Das Derby-Hinspiel in der Juli-Hitze hatte Sven Gibfried mit einem listigen Freistoß zum 2:1 entschieden. Vergangenen Samstag in der Trübnis des Novembers lag der Schlüssel zum 1:0-Erfolg der Abtswinder in der Defensive. Die Kitzinger hatten eine ungewohnte Aufstellung eingenommen – mit dem vierzig Jahre alten Thorsten Götzelmann als Frontmann im Angriff. Die Umstellung führte zu einer veränderten Taktik: Statt steiler Pässe in die Spitze mussten die Zuspiele auf den nicht mehr ganz so beweglichen Götzelmann exakt auf den Fuß gelangen. Oder die Kitzinger behalfen sich gleich mit hohen Bällen. „Das kam uns mit unseren beiden kopfballstarken Innenverteidigern entgegen“, fand Abtswinds Trainer Jochen Seuling.

Tobias Werner und Sven Gibfried ließen im Zentrum kaum einmal einen Gegenspieler passieren und agierten mit der nötigen Kompromisslosigkeit. Werner präsentierte sich dabei im Vergleich zu den zurückliegenden Partien formverbessert, während Gibfried seit Wochen stark aufspielt. Sobald Götzelmann als Anspielstation herhalten musste, lauerte der 21 Jahre alte Abwehrspieler in dessen Rücken, um aus dem Schatten zu treten und den Ball zu erobern. „Ich musste vor ihm ans Leder kommen“, erklärte Gibfried. „Sonst wäre es schwer geworden, weil er seinen Körper geschickt einsetzt.“ So blieb der einzige Kitzinger Stürmer an diesem Tag ohne jeden Torabschluss. Werner zeigte sein Glanzstück, als er in der 69. Minute den Kitzinger Joachim Hupp im letzten Moment mit einer Grätsche vom Ball trennte und so eine Großchance verhinderte.

Hupp zu neutralisieren war ein zentrales Anliegen der Abtswinder. „Es hat mir nicht gefallen, dass er mal wieder im Mittelfeld gespielt hat“, fand Seuling. „Er ist ein absoluter Gewinnertyp.“ Obwohl es keine starre Zuteilung für Kitzingens Schlüsselspieler gab, lösten die Abtswinder Jörg Otto, Jürgen Endres und Jonas Wirth die Herausforderung im Verbund derart gut, dass Hupp nur einmal effektiv in Erscheinung treten konnte – und an Schlussmann Irnes Husic scheiterte.

Es passte ins Bild einer umkämpften Begegnung, dass in Jonas Wirth ein defensiver Mittelfeldakteur den entscheidenden Treffer setzte. Kaum einmal in dieser Saison war der 21-Jährige so weit nach vorn gedrungen wie in der 30. Minute, als er die Kugel überlegt im Tor versenkte. „Jonas weiß schon, was er mit dem Ball zu machen hat, bevor er ihn bekommt“, lobte Jochen Seuling seinen Mann, der im Spiel nicht durch spektakuläre Aktionen auffällt, sondern sich durch viel Laufarbeit und präzise Pässe in den Dienst der Mannschaft stellt. „Ihn bemerkt man vor allem dann, wenn er mal nicht spielt“, sagte Seuling.

Die Statistik zum Spiel

Bayern Kitzingen – TSV Abtswind 0:1 (0:1)

Kitzingen: Mario Bodendörfer; Oliver Stark, Julian Schuhmann (12. Marco Endres), Christopher Lenhart, Phillip Schlarb, Joachim Hupp, Felix Straßberger (80. Ahmed Bakare), Shawn Hilgert (52. Stefan Güntner), Tolga Arayici, Simon Pauly, Thorsten Götzelmann.

Abtswind: Irnes Husic; Daniel Hey, Tobias Werner, Sven Gibfried, Michael Seuling, Jonas Wirth, Jörg Otto, Albert Fischer (65. Constantin Paunescu), Jürgen Endres (83. Simon Wolf), Pascal Kamolz, Peter Mrugalla (76. Frederik Weiß).

Schiedsrichter: Philipp Vecera (Roßtal).

Zuschauer: 480.

Gelbe Karte: Kamolz.

Tor: 0:1 Jonas Wirth (30.).

SPIELFILM

2. Minute: Der erste Schuss des Abtswinders Pascal Kamolz bereitet Kitzingens Schlussmann Mario Bodendörfer keine Probleme.

10. Minute: Abtswinds Daniel Hey zieht aus dem Hinterhalt ab. Der Ball streicht knapp über die Latte.

23. Minute: Das hätte die Führung für die Gäste sein müssen: Peter Mrugalla schiebt den Ball freistehend daneben.

30. Minute: Tor für Abtswind – Jonas Wirth zieht nach schöner Vorlage von Mrugalla durch die Mitte und schließt zum 0:1 ab.

40. Minute: Erster Kitzinger Schuss in Richtung des gegnerischen Gehäuses, aber der Schuss von Oliver Stark ist ungefährlich.

53. Minute: Auch der zweite Versuch der Bayern durch Felix Straßberger fliegt weit drüber.

64. Minute: Mrugalla schiebt zu Kamolz. Bayerns Torhüter Bodendörfer pariert überragend.

69. Minute: Starke Aktion des Abtswinders Tobias Werner, der Joachim Hupp mit einer sauberen Grätsche in höchster Not stoppt.

74. Minute: Zum ersten Mal kommt ein Kitzinger Ball aufs Tor. Das Leder fliegt von Tolga Arayici genau in die Hände von Irnes Husic.

80. Minute: Kamolz versucht gegen Marco Endres einen Strafstoß zu schinden und sieht Gelb.

85. Minute: Riesenchance zum Ausgleich: Nach einem Vorstoß Oliver Starks zieht Hupp ab. Husic bringt reaktionsschnell die Finger an den Ball.