Fußball

Der Erfolg des Ehrlichen

Manch einer mag sich verwundert die Augen reiben: Der TSV Geiselwind spielt in der Kreisklasse plötzlich vorne mit. Für den neuen Spielertrainer Andreas Heckel kommt der Erfolg weit weniger überraschend.
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Alles im Blick, alles im Griff: Andreas Heckel hat nicht gezaudert, als das Angebot aus Geiselwind kam. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Manch einer mag sich verwundert die Augen reiben, wenn er sich die Tabelle der Schweinfurter Kreisklasse 2 ansieht. Dort spielt auf einmal der TSV Geiselwind als zweite Geige im Konzert der Klassengrößen mit, obwohl der Klub vergangene Saison nach vielen Missklängen erst mit einer grandiosen Aufholjagd und ein wenig Glück die Liga gehalten hat. Vor dem Auftritt an diesem Sonntag gegen den forschen Aufsteiger Oberschwarzach fragt man sich natürlich, wie der fast wundersame Wandel zustande kommt.

Nach außen betrachtet, hat sich in Geiselwind nicht viel geändert. Das Personal ist eher weniger geworden, aber in Andreas Heckel hat die Gruppe einen Dirigenten bekommen, der anscheinend den richtigen Takt vorgibt. Heckel gibt den authentischen Vorkämpfer, der die Mannschaft vom defensiven Mittelfeld aus treibt und der Spaß daran gefunden hat, sie auf dem Feld zu dirigieren und zu motivieren. Zudem hat sich Heckel mit bisher drei Treffern auch als Torschütze einen Namen gemacht.

Das 32 Jahre alte Kraftpaket scheint den zuletzt so verunsicherten Geiselwindern neues Leben eingehaucht zu haben – doch mit großem Lorbeer will Heckel sich nicht bekränzen lassen. „Erst einmal abwarten. Ich kann die Gegner, die wir bisher hatten, nicht einschätzen. Natürlich bin ich froh, dass wir diese zehn Punkte eingefahren haben. Das waren jetzt vier Spiele. Was ist, wenn wir die nächsten zehn Begegnungen verlieren?“

Nun ja, der nahezu optimale Start sei nicht unbedingt zu erwarten gewesen, aber „für mich ist es nicht die ganz große Überraschung. Ich weiß, welches Potenzial in der Mannschaft steckt.“ Das könne man daran erkennen, was allein durch gute Stimmung möglich sei. Heckel stammt aus Geiselwind, kickte in Jugendjahren auch beim TSV Vestenbergsgreuth, aber als 17-Jähriger lief er wieder für die erste Mannschaft in Geiselwind auf  – damals in der Bezirksliga, in den guten Fußballtagen im Steigerwald. Weil Heckel mit dem damaligen Trainer Rudi Lottes nicht zurechtkam, schloss er sich der DJK Wiesentheid an. Nach vier Jahren ging es wieder zurück. Später folgten noch einmal drei Jahre Wiesentheid, als Spielertrainer der FSG-Reserve in der Kreisliga, ehe er diesen Sommer wieder zu seinem Heimatverein kam.

Bedenken beschlichen ihn nicht, in Geiselwind Verantwortung zu übernehmen – bei einem Klub, der in vier Jahren vier Trainer verschlissen hat, eher im Gegenteil. „Da gab es nichts zu zögern. Ich habe mich gefreut, als der Verein auf mich zugekommen ist. Dort sind ja noch Spieler und Leute dabei, die ich von klein auf, quasi aus dem Sandkasten, kenne, wie den Oliver Hofrichter. Die Freundschaft mit ihnen hat sich über Jahre erhalten, so etwas geht nicht verloren, bloß, weil du mal woanders Fußball spielst“, erzählt er.

Trainer zu sein ist für Heckel nicht einfach. Schließlich muss er als Polizeibeamter bei der Bundespolizei mit Standort in Bayreuth gerade an den Wochenenden oft und zum Teil auch recht kurzfristig ran. Ob bei großen Demonstrationen, bei Castor-Transporten oder zum Geleit von Fußball-Fans ist er mit seiner Einheit in ganz Deutschland unterwegs. Steht am jeweiligen Spieltag seiner Mannschaft ein Einsatz an, dann muss er ran, egal wo, egal wann. Erst dieser Tage war er beim Drittliga-Fußballspiel zwischen Hansa Rostock und dem Chemnitzer FC gefordert. In Geiselwind reizt ihn die Aufgabe, wieder etwas aufzubauen.

Die Mannschaft, die er in dieser Saison betreue, sei „nicht die einfachste. Aber ich glaube, man kommt klar mit meiner Art. Ehrlichkeit ist Trumpf bei mir.“ Heckel gibt sich geradeaus, wie er auch als Typ ist. Im Hinterkopf hat er, manch einheimischen Kicker, der auswärts spielt, zurückzuholen, um mit eigenen Leuten vorwärts zu kommen, Euphorie zu erzeugen, wie es andere Klubs im Umland, etwa der nächste Gegner aus Oberschwarzach, vormachten.

Aktuell begleiten Heckel trotz des guten Starts einige personelle Sorgen. In Bastian Rückel, Andreas Rehberger und Rob Rijnbeek fallen nach wie vor und zum Teil auch noch länger drei Stammkräfte aus. Dazu will Andreas Klein aus schulischen Gründen etwas weniger Zeit mit Fußball verbringen. Gegen Oberschwarzach kann zumindest Oliver Hofrichter nach kurierter Verletzung wieder ran.

Schwer, aber nicht unmöglich ist für Andreas Heckel die Aufgabe an diesem Sonntag. Als Fernziel behält er einen einstelligen Tabellenplatz im Visier – und er möchte „nichts mit den Abstiegsrängen zu tun haben“. Die Mannschaft müsse „noch mehr Selbstvertrauen“ kriegen. Dann werden sich nicht nur in Geiselwind manche weiter die Augen reiben.

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