Aub

Auber Höhenflug nach harter Bodenlandung

2016 lagen die Kicker aus dem Gau am Boden. Die B-Klasse war die neue sportliche Heimat. Dann begann der Höhenflug, der die Mannschaft in die Kreisklasse geführt hat.
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Freude pur: Aubs Vereinsvorsitzende Claus Rübling (links) und Matthias Kron beglückwünschen Kastriot Krasniqi (vorne).

Lang war die Liste der Favoriten auf den Meistertitel in der A-Klasse Würzburg 2. Neben den drei Absteigern aus Kirchheim, Winterhausen und Ippesheim fanden sich auch Mannschaften wie Neuling TSV Frickenhausen, der SV Kleinochsenfurt oder SV Gaukönigshofen im Kreis der mutmaßlichen Meister. Durchgesetzt hat sich letztlich aber ein anderer, der TSV Aub. Vor der Winterpause erstmals an die Spitze geklettert, ließ sich der Aufsteiger auch von einem zwischenzeitlichen Tief nicht stoppen.

Am Boden lag der Auber Fußball im Sommer 2016. Die erste Mannschaft war gerade aus A-Klasse abgestiegen und viele Spieler hegten Abwanderungsgedanken. In der untersten Liga wollte nämlich kaum einer wirklich kicken. Doch Christopher Dietl, der just nach dem Abstieg dem Verein wieder als Sportleiter zur Verfügung stand, schaffte es, in vielen Gesprächen nahezu alle Spieler zu überzeugen, an der Gollach zu bleiben. Damit schufen die Auber das Fundament für den späteren Titelgewinn und die sofortige Rückkehr. Dabei agierte Dietl die letzten Monate nach Frank Schürgers Entlassung sogar in Doppelfunktion und trainierte die Mannschaft zur Meisterschaft.

Nur ein Spiel verloren die Rot-Weißen gegen den hartnäckigsten Verfolger FT Würzburg und siegten ansonsten ausnahmslos. Beste Voraussetzungen also, um auch in der A-Klasse nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Die nötigen Punkte wollte der TSV dabei auf heimischem Platz holen. Forsch propagierte Dietl im Vorfeld der Saison, kein Heimspiel verlieren zu wollen. Auch Kastriot Krasniqi wollte zum Erfolg seines Heimatvereins das Nötige beitragen und kehrte von Bayern Kitzingen in die Gaugemeinde zurück.

Das Projekt Ligaverbleib ließ sich frühzeitig gut an. Mit den Siegen gegen die Mitfavoriten aus Gaukönigshofen und Kirchheim setzten die Rot-Weißen erste Ausrufezeichen und etablierten sich frühzeitig im oberen Mittelfeld der Tabelle. Selbst fünf Spiele ohne Sieg brachten den Aufsteiger nicht vom eingeschlagenen Weg ab. Das späte 4:4 gegen Gaubüttelbrunn – bis zur 87. Minute führten die Auber noch mit 4:2 – war zwar ärgerlich, brachte aber einen wichtigen Lerneffekt. „So etwas ist uns im weiteren Saisonverlauf nicht mehr passiert. Der Ausgang war zwar bitter, die Jungs sind aber gestärkt daraus hervorgegangen“, weiß Dietl, dessen Mannschaft mit dem letzten Spiel der ersten Saisonhälfte sogar die Tabellenspitze übernahm.

Das sei schon eine komische Situation gewesen, plötzlich wieder Erster zu. Damit habe keiner gerechnet. Der Übungsleiter wusste natürlich um die Qualitäten seiner Schützlinge, dass sie diese aber so konstant auf den Platz bringen würden, war nicht zu erwarten. Und der Blick auf die Tabelle setzte zu Vorbereitungsbeginn, bei dem auch Winterneuzugang Ibrima Saine dabei war, neue Kräfte frei. „Platz eins hat sie zusätzlich angespornt. Jedem war klar, dass wir mithalten können, und nun wollten sie diesen so lange wie möglich halten“, so Dietl, dessen Schützlinge mit vier Siegen in Folge – ausschließlich gegen direkte Kontrahenten – einen Start nach Maß erwischten.

Die Auber schienen schnurstracks in die Kreisklasse durchzumarschieren. Keiner schien sie aufhalten zu können – außer sie selbst. Aber genau das passierte. „Die Jungs haben plötzlich Angst vor der eigenen Courage bekommen und begonnen, nachzudenken“, erinnert sich Dietl an eine Phase mit drei – teils glücklichen – Unentschieden in Folge, in der die Rot-Weißen drohten, von der Spitze zu stürzen. Doch sie fingen sich gerade noch ab und lösten ausgerechnet in Gaubüttelbrunn ihre geistigen Fesseln. Es folgten zwei weitere starke Auftritte und schließlich in Kleinochsenfurt das Meisterstück – einen Spieltag vor Rundenende. „Wir können heute noch nicht fassen, was wir erreicht haben. Die Jungs haben hart dafür gearbeitet und sich den Titel letztlich verdient“, ist Dietl unheimlich stolz auf seine Truppe, die besonders die Gemeinschaft und mannschaftliche Geschlossenheit auszeichnete. Die Jungs seien nun über zwei Jahre zusammengewachsen. Und das dritte folgt nun in der Kreisklasse, in der mit den Duellen gegen Gelchsheim, Gülchsheim oder Hopferstadt zahlreiche Nachbarschaftsduelle warten. „Solche Spiele sind der Lohn für die ganze Schinderei, vor hoffentlich tollen Kulissen spielen zu dürfen“, freut sich der Übungsleiter auf das Abenteuer Kreisklasse, bei dem es diesmal wohl wirklich nur um den Klassenerhalt geht.



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