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Kitzingen

Corona-Krise: Wie reagieren Fußballer auf die Spielabsagen?

Der Fußball-Spielbetrieb in Bayern ruht, nun auch bei den Amateuren. Was halten Trainer örtlicher Klubs von der Generalabsage des BFV? Und wie soll es nun weitergehen?
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Corona im Sucher der Öffentlichkeit: Ein Fotograf steht in der Frankfurter Commerzbank-Arena vor einem Schriftzug. Nicht nur in der Bundesliga werden derzeit Spiele abgesagt. Foto: Heiko Becker
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Kein Fußball in Bayern: Die Entscheidung des Fußballverbandes (BFV), den Spielbetrieb zunächst bis zum 23. März auszusetzen, war zu erwarten. Mit Blick auf die Corona-Krise hat der BFV am Freitag alle offiziellen Liga- und Pokalspiele im Freistaat abgesagt – und zwar von der Regionalliga bis zur B-Klasse. „Aufgrund der Tatsache, dass es mittlerweile die ersten positiv getesteten Spieler und auch infizierte Personen aus dem engen Umfeld von Amateurmannschaften gibt und damit die Unsicherheit bei vielen Vereinsvertretern groß ist, war es der einzig richtige Schritt, den Amateur-Spielbetrieb jetzt komplett auszusetzen“, wird BFV-Präsident Rainer Koch auf der Verbands-Webseite zitiert.

Spielbetrieb weiter aussetzen oder komplett absagen?

Unklar ist, ob die jetzt abgesetzten Spiele nachgeholt werden und wie es nach dem 23. März weitergeht. Diese Entscheidung, so heißt es, müsse „in Einklang mit den Empfehlungen und Vorgaben der zuständigen Behörden“ getroffen werden. Wenn nötig, werde der BFV den Spielbetrieb weiter aussetzen oder möglicherweise komplett einstellen. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin“, versichert der Verband, „dass diese Lage aktuell noch nicht gegeben ist.“

Wie sinnvoll finden das Klubs und Trainer? „Das ist genau richtig“, sagt Frank Wettengel von der SpVgg Giebelstadt. Rechne man hoch, dass pro Spiel auf jedem Sportplatz zwischen 30 und 200 Leute zusammenkämen, „dann sind das bayernweit auch ein paar Millionen, die in Kontakt miteinander geraten“, sagt der Coach. Im Training sei das in dieser Woche allerdings „kein großes Thema“ gewesen.

Wettengel ging bis Freitagnachmittag auch davon aus, dass man weiter trainieren werde. „Das muss dann jeder selbst entscheiden. Das ist nichts anderes, als weiter ins Fitnessstudio zu gehen.“ Was den Trainingsbetrieb angeht, hat der BFV zwar keine bindende Regelung erlassen – rein rechtlich kann er das auch nicht, doch er empfiehlt allen Klubs, auch mit dem Training bis 23. März auszusetzen.

Viele Klubs haben darauf bereits reagiert. Für den FC Geesdorf etwa sagt Spielertrainer Jannik Feidel : „Die Gesundheit geht vor. Hinter all unseren Spielern steht eine Familie.“ Das Training ist bis auf Weiteres abgesagt. Was er seinen Kickern aber empfehle, sei, sich individuell fit zu halten, etwa mit Dauerläufen. „Aus meinem Sportstudium weiß ich, dass sportliche Betätigung gut dafür ist, das Immunsystem aktiv zu halten.“ Wie er sich schütze? Indem er größere Menschenaufläufe meide und aufs Feiern verzichte.

Hände waschen und aus eigener Flasche trinken

Mit der Mannschaft habe er Donnerstagabend intensiv über das Thema Corona und die Verbreitungswege des Virus gesprochen, aber nicht erst da. „Ich habe schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, wie wir mit der Sache umgehen sollten, also Hände waschen, keine Begrüßung per Handschlag, aus der eigenen Flasche trinken.“ Als klar war, dass auch die Bundesliga von der Absage betroffen sei, habe er gewusst, was im Amateurbereich passieren werde. Angesichts der rasanten Ausbreitung und der inzwischen weltweiten Bedrohung durch das Virus sei Fußball erst mal nebensächlich.

Auch Kabil Jabiri findet es „richtig und wichtig, dass jetzt Vorkehrungen getroffen werden“. Schließlich wisse man nicht, wer infiziert sei, sagt der Trainer des Ochsenfurter FV. Der Verein hat schon am Freitagmorgen den Spiel- und Trainingsbetrieb seiner Junioren abgesagt. Das soll auch für die Aktiven gelten. Jabiri ist beruflich viel unterwegs, im Außendienst für einen Modekonzern. Dort verzichtet er inzwischen aufs Händeschütteln. Noch gilt für ihn kein Reiseverbot – anders als für Kollegen der Konkurrenz. Sein Halbbruder lebe in Spanien, nahe der Grenze zu Marokko, die mittlerweile dicht sei.

Die Saison abbrechen oder Ligen aufstocken?

Wie es mit der Saison nun weitergehen soll? Darauf haben die Trainer keine schlüssige Antwort. Drei Szenarien stehen für sie derzeit im Raum: Entweder die Runde wird in einigen Wochen fortgesetzt und um die ausgefallenen Spieltage verlängert; dann käme man sich aber womöglich mit der Europameisterschaft ins Gehege, die am 12. Juni beginnen soll. Zweite Option: Der BFV bricht die Saison ab und nimmt den derzeitigen Tabellenstand zum Maßstab für Auf- und Abstiege. Oder diese Runde endet, ohne dass es irgendwelche Auf- und Absteiger gibt, und man fängt bei null wieder an. Denkbar wäre auch, die Ligen aufzustocken und am Ende nächster Saison wieder auf die Regelzahl abzuschmelzen.

„Wir appellieren an die Vernunft der Verantwortlichen in unseren Mitgliedsvereinen, in dieser nicht einfachen Lage für unser Land alles zu tun, um gemeinsam diese Situation zum Guten zu wenden“, erklärt Verbandspräsident Koch. „Es wäre schwerlich nachvollziehbar, wenn Schulen und Kitas in Bayern geschlossen sind, im Verein aber das Training fortgesetzt würde.“

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