Kitzingen

Bergauf zum Glück

Als Spätberufene hat die Kitzingerin Alma Goller ihre Sportart gefunden. Innerhalb kurzer Zeit hat sie sich zu einer Spitzenläuferin entwickelt. 2017 war ihr Jahr.
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Alma Goller (Startnummer 95) wurde am Arber deutsche Berglaufmeisterin in der Altersklasse U 20.

Alma Goller liebt Berge – jedenfalls dann, wenn es um das Laufen geht. Die Kitzingerin hat im Jahr 2017 den bislang größten Erfolg ihrer noch jungen Laufbahn gefeiert, den Sieg bei der deutschen Berglaufmeisterschaft der U 20-Läuferinnen. Am Großen Arber ließ die 18-Jährige, die mittlerweile für die LG Karlstadt-Gambach-Lohr startet, die gesamte Konkurrenz hinter sich.

„Das war schon das größte, den Titel zu holen. Ich hatte nicht daran geglaubt, dass ich das erreichen kann“, blickt sie zum Jahresende auf den Juli zurück. Auch sonst könne sie ganz zufrieden sein, wie die letzten zwölf Monate sportlich gelaufen sind. Gleich viermal schaffte sie die Teilnahme bei deutschen Titelkämpfen. „Das muss ihr erst einmal jemand nachmachen! Sie hat alles geholt, was möglich war“, zollt Trainer Marco Gößmann-Schmidt seinem Schützling Respekt.

Dazu darf sie sich auch unterfränkische Meisterin nennen, denn im Oktober bezwang sie den Kreuzberg als schnellste weibliche Teilnehmerin. Zu ihrer Erfolgs-Bilanz 2017 gesellten sich weitere Siege und vordere Platzierungen bei Läufen in der Umgebung, wie am Schwanberg, wo sie als Zweite im Frauen-Wettbewerb das Ziel erreichte.

Was fasziniert die zierliche junge Frau ausgerechnet an den Bergen? Warum ist sie gerade dort so gut? „Ich weiß es nicht. Ich habe schon bei den ersten Läufen gemerkt, dass mir das liegt. Da konnte ich an die Männer heranlaufen, sie überholen. Bergab haben sie mich wieder gekriegt.“ Alma Gollers erste Läufe liegen noch gar nicht so lange zurück. Vor nicht einmal vier Jahren machte sie einfach mal mit ihrem Vater bei einem Volkslauf in Kitzingen mit und fand Gefallen an dieser Sportart.

Von da an hatte sie der Lauf-Virus gepackt. Immer länger und häufiger lief sie, einfach weil es ihr Spaß machte. Es dauerte nicht lange, als Goller bei den Volksläufen auffiel. „Am Anfang haben mich viele Läufer unterschätzt und gedacht, dass das kleine Mädchen bestimmt irgendwann einbricht“, blickt sie schmunzelnd zurück. Ein typischer Fall von „Denkste“. Zäh und mit eisernem Willen kämpfte sie sich durch. Frank Schwehla sprach sie an und nahm sie zum Training mit nach Karlstadt.

Dort trainiert Alma Goller nun gezielt bei Marco Gößmann-Schmidt. Ihr aktuelles Pensum sind sechs Einheiten die Woche, wobei ihr Trainer sie bisweilen etwas bremsen muss. „Wenn er nicht wäre, würde ich jeden Tag 15 Kilometer laufen, weil es mir Spaß macht und ich mich gut fühle“, verrät sie. Sie weiß aber, dass das nicht ideal ist für die Leistung. Froh ist sie, dass sie mittlerweile einen exakten Trainingsplan hat, der auch Dinge wie Athletik, Koordination, Gymnastik oder Stabilität enthält.

Gerade bei diesen Sachen muss das Naturtalent einiges nachholen, denn ihr fehle manche Grundlage von klein an. Das sei aber nicht so schlimm. Das natürliche Potenzial für die Laufdistanz bringe sie mit, sagt ihr Trainer. Er schätzt Almas Vernunft, schließlich müsse sie erst auf längere Zeit läuferisch stabil werden. „Der kurzfristige Erfolg interessiert sie nicht. Zum Glück war sie so geduldig und wurde 2017 dafür belohnt“, so Gößmann-Schmidt.

Als sehr präzise und fleißig charakterisiert er seinen Schützling, der bei den Rennen mittlerweile nicht mehr so grün hinter den Ohren sei. Der Übungsleiter merkt an, dass es in Almas Alter untypisch sei, schon so lange Strecken zu laufen. „Bei ihr sind fünf Kilometer die Untergrenze, das ist für sie eher kurz“, so Gößmann-Schmidt. Als nächster Schritt soll es 2018 in Richtung zehn Kilometer und Halbmarathon gehen.

Die seit kurzem 18-Jährige bevorzugt eher die Natur, den Berg oder Crossrennen. Auf der Bahn tut sie sich beim Rundenlaufen noch schwer. „Da muss ich schneller werden, auf der Bahn habe ich zur Spitze noch einen Riesen-Abstand“, weiß die junge Frau um ihre Schwäche.

Sport und Bewegung mochte Alma schon immer. Als Kind begann sie bei der Leichtathletik-Gruppe der TG Kitzingen. Tischtennis beim TV Etwashausen probierte sie später aus. Auch Reiten stand einst hoch im Kurs. „Laufen ist aber die Sportart, die mir am meisten Saß macht“, hat sie mittlerweile gemerkt.

Zur Zeit halten Jahreszeit und Wetter Alma Goller nicht vom Training ab. Sie mag es lieber etwas kühler, als zu warm. „Man kann sich ja entsprechend anziehen.“ Die Schule und das im Frühjahr anstehende Abitur werde sie mit dem Laufen unter einen Hut bringen. Im Zug, auf dem Weg zum Training, könne man auch lernen. Überhaupt nicht laufen gehe sowieso kaum für sie. „Dann bin ich nicht glücklich. Laufen ist mir sehr wichtig. Das können viele aber nicht verstehen.“

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