Aub

Der Auber Erfolg spricht für sich

Noch scheint der Aufstieg des TSV Aub nicht beendet. Dabei kämpft Trainer Christopher Dietl auf dem Platz mit allerlei Verständigungsproblemen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Christopher Dietl ist in Aub nicht nur Trainer, sondern auch eine Art Sozialarbeiter.

Dass der TSV Aub als Aufsteiger nach dem Winter von Startplatz eins in die restlichen zwölf Begegnungen der A-Klasse 2 Würzburg starten würde, damit hatte nicht einmal Trainer Christopher Dietl gerechnet. „Es war überhaupt nicht abzusehen“, sagt er. Eben wieder nach oben gekommen, galt für den Verein aus der südwestlichen Ecke des Ochsenfurter Gaus im Vorfeld die Devise, „bloß nicht abzusteigen“.

Dieser Vorgabe sei sein TSV schon einen Schritt voraus. „Wir könnten uns jetzt beruhigt zurücklehnen und sagen: Saisonziel erreicht. Aber genau das werden wir nicht tun“, verspricht der Trainer vor dem Start gegen den FC Kirchheim. „Wir werden alles daran setzen, um vorne mitzuspielen.“ Natürlich ist auch Dietl klar, dass die allermeisten Fußballfreunde der Umgebung im Zusammenhang mit dem TSV Aub nicht auf Anhieb sportliche Höhenflüge verbinden.

Eher denken einige an die vielfach multikulturelle Zusammensetzung der Mannschaft. Im Auber Schloss ist seit Jahren eine Unterkunft für Asylsuchende untergebracht, etliche der Flüchtlinge landen beim Sportklub des 1500-Seelen-Orts. Dort weiß man, was Integration bedeutet – wie schwierig und wichtig sie ist.

Auch Christopher Dietl kann ein Lied davon singen. „Was wir in den vergangenen dreißig Jahren im Verein erlebt haben, das wäre einige Geschichten wert. Wir haben mehr als siebzig Spielerpässe von Spielern aus achtzehn verschiedenen Nationen“, erzählt er. Positive wie auch negative Erfahrungen haben die Klubvertreter in diesen Jahren gemacht. Nicht nur einmal sei der TSV als „Kanakentruppe“ betitelt worden.

Natürlich seien nicht immer nur liebe Menschen als Fußballer unter den Flüchtlingen gewesen, gibt Dietl zu. Der Verein stieß an Grenzen, es stecke unter anderem „viel Schreibkram“ dahinter, bis ein Fußballwilliger aus fremden Ländern einen Spielerpass erhält. Hinzu komme, dass mancher nach wenigen Wochen die Zwischenstation Aub wieder verlasse.

Spieler aufzunehmen sei nicht so einfach, erklärt Dietl. „Es muss Sinn machen, es muss auch Vertrauen da sein, sonst geht es nicht“, sagt er, der auch schon Vorsitzender des Vereins war. Auf dem Platz müsse er das Training häufiger unterbrechen, um den ausländischen Kickern einiges zu erklären. Das sei oft mühsam. Aktuell habe er drei, vier Asylbewerber in der Mannschaft, das gehe.

Einer ist Mohamed Abdi Dalmar – ein Somalier, der nicht nur wegen seiner neun Tore im Angriff herausrage. „Für diese Liga ist er sehr stark, sehr schnell. Er ist auch gut integriert.“ Allerdings sei eben ungewiss, ob er in Deutschland bleiben dürfe – trotz einer Berufsausbildung, die ihm der Verein mit vermittelt habe.

Im Moment genießt man in Aub nicht nur die Spitzenposition. Dietl schwärmt von seiner jungen Truppe, in der viele einheimische Spieler stehen. Dazu erntet der TSV gerade die Früchte aus seiner früheren Jugend-Spielgemeinschaft mit Weigenheim. Bis zu acht Akteure sind dazugekommen, die nicht nur fußballerisch engagiert bei der Sache seien. „Sie organisieren sich selbst, schmeißen den Wirtschaftsbetrieb oder mähen den Platz – das ist schön mit anzuschauen.“

Lange habe sich der Verein nach solchen Zeiten gesehnt, meint Dietl, der vor gut einem Jahr Frank Schürger als Trainer abgelöst hat. Zunächst wollte er nur die Saison abschließen, dann ließ sich der Briefträger von der Mannschaft dazu überreden, weiterzumachen. Und nun hat er auch fürs nächste Jahr zugesagt. Zuvor stand er bei der Jugend schon mal in Aub an der Linie.

Durch seinen Sohn Jakob, der im Nachwuchs Greuther Fürths spielte, wuchs Christopher Dietls Interesse, also machte er seinen Trainerschein. Zunächst allerdings hatte sein weiteres Hobby Vorrang, die Musik. Dietl besitzt den Dirigentenschein, leitete die Hemmersheimer Musikanten, er war viel unterwegs mit ihnen. Inzwischen spielt der Fußball die erste Geige bei ihm.

Ob es diesmal für Aub in Richtung Kreisklasse gehen wird? Euphorie sei schon da im Ort, der große und ausgeglichene Kader könne ein Vorteil sein. Gegen den Aufstieg würde sich Dietl nicht wehren, doch er ist vorsichtig. „In der Liga kann alles ganz schnell gehen. Das letzte Wort ist da noch lange nicht gesprochen.“ Ein Punkt vor Gollhofen, zwei vor Tückelhausen und drei vor Frickenhausen sind kein großes Polster für den TSV Aub.



Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.