Handball

Deis vergibt sein Herz an Rödelsee

Nach zehn Jahren in Königshofen vollzieht André Deis den Wechsel zum TSV Rödelsee - viel zu spät, wie der Rückraumspieler selber sagt.
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Zuversichtlich im neuen Umfeld: André Deis schätzt das Rödelseer Wohlfühl-Klima. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Irgendwann ist immer das erste Mal. Was den Sport betrifft, war es für André Deis in diesem Sommer. Erst nach einigen Überlegungen hat der Handballer schließlich seine HG Königshofen/Sachsenflur verlassen, um nun beim TSV Rödelsee sein Glück zu suchen. Nun sind vier Bayernliga-Spiele vorüber, in denen der 1,90 Meter große Rückraum-Akteur insgesamt zehn Treffer gelandet hat. „Ich bin in Rödelsee angekommen“, sagt der 27-Jährige. Und weiter: „Ich wurde noch nicht so viel eingesetzt, aber meine Spiele werden noch kommen.“

Vor allem beim Auswärtssieg vorige Woche in Haunstetten deutete der in Bad Mergentheim wohnende Deis an, wie wertvoll er für das Team von Trainer Dusan Suchy sein kann. Dort wurde er Mitte der zweiten Halbzeit ins Spiel gebracht – er machte vieles richtig und führte die Entscheidung zu Gunsten des TSV mit herbei. Nach drei Treffern von ihm in Folge stand es 29:21 für Rödelsee, und die Partie war gelaufen. „Das hat mich und die Mannschaft natürlich gefreut“, sagt André Deis. Sein Klub bleibt damit in der Liga Spitze.

Für Deis war der Wechsel von der Landesliga in Baden nach Rödelsee in die Bayernliga ein Gewinn. Keine Sekunde habe er bislang seinen Auszug in diese für ihn neue Handball-Welt bereut. „Ich hätte das schon viel eher tun sollen, aber mein Herz hing eben an Königshofen. Ich habe mich nie getraut“, gibt er ehrlich zu. Zehn Jahre bei den Aktiven verbrachte der Groß- und Außenhandelskaufmann dort, zehn Jahre, in denen die Mannschaft in der Badenliga spielte.

Deis' Gedanken, die Fronten zu wechseln, beschleunigten sich, als sich im vergangenen Frühjahr mit dem Abstieg einiges in Königshofen änderte und die Mannschaft zerfiel. Auch Dennis Orf verließ den Klub, ging zum TSV Rothenburg. Der Ex-Rödelseer hatte zu den Leistungsträgern gehört. Neben anderen zog es auch Trainer Alexander Schad von dannen. Ein Neuaufbau wurde nötig beim badischen Spitzenklub.

Handball schien dort auf dem absteigenden Ast, und Deis fühlte sich im richtigen Alter, den Absprung zu wagen und etwas Neues auszuprobieren. Deis stammt eigentlich aus Kirgistan. An seine Heimat hat er keine Erinnerung, im Alter von drei Jahren siedelten die Eltern mit Familie nach Deutschland über. Auch heute hat er kaum mehr Verwandte in der einstigen Sowjetrepublik an der Grenze zu China.

Zum Handball kam Deis über einen Schulfreund, der ihn mit zum Training in Bad Mergentheim nahm. „So sieben, acht Jahre war ich damals alt“, erinnert er sich. Für kurze Zeit probierte er es auch mit Fußball, aber er blieb beim Handball hängen. Nach den Anfängen landete er beim Nachwuchs des ETSV Lauda, mit dem er in der badischen Jugendoberliga antrat. Es folgte die Station in Königshofen, bevor dann der Kontakt nach Rödelsee entstand.

Härter und mehr Tempo

In der Bayernliga ist für ihn einiges anders – nicht nur, dass er nun etwa 50 Kilometer einfach von Bad Mergentheim aus zum Training zu fahren hat. „Das Spiel ist viel härter und mit viel mehr Tempo. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen“, hat er bemerkt. Was ihm in Rödelsee besonders gefällt, ist das Klima innerhalb der Mannschaft. „Das ist eine super Truppe. Der Zusammenhalt dort ist ganz anders, die Stimmung viel besser, die älteren geben einem auch mal Tipps“, sagt er über seine Mitspieler. Dazu zeigt er sich angetan von Trainer Dusan Suchy, der viel mit ihm rede, ihn auf Fehler, aber auch auf gute Aktionen hinweise. „Er sagt zu mir: Spiel einfach, deine Chancen werden noch kommen. Und wenn man mal einen vergibt, ist das auch nicht so schlimm.“

Deis weiß, dass er sich in manchen Punkten verbessern kann. „Vor allem in der Abwehr. Das will ich jetzt lernen. Zuletzt wurde ich ja fast nur im Angriff eingesetzt.“ Was die Ziele für sich und die Mannschaft angeht, so gibt er sich ehrgeizig. „Meister? Ganz so weit möchte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Aber unter den ersten Drei möchte ich mit Rödelsee schon mitmischen. Für mich selbst gilt: möglichst viel spielen und das umsetzen, was der Trainer sagt“, gibt er sich als gelehriger Schüler in neuer Umgebung.

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