FUSSBALL: KREISKLASSE 2 WÜRZBURG

Das Dilemma des SV Bütthard

Seit Monaten haben die Büttharder in der Liga kein Spiel mehr verloren – und doch könnten sie am Ende die Meisterschaft verpassen und nur als Zweiter dastehen. Nur?
Artikel drucken Artikel einbetten
Dorthin geht's in die Kreisliga: Christian Steinmetz weist dem SV Bütthard den Weg. Foto: Foto: Alexander Rausch

Manchmal kommt der Erfolg zu jenem, der beharrlich bleibt und warten kann. Daran klammern sie sich jetzt beim SV Bütthard. Es ist ihre Hoffnung und Selbstvergewisserung, dass es doch noch etwas werden könnte im Endspurt einer ungewöhnlichen Saison. Ungewöhnlich deshalb, weil sie seit Wochen, ja Monaten konstant spielen und vielleicht doch nicht als Erster durchs Ziel kommen. Denn es gibt da einen, der noch besser ist als sie. Wie in der Geschichte vom Hasen und dem Igel. Was der Hase auch anstellt, der Igel (der sich einer List bedient) ist immer schon vorher da. Der SV Bütthard ist in dieser Geschichte der Hase.

Wenn Christian Steinmetz auf die Chancen seines Vereins im Aufstiegsrennen zu sprechen kommt, dann ist da auch ein Gefühl von Ohnmacht. Dann klingt es, als habe es Bütthard beim Versuch, den Gipfel zu erklimmen, mit einer Art Naturkatastrophe zu tun, der man machtlos ausgeliefert ist. So sehr sich die wackere Seilschaft auch ins Zeug legt, die Gipfelstürmer des SV Sickershausen sind ihr bisher immer einen Schritt voraus. Seit Monaten, seit dem 0:2 Mitte Oktober in Mainbernheim, sind die Büttharder in der Liga ungeschlagen. Die Bilanz aus zehn Auftritten nach der Winterpause: zwei Unentschieden und acht Siege, darunter ein 4:1 gegen Sickershausen. Und dennoch sind sie gerade nur Zweite!

Nur? Das ist nun die Frage, wie dieser dieser zweite Platz zu deuten ist? Fast die ganze Liga hatte sich vor der Saison auf den SV Bütthard als Favoriten im Titelrennen festgelegt – nur der Favorit selbst zierte sich damals, gab als Ziel lieber die Wegmarke von 40 Punkten aus (nach 51 Punkten im Jahr zuvor). Da blieb also jede Menge Luft nach oben. Vier Runden vor Saisonschluss steht der Verein mit fünf Punkten Rückstand (und einem Spiel weniger) auf dem zweiten Platz. Meister kann er nicht mehr aus eigener Kraft werden, und Steinmetz sagt auf die Frage, ob er noch an eine Chance glaube: „Wir handhaben das so wie in den vergangenen Wochen: Wir schauen nur auf uns. Das andere können wir sowieso nicht beeinflussen.“

Dass die Büttharder bei nun schon sechs Zählern Vorsprung vor dem Tabellendritten noch zurückfallen, ist unwahrscheinlich. Schlimmstenfalls bleiben sie Zweiter und spielen dann in der Relegation um den Aufstieg in die Kreisliga – wie an einem Juni-Tag vor neun Jahren, als sich ein Sommernachtstraum erfüllte. 2000 Besucher in der Kulisse, ein 4:1 gegen Hopferstadt und in der Hauptrolle einer, der immer noch da ist, besser gesagt: wie-der. Spielertrainer Peter Deißenberger machte damals den Unterschied, seine Übersicht, seine Spielintelligenz, alles, was einen Fußballer exponiert. Mittlerweile hat Deißenberger einen kongenialen Partner: Christian Steinmetz, der seit fast einem Jahr in Bütthard ist.

Auch Steinmetz hat als Fußballer eine steile Karriere hingelegt. Mit 15 ging er weg vom SV Bütthard, spielte beim Würzburger FV in der U17 und U19 und gab mit 17 1/2 sein Debüt in der ersten Mannschaft unter Trainer Michael Hochrein in der Bayernliga. 2009 stieg er mit dem FV in die Landesliga ab, ein Jahr später wieder auf. Auch mit dem ASV Rimpar spielte er Landesliga. Das klingt nicht ganz so schillernd wie bei Deißenberger, der einst bei Eintracht Frankfurt 33 Bundesligaminuten von seinem Förderer Felix Magath geschenkt bekam. Aber auch Steinmetz bringt für diese Klasse außergewöhnliche Erfahrung mit. Deißenberger, 41, und Steinmetz, 27, zwei Leitfiguren, die wissen, dass sie nur dann glänzen können, wenn die Mannschaft wie bisher nach Kräften mitzieht.

Für Steinmetz war die Vorsicht bei der Ausgabe des Saisonziels dennoch berechtigt, „wenn man bedenkt, welchen Umbruch wir im Verein und in der Mannschaft hatten“. Mehrere Jugendliche des Jahrgangs 1998 haben die Büttharder diese Saison ins Team geholt, seit ein paar Wochen spielen sie laut Steinmetz mit zwei weiteren A-Junioren des 1999er-Jahrgangs. Die Leistung blieb dabei konstant. „Stolz und beeindruckt“ äußern sich Steinmetz, Deißenberger und – als Dritter im Trainer-Bunde – Stefan Endres in einem „Offenen Brief an Mitglieder, Fans und Sympathisanten“ über ihr „grandios aufspielendes Team“. Das definiere sich nicht nur über seinen Erfolg, sondern identifiziere sich im hohen Maß auch mit dem Verein und dessen Zielen. Die Laudatio gipfelt in dem Satz: „Jungs, wir ziehen den Hut vor euch.“

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.