Handball

Der Ehrgeiz des Volkacher Mannschafts-Opas

Es gab Zeiten, da spürte Thorsten Klinger nicht mehr die ganz große Lust auf Handball. Jetzt ist der Appetit wieder da. An diesem Sonntag möchte der 32-Jährige mit der HSG Volkach richtig zubeißen und den Aufstieg in die Bezirksoberliga festmachen.
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Süffisanter Blick zurück: Thorsten Klinger (hier noch im Trikot des TSV Rödelsee) räumt selbst „ein bisschen Faulheit“ ein. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Es gab Zeiten, da spürte Thorsten Klinger nicht mehr die ganz große Lust auf Handball. Nach einer Verletzungspause war ihm der Spaß abhanden gekommen, so dass er fast zwei Jahre pausierte. Beim Zuschauen bekam der Hüne aber wieder Appetit auf den Sport – und mittlerweile hat der 32-Jährige wieder richtig angebissen. Mit der HSG Volkach möchte er an diesem Sonntag (18 Uhr) im Duell mit dem direkten Konkurrenten TSV Mellrichstadt den Titel und somit die Rückkehr in die Bezirksoberliga klarmachen.

Die Zeit, als Thorsten Klinger seine Pause vom Handball nahm, liegt fast vier Jahre zurück. Damals trug er für zwei Jahre das Trikot des TSV Rödelsee, mit dem er 2008 den Sprung von der Landesliga in die Bayernliga vollzog. Just im Aufstiegsjahr verletzte er sich, 2009 kehrte er nach Volkach zurück, spielte aber nur selten. Warum? „Das kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Es war auch ein bisschen Faulheit. Nach meinem Innenbandriss habe ich leider die Zeit etwas verplempert“, sagt er heute im Rückblick ganz offen. Er habe es „einfach mal genossen, eine Zeitlang nichts zu machen“.

Die lustlose Phase ging wieder vorüber. Je länger er seiner Mannschaft zusah, um so mehr wuchs die Motivation. Über sporadische Einsätze in der vergangenen Saison wurde Klinger bei Trainer Matthias Lauer wieder zur festen Größe. Heute führt er die verjüngte Volkacher Mannschaft entweder von der Spielmacher-Position aus oder von halblinks, von wo aus er die meiste Zeit seiner Laufbahn seine Tore warf. Klinger hat der Ehrgeiz gepackt. Es bereitet ihm derzeit großen Spaß, in der recht jungen HSG-Gruppe die Rolle als „Mannschafts-Opa“ einzunehmen, wie er so süffisant erzählt.

Überhaupt scheint in Volkach allmählich die Saat aufzugehen, die vor einigen Jahren gesetzt worden ist. Im April 2009 übernahm Matthias Lauer als Trainer mit der damaligen B-Jugend der HSG einen Jahrgang, in den der Verein große Hoffnungen steckte. Lauer stieg ab Sommer 2009 auch bei den Volkacher Herren ein, die just in die Bezirksliga zurückgestuft worden waren. Klub und Trainer gaben sich Zeit für den Neuaufbau, was sich nun bereits auszuzahlen scheint. Vergangene Saison verlor Volkach noch das entscheidende Spiel um den Aufstieg gegen die zweite Mannschaft des TSV Rödelsee.

Diesmal streben Thorsten Klinger und die HSG nach einer bisher makellosen Saison ohne Verlustpunkt den Titel an. „Zurzeit passt es. Als Mannschaft sind wir momentan gut drauf“, sagt Klinger. Zumal es in eigener Halle gegen den Mitkonkurrenten geht. Bei den Gründen für das derzeitige Hoch kommt er wieder auf die Jugend zu sprechen. „Die jungen Spieler haben sich sehr gut integriert, es sind super Spieler dabei, die auch charakterlich passen“, sagt der Handelsfachwirt.

Großen Anteil daran misst er dem Trainergespann Matthias Lauer und Matthias Seitzer zu, der Lauer seit einiger Zeit vor allem beim Nachwuchs unterstützt. Lauer habe das richtige Gespür, so Klinger, wann er im Training die Zügel anziehen und wann er sie lockern müsse. „Das Programm ist gut auf uns abgestimmt. Er versucht, spielerisch eine ganz klare Linie reinzubringen“, sagt er über die weiteren Vorzüge.

Angst, dass die HSG nach dem anstehenden Aufstieg wieder zur Fahrstuhlmannschaft werden könnte, beschleicht Klinger nicht. Die jungen Kräfte hätten großes Potenzial. „Man kann nie sagen, wie es läuft. Aber mit der jetzigen Besetzung gehe ich davon aus, dass wir uns in der Bezirksoberliga halten können.“ Außerdem: „Volkach gehört in die Bezirksoberliga.“ So ist das also. Zudem besitzt die Mannschaft durch den agilen Nachwuchs nun auch in der Breite einen adäquaten Kader – anders als in den Vorjahren.

Für Klinger selbst steht fest, dass er über die Runde hinaus dabei bleiben werde, vielleicht auch länger. „Solange es die Knochen mitmachen, auf jeden Fall. Dafür macht es mir im Moment zu viel Spaß.“ Nebenher werde er, so weit das möglich ist, auch sein zweites sportliches Hobby – Fußballspielen – pflegen. Als Junge hatte er damit begonnen, bevor es ihn zum Handball zog, wo er es bis in die Auswahlmannschaften schaffte. So weit es die Zeit erlaubt, wird er weiterhin die Reserve des VfL Volkach verstärken. „Das geht schon, Samstag Handball, Sonntag Fußball.“ Auf dem grünen Rasen tummelt er sich gerne im zentralen Mittelfeld. „Offensiv! Abwehr liegt mir beim Fußball nicht so, anders als im Handball“, wie er sagt. Im Zweifel, das hat Thorsten Klinger klargemacht, genieße der Handball Vorrang.

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