Sie ist für ihre 15 Jahre recht groß, sie spielt mit viel Eifer Handball und sie gilt als Zukunftshoffnung und riesiges Talent. Milena Deppisch steht bei der B-Jugend der HG Marktsteft/Rödelsee im Tor, aber auch zeitweilig im Feld, und sie stellt sich dabei stets in den Dienst der Mannschaft. Die Fünfzehnjährige ist 1,78 Meter groß, spielt nun seit zwei Jahren in der Handball-Bayernauswahl ihres Jahrgangs und könnte einmal eine herausragende Spielerin werden.

Milena Deppisch macht kein Aufhebens um sich und ihre Leistungen, gilt als eher introvertiert. Lieber lässt sie Taten sprechen – auf einem Feld, das für sie früh zur Spielwiese geworden ist. Ihr Vater Gerhard Deppisch brachte sie einst zu den Minis, als er selbst noch im Handball-Tor des TSV Rödelsee stand. Die ersten Jahre verbrachte Milena im Rückraum. 2011 wurde sie erstmals in die unterfränkische Bezirksauswahl berufen. Da die damalige Torhüterin nicht mehr im Tor bleiben wollte, nahm Milena den Platz ein. Dieser unkalkulierte Wechsel sollte sich als zukunftsträchtig erweisen, von nun an hatte Trainer Sergej Ladygin seine helle Freude an der Realschülerin.

„Im Tor weiß ich, was ich machen muss.“
Milena Deppisch, Torhüterin aus Leidenschaft

Im Jahr 2012 erhielt sie ihre erste Berufung in die Bayernauswahl, seitdem ist sie konstant unter den besten Handballerinnen des Jahrgangs 1999 in Bayern. „Im Tor weiß ich, was ich machen muss. Die Reflexe kommen von alleine“, sagt die groß gewachsene Torhüterin lapidar. Und: „Ich lebe viel von der Fähigkeit, dass ich erahne, wohin die Würfe kommen.“ Die Bayernauswahltrainerin Steffi Placht hält große Stücke auf Milena. „Durch ihre Körpergröße und ihr Reaktionsvermögen bringt sie ideale Voraussetzungen mit“, sagt Placht. Die 15-Jährige hat ihre Stärken bei Rückraumwürfen und bei Siebenmeterduellen. Schon früh musterte sie Beinstellung und Schulterbewegung der gegnerischen Werferinnen – und leitete daraus ab, welches Ziel ihre Gegenüber anvisieren.

Milena Deppisch müsse noch lernen, erfolglose Aktionen besser wegzustecken, müsse an ihrer „mentalen Stärke arbeiten“, wie Steffi Placht erklärt. Seit 2011 absolviert die 15-Jährige permanent Stützpunkttrainings im Bezirk und seit zwei Jahren auch im nordbayerischen Elite-Trainingszentrum in Erlangen, wohin sie Steffi Placht als Honorartrainerin des Bayerischen Handball-Verbandes (BHV) gerne mitnimmt. Hinzu kommt ein monatliches Pensum mit der Bayernauswahl in Oberhaching. Die Uffenheimerin ist bereits so weit, dass sie nicht nur die Nummer eins des Jahrgangs 1999 ist, sondern auch schon mit der Bayernauswahl des älteren Jahrgangs 1998 Erfolge feiern durfte. Die BHV-Trainer Tom Beck und Attila Kardos nominierten Milena etwa für den deutschen Länderpokal in Hamburg.

„Sie muss noch an ihrer mentalen Stärke arbeiten.“
Steffi Placht, Trainerin der Bayernauswahl

Sie war eine der Leistungsträgerinnen der 1998er-Bayernauswahl, die sich erst im Endspiel der Hamburger Mannschaft geschlagen gab. Ein paar Wochen zuvor hatte sich die leidenschaftliche Handballerin auch in den Fokus der DHB-Verantwortlichen gespielt – und zwar beim Sichtungsturnier im württembergischen Ruit. Daneben wurde sie zur besten Torhüterin des bayerischen Acht-Bezirke-Turniers gewählt. Bei der HG Marktsteft/Rödelsee agierte Milena vergangene Saison wegen der engen personellen Situation notgedrungen auch wieder im Rückraum. Doch die Jugendliche, die den Nationaltorwart Silvio Heinevetter als Vorbild nennt, gehört ohne Zweifel ins Tor.

Ihre Würfe und Paraden verhalfen Marktsteft/Rödelsee zum Meistertitel und so spielt ihre Mannschaft in der demnächst beginnenden Runde zumindest in der Landesliga. Aber dort ist die 15-Jährige unterfordert. Wenn sie sich weiter entwickeln will, muss sie höherklassig spielen. Steffi Placht rät ihr deshalb nach dem Realschulabschluss zum Wechsel in eine höherklassige Mannschaft. Nur so lässt sich der Rohdiamant aus dem Handball-Niemandsland Uffenheim noch weiter schleifen.

„Überlegen würde ich mir das für den Handball schon“, antwortet sie auf die Frage, ob sie für einen höherklassigen Klub das familiäre Nest der Eltern Sonja und Gerhard Deppisch verließe. Steffi Placht ist sich sicher, „dass Milena ihren Weg gehen wird“, denn sie sei lernwillig, leistungsbereit und ambitioniert – alles positive Eigenschaften, um aus dem großen Talent eine großartige Handballerin zu formen.