FUSSBALL: BAYERNLIGA FRAUEN

Der Professor macht Schluss

Seit November steht es fest, nun ist es raus: Nach einem Jahr endet die Mission Christian Goldens als Trainer in Frickenhausen – aus „privaten Gründen“.
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Grübel, grübel und studier: Christian Golden brachte als Trainer einen Schuss Professionalität zum TSV Frickenhausen. Foto: Foto: Alexander Rausch

Fünf Spiele noch, dann ist auch diese dritte Bayernliga-Saison des TSV Frickenhausen schon wieder Geschichte. Fünf Spiele noch, dann ist auch für den Mann Schluss, der in knapp einem Jahr Arbeit nichts dem Zufall überließ; der an Systemen und an Taktik feilte; der Gegner und Gruppen studierte und der bisweilen etwas von einem Fußballprofessor an sich trug.

Christian Golden hatte seinen Einstand als Trainer im Mai vorigen Jahres kaum erwarten können, er stürzte sich als Nachfolger des oft etwas verloren wirkenden Gernot Haubenthal sofort in die Arbeit und fand auf Anhieb einen guten Draht zu seiner Mannschaft. Nun kappt er selbst diesen Draht. Die Partie in Weinberg am 26. Mai wird zu seiner Abschiedsvorstellung.

Golden hat zeit seines kurzen Wirkens als Trainer einen Schuss Professionalität nach Frickenhausen transportiert. Seine Mission war auf Nachhaltigkeit ausgelegt – dass sie nun so zeitig zu Ende geht, liegt nach seinen Angaben nicht an unterschiedlichen Philosophien oder widerstreitenden Interessen mit der Klubspitze des TSV und auch nicht an sportlichem Misserfolg, wie man nach vier Spielen ohne Sieg und der weiter schwelenden Abstiegsfrage vermuten könnte.

„Private Gründe“ gibt der 30-Jährige für seinen Schritt an, und bevor die Spekulationen ins Kraut schießen, klärt er lieber selbst auf, was sich dahinter verbirgt. Seine Lebensgefährtin wird im Herbst eine Stelle als Referendarin an einer Schule irgendwo in Bayern antreten. Da erst im August bekannt ist, wo, mag Golden sich nicht weiter an den Verein binden. Schon im November hat er den Klub eigenen Angaben zufolge über seine Pläne informiert. „Mir liegt die Mannschaft sehr am Herzen“, versichert er. Der Verein sei in „guten Gesprächen“ mit einem Nachfolger.

Wer den Trainer in diesem Jahr in Frickenhausen erlebt hat, wird nicht auf die Idee kommen, dass er die Dinge im Endspurt schleifen lässt. Noch kann der Klub in Sachen Klassenverbleib nicht Vollzug melden. Mit dem 1:1 (1:1) am Sonntag beim FC Pegnitz hat Frickenhausen zwar die von Golden beschworene „Katastrophe“ verhindert – ein Heranrücken an die Abstiegszone bis auf zwei Punkte. Doch auch der erhoffte Befreiungsschlag ist ausgeblieben.

Wie geht man um mit einem Ergebnis, das die Kraft besaß, eine seit drei Spielen währende Niederlagenserie zu unterbrechen, aber zu schwach blieb, um die Trendwende auszurufen? „Ich sehe den Punkt positiv“, sagte Golden nach einer Begegnung, die erneut einen Zwiespalt zeigte zwischen Aufwand und Ertrag. Aus dem Sturm und Drang von sechzig aufreibenden Minuten zogen die Frickenhäuserinnen nicht den trefflichen Nutzen, der aus Sicht ihres Trainers angemessen gewesen wäre, also ein zweites oder gar drittes Tor – und in der letzten halben Stunde fehlte es dann an Frische für einen beherzten Endspurt.

Schon zur Halbzeit stand der Kompromiss fest, auf den es am Ende des Tages hinauslief. Sandra Abersfelder, die nach drei Wochen ohne Spielpraxis von Beginn an ran durfte und immerhin 82 Minuten durchhielt, hatte nach 23 Minuten eine weitläufig angelegte Kombination erfolgreich beendet. Einen Pass Angelina Schrecks in die Schnittstelle der Pegnitzer Abwehr verwertete sie aus zehn Metern zum 0:1. Als alle schon auf den Halbzeitpfiff warteten schlug die Heimelf zurück: Auf Zuspiel Michaela Sebalds gelang Christina Heim der Ausgleich. Nun rächte sich, dass der TSV zuvor mehrere gute Chancen vertan hatte.

In der Kabine sprach Trainer Golden von Einsatz und Willen – von Tugenden, die er von Anja Schreck beispielhaft verkörpert sah. Die Linksverteidigerin, die sich nach längerer Krankheit zurück auf den Rasen und in die Startelf gekämpft hat, „hilft uns mit ihrer Präsenz brutal“, wie der Trainer sagt. Doch auch sie konnte nicht verhindern, dass das Spiel in der zweiten Halbzeit mehr und mehr zu Gunsten der Pegnitzerinnen kippte.

Mit ihren zwei Angreiferinnen Cornelia Hühn und Christina Heim, dazu Michaela Sebald als hängender Spitze verfügte die Heimelf über ein offensives Dreigestirn, auf das sich alles fixierte und das die Mitspielerinnen bei Ballbesitz zielstrebig ansteuerten; ein berechenbares Spielchen, und doch zeitigte es zumindest einen Teilerfolg. Christian Golden hätte sich mehr gewünscht, aber ihm bleiben ja noch fünf Versuche, sein Projekt erfolgreich zu Ende zu führen.

Das Spiel in der Statistik

FC Pegnitz – TSV Frickenhausen 1:1 (1:1)
 
Pegnitz: Großpietsch – Bauer, Götz (51. Beyler), Gebhard, Lindner, Cieslik, Kirchner, Looshorn (79. Eichenmüller), Sebald, Hühn, Heim.
 
Frickenhausen: Kohl – Kinle, Reddersen (86. Lupper), Müller, Schwarz, Thormann (64. Kissler), Anja Schreck, Rauschenberger, Other, Angelina Schreck, Abersfelder (82. Wasserbauer).
 
Schiedsrichter: Diesel (Spardorf).
 
Zuschauer: 55.
 
Gelbe Karte: Hühn.
 
Tore: 0:1 Sandra Abersfelder (23.), 1:1 Christina Heim (45.+3).
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