Das Leben schreibt bisweilen traumhafte Zufälle. Stefan Düll haben sie in den letzten Monaten gemeinsam mit den größten Tennisspielern auf dieser Welt über den halben asiatischen Kontinent geführt. Der selbstständige Physiotherapeut aus Würzburg hat dem Schicksal freilich erst durch sein eigenes Zutun auf die Sprünge geholfen.

Doch der Reihe nach: Als Beschleuniger für seine berufliche Erfolgsgeschichte haben sich Dülls magische Hände beim Davis-Cup-Erstrundenspiel zwischen Serbien und Schweden im Februar 2012 herausgestellt. Dort gelang es dem 37-Jährigen, den serbischen Routinier Nenad Zimonjic trotz eines hartnäckigen Hexenschusses fit zu bekommen. Seither hat der Würzburger nicht nur bei der Tennisnation, deren bekanntestes Gesicht Novak Djokovic ist, mehrere Steine im Brett, sondern auch seinen guten Ruf als Physiotherapeut im Tenniszirkus zementiert. Rund ein Jahr später kam eine Anfrage von Scott Davidoff. Der Name des Tennistrainers dürfte vermutlich nur Insidern ein Begriff sein. Der Amerikaner hat 2008 die indische Nationalmannschaft bei den olympischen Sommerspielen in Peking betreut. Im gleichen Jahr war er auch an der Seite von Rainer Schüttler bei dessen überraschendem Halbfinal-Einzug in Wimbledon.

Heute ist Davidoff verantwortlicher Direktor für ein inoffizielles, millionenschweres Turnierformat, das vor einigen Wochen in vier Metropolen Asiens seine Premiere gefeiert hat. Als Chef-Physiotherapeut mit von der Partie: Stefan Düll. „Es war eine gleichermaßen anstrengende wie spannende Aufgabe.“ Begonnen hat sie am 24. November des vergangenen Jahres mit dem Flug in die philippinische Hauptstadt Manila, wo wenige Tage später der erste Schaukampf stattgefunden hat. Vier gemischte Teams aus aller Herren Länder haben dort nach modifizierten Regeln gegeneinander gespielt. Sie taten es kurz darauf auch im Stadtstaat Singapur, in Neu-Delhi (Indien) und in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate). „Das Programm war sehr dicht. Da sind nicht nur die Sportler an ihre Grenzen gegangen“, sagt Düll: „Doch es hat auch viel Freude bereitet.“

Finanziell dürfte es sich auch für alle Beteiligten gelohnt haben. Denn die Initiatoren um den früheren indischen Weltklasse-Doppelspieler Mahesh Bhupathi haben keine Kosten und Mühen gescheut, um Tennisstars wie Roger Federer, Novak Djokovic, Serena Williams, Maria Sharapova, Andre Agassi und Pete Sampras nach Asien zu locken. „Für den Transport zwischen den Spielstätten wurde eigens eine Boeing 747 gechartert“, macht Düll die Dimensionen deutlich. Der Aufwand hat sich gelohnt. „Mit Ausnahme von Dubai war die Resonanz überwältigend. Meist waren 15 000 bis 20 000 Zuschauer in den Hallen“, so Düll.

Auch zwischen den Tennisprofis schien sich über die knapp drei Wochen eine positive Eigendynamik entwickelt zu haben. So hat sich Djokovic gegenüber dem Sport-Informations-Dienst fast schon euphorisch geäußert: „Der Teamgeist war einzigartig. Wir waren in einer ganz speziellen Weise verbunden, wie eine Familie.“ Auch sein Trainer Boris Becker zeigte sich von der Veranstaltung angetan. Beim letzten Turnier in Dubai kam mit Philipp Kohlschreiber auch der momentan beste deutsche Tennisspieler zum Einsatz. Beschäftigt haben Düll aber vor allem die Stars von einst wie Goran Ivaniševiæ (43), Carlos Moyá (38) und Pete Sampras (43). „Sie sind natürlich bei weitem nicht mehr so durchtrainiert wie früher. Deshalb und aufgrund der vergleichsweise langen Pausen zwischen dem Aufwärmen und den Spielen ist das Verletzungsrisiko sehr hoch gewesen“, sagt Düll.

So zog sich der frühere Weltranglistenerste Moyá gleich am zweiten Tag einen Adduktorenriss zu. Die Tournee war damit für ihn beendet. Stattdessen rückte der Franzose Cédric Pioline (45), einst ein Widersacher von Sampras, nach. „Moyá blieb trotzdem bis zum letzten Tag und feuerte sein Team von außen vehement an“, schmunzelt Düll. Für ihn selbst ging es nach dem letzten Duell in Dubai Mitte Dezember nahtlos in Doha weiter, das weniger als 400 Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Dort bereitete sich der geschäftstüchtige Physiotherapeut bis Silvester mit seinen angestammten Profis auf die neue ATP-Saison vor. Zu Jahresbeginn ging es für Düll dann wieder nach Indien, wo er in Chennai wie so häufig in den letzten Jahren Yen-Hsun „Rendy“ Lu behandelte. Beim dortigen ATP-Turnier scheiterte der Taiwanese nach großem Kampf erst im Viertelfinale am aufstrebenden Spanier Roberto Bautista-Agut, aktuell die Nummer 15 der Welt. Im Doppel siegte Lu gemeinsam mit dem Briten Jonathan Marray. Seit Montag nimmt die neue Saison mit dem ersten Grand-Slam-Turnier in Australien so richtig Fahrt auf.

Mit einer Reise nach Down Under wird es für Düll indes nichts. „Ich muss derzeit Lehrgänge für meine im Herbst zu Ende gehende Ausbildung zum Osteopathen absolvieren.“ Düll will dadurch nicht nur ein zweites Standbein für den Fall der Fälle aufgebaut wissen. „Durch eine ständige Weiterbildung kann ich meinen Werkzeugkasten immer wieder erweitern.“ Die Tennisprofis dieser Welt dürften es ihm auch weiterhin danken.