Kreisliga angezählt. Noch immer nicht ist der von gleich zwei Trainern betreuten Elf ein Sieg gelungen. Der Vergleich mit dem SSV Kitzingen am Samstag war den Hopferstädtern nicht einmal ungelegen gekommen. Ein Wochenende zuvor hatten die Siedler als Aufbaugegner für den bis dahin ebenso sieglosen SV Willanzheim hergehalten und mit 0:2 verloren. „Wir hatten die Hoffnung, dass Kitzingen verunsichert ist“, sagte Bernd Kraft, die eine Hälfte des Hopferstädter Trainergespanns.

Doch dieser Glaube bestätigte sich nicht. Statt dem Gegner einen weiteren Niederschlag zu versetzen, blieb Hopferstadt nur die Rolle des Sparringspartners, der gekommen war, um dem Hauptkämpfer neues Selbstvertrauen zu schenken. Am Ende ging ein 1:4 in die Wertung ein. Von den klaren Treffern weichgeklopft, suchte Bernd Kraft erst einmal die Deckung: „Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen.“ Mit seinem Kollegen Björn Auer hatte er die Mannschaft auf den Gegner eingestellt.

Auf den Kitzinger Offensivstil wollte Hopferstadt mit einer Kontertaktik reagieren. Und irgendwie schien dieses Sicherheitskonzept eine Weile aufzugehen. Jedenfalls tauchte Dominik Metzger nach knapp einer Viertelstunde sehr überraschend vor dem Kitzinger Gehäuse auf und schloss zur 1:0-Führung der Gäste ab. „Ich hatte nicht die Befürchtung, dass der Schuss heute wieder nach hinten losgeht“, gab Kitzingens Trainer Carsten Lanik trotz der Erfahrung aus der Vorwoche zu verstehen.

Vorteilhaft wirkte, dass sein Team nicht in Hektik verfiel. Die Chancen würden dann zwangsläufig entstehen, so die Erwartung. Und damit lagen die Kitzinger sehr richtig: Christopher Soldner stand nach zwanzig Minuten schon sehr günstig und verzog. Dennis Ketturkat wartete zwar vergeblich auf einen Elfmeterpfiff, als Bernd Kraft ihm die Füße wegzog (37. Minute). Doch selbst das brachte den SSV nicht aus der Ruhe. Im nächsten Angriff nahm Ketturkat noch mehr Schwung, zog vorbei an Hopferstadts Verteidigung und drückte den Ball zum 1:1 ins kurze Eck (39.).

Noch waren es fünf Minuten bis zur Pause. Warum nicht auch diese Zeit effektiv nutzen? Florian Soldner verblüffte mit seinem von Effet getriebenen Schuss zum 2:1 nicht nur den um einige Zentimeter zu klein geratenen oder aber zu weit im Feld stehenden Torsteher Michael Nadler (43.). Hätte Ketturkat - noch immer vor dem Ende der ersten Halbzeit - nachgelegt und nicht lediglich den Pfosten angesteuert, so wäre der Matchplan der Gäste endgültig hinfällig gewesen.

„Wir haben defensiv weitergespielt, weil Kitzingen keine Mannschaft ist, die ein Ergebnis verwaltet“, sagte Bernd Kraft. Die Angst vor einem dritten, gar vierten Gegentor hemmte die Freizügigkeit, mehr Initiative zu wagen. Wenn Björn Auer als einziger Stürmer nach hinten arbeitete, so stand vorne keiner zum Angriff bereit. Hopferstadts Wunsch nach dem perfekten Gegenstoß oder einer überraschenden Standardsituation, die zum Ausgleich hätte führen können, blieb unerfüllt. Nur dauerte es eben bis in die Schlussphase, ehe die Siedler, die im zweiten Durchgang auch ohne Ball beweglicher waren, das Ergebnis erhöhten.

„Das war die richtige Reaktion auf das Spiel in Willanzheim“, sagte Carsten Lanik, „auch wenn der Mannschaft anzumerken ist, dass sie unheimlich unerfahren ist.“ Mit 29 Jahren war Marco Renner der weitaus Älteste im Aufgebot, in dem Jungspunde wie Lukas Pauluhn früh lernen, Führungsaufgaben zu bewältigen und mit ihrer Rolle wachsen.

Individuelle Qualität besitzen sie alle. Das belegte Bernd Keilholz mit einem Weitschuss in den Winkel (81.), während Metin Yasar einen Spielzug technikaffin mit dem 4:1 beendete (83.). „Mit der Zeit werden wir besser, auch wenn Rückschläge kommen“, sagte Lanik.

Statistik zum Spiel

SSV Kitzingen – FC Hopferstadt 4:1 (2:1)

Kitzingen: Michael Kümmel; Joshua Then, Felix Scheider, Marco Renner, Dominik Mauderer, Lukas Pauluhn, Bernd Keilholz, David Bartsch (80. Kevin Schulze), Dennis Ketturkat, Christopher Soldner (60. Metin Yasar), Florian Soldner (64. Timo Held).

Hopferstadt: Michael Nadler; Thomas Jörg, Christian Karl, Thorben Reibold (49. Timo Düll), Bernd Kraft (80. Dominik Geßner), Peter Häußlein, Johannes Reißmann (46. Julian Träger), Dominik Metzger, Stefan Pohl, Lawrence Uwalaka, Björn Auer.

Schiedsrichter: Michael Krug (SB Versbach).

Zuschauer: 80.

Gelbe Karte: Jörg.

Tore: 0:1 Dominik Metzger (13.), 1:1 Dennis Ketturkat (39.), 2:1 Florian Soldner (43.), 3:1 Bernd Keilholz (81.), 4:1 Metin Yasar (83.).

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.