Wer daran gezweifelt hatte, ob die Mannschaft der SG Buchbrunn/Mainstockheim sich durch den bekannt gewordenen Abschied ihres Trainers Dominik Hochrein noch einmal zu neuen Höhen würde aufschwingen können, dem kam die 0:5-Heimniederlage gegen den FC Hopferstadt gerade recht. Passte ja ganz wunderbar in die Argumentationskette: Erst gibt der 25-Jährige bekannt, dass er im Sommer zum Bezirksligaklub TSV-DJK Wiesentheid wechseln werde, weil er glaubt, dass es nach zwei Jahren Zeit für eine Veränderung sei, danach lässt das Team alle Konzentration schwinden. „Wir hatten einen gebrauchten Tag“, sagte Hochrein später. Dann aber ist etwas eingetreten, womit wenige gerechnet hatten.

Hochrein sprach im Training noch einmal „knallhart“ über Einstellung, Einsatz und Moral, und siehe da: Die Mannschaft gab sich alles andere als resigniert. Ihr nächstes Spiel in Kirchheim gewann sie 2:1. Torwart Tobias Karl, der wegen Personalnot als Feldspieler auf dem Platz stand, gab in der Nachspielzeit einen Schuss aus zehn Metern Entfernung aufs Tor ab – zum Siegtreffer.

Eine Woche später reiste Tabellenführer TSV Güntersleben an. Patrick Brenneis schlug in der 40. Minute einen Freistoß Richtung Tor, der Ball flatterte an Freund und Feind vorüber – zum Siegtreffer.

Vergangenen Sonntag geriet die SG in Sonderhofen 0:1 in Rückstand. Hochrein glich vor der Pause aus, und in der Schlussphase gelangen seinem Team zwei weitere Treffer – zum 3:1-Sieg.

Drei Spiele, drei Erfolge, die im Verein nicht nur den Glauben an den Aufstieg zurückbrachten, sondern die auch alle Indizien für den Aufschwung der Mannschaft lieferten.

Erstens: Hochrein versteht es, aus der Not zuweilen eine Tugend zu machen. Droht es personell eng zu werden – was bei dem relativ kleinen Kader schon einmal vorkommt –, greift Plan B. Dann muss ein Torwart eben auch mal stürmen.

Zweitens: In einer Mannschaft, die von ihrem jugendlichen Charme lebt, kann ein bisschen Routine nie schaden. Die Erfahrung verkörpert in Mainstockheim Patrick Brenneis. Er ist mit seinen 32 Jahren ältester Spieler in einer Gruppe voller Jungspunde und nimmt es mit dem Ball halt auch auf, wenn der mal gut vierzig Meter vom Tor entfernt liegt.

Drittens: Wer bei einem zu allem entschlossenen Abstiegskandidaten 0:1 zurückliegt, braucht Moral, um sich erfolgreich aus der Situation zu lösen. Sonst geht so ein Spiel ruckzuck den Bach runter. Der Sieg in Sonderhofen hat den letzten Beweis erbracht, dass die Moral bei der SG intakter denn je und von der Truppe noch einiges zu erwarten ist.

Hochrein wundert das alles längst nicht so sehr wie manchen Außenstehenden. Er weiß, was er an der Mannschaft hat, mit der er vergangene Saison schon fast bis zum Ende um den Aufstieg spielte. Dann verließ Markus Pfeufer, der mit vierzehn Toren beste Schütze, den Verein in Richtung Wiesentheid, Oliver Koch ging zu Bayern Kitzingen (und kehrte im Winter zurück), und Hochrein tat, was ihm die Vereinsoberen schon zu seinem Einstand im Sommer 2013 aufgetragen hatten. „Ich sollte jüngere Spieler an die erste Mannschaft heranführen.“

Das ist gelungen. Die SG spielt in dieser Runde mit einer Rasselbande, die vor Jugend nur so strotzt, und Hochrein sagt nicht ohne Stolz: „Ich übergebe meinem Nachfolger eine intakte Mannschaft. Das Fundament passt.“ Im Sommer will Thorsten Selzam zurückkehren, der die SG von 2008 bis 2012 schon einmal für vier Jahre trainiert hat.

Bis dahin hat Hochrein noch einiges vor. Nach dem Frühjahrshoch ist der Abstand zu den ersten beiden Tabellenplätzen der Kreisliga auf Sichtweite gesunken: vier Punkte zu Rang eins, zwei Zähler zu Platz zwei. Hochrein sagt: „Wir haben in der Wintervorbereitung so richtig Gas gegeben.“ Die Dynamik ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Mannschaft ohne größere Ausfälle über die Runden kam. Felix Hartmann riss sich zu Saisonbeginn zwar das Kreuzband, aber er sollte der einzige Langzeitverletzte in einem 18-Mann-Kader bleiben, in dem viel Qualität steckt.

Dettelbachs Trainer Stefan Schöderlein schwärmt von „sehr guten Individualisten“, die seiner Mannschaft am Sonntag „alles abverlangen“ werden; und doch, fügt er rasch hinzu, freue er sich auf diese Partie, die etwas von Final-Charakter hat, zumindest für Buchbrunn/Mainstockheim. „Wenn wir verlieren, war es das wohl“, sagt Hochrein, der sich an brisante, enge Spiele gegen Dettelbach erinnert.

Das Gute für Hochrein: Sein Team ist jung und entwicklungsfähig – und steht bei weitem nicht so unter Druck wie die Dettelbacher. Sie haben sich vor der Saison enorm und hochklassig verstärkt, gewiss nicht nur, um die hübsche Aussicht in der Kreisliga zu genießen.