Fußball

Allein der Abstieg passt nicht ins Schema

Nach nur einer Saison verabschiedet sich die U15 des SSV Kitzingen mit neuen Erkenntnissen aus der Bayernliga
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Verbissener Schlussspurt: Kitzingens Özer Gisi (rechts) rangelt mit dem Aschaffenburger Niklas Marquardt um den Ball. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Silvio Scintu klingt nicht unglücklich. Er sei sogar überaus zufrieden, behauptet der Trainer des SSV Kitzingen. Für einen, der mit seiner Mannschaft abgestiegen ist, mag das absurd sein. Doch Scintu denkt in anderen Dimensionen. Wo Kollegen sich an Ergebnissen und Tabellenständen messen lassen, blickt der 41 Jahre alte Würzburger auf seine vorrangige Aufgabe. „Ich sollte die Mannschaft weiterbilden“, sagt der Trainer mit der A-Lizenz in der Rückschau auf die beinahe abgelaufene Saison der Kitzinger U15-Junioren in der Bayernliga. In der Weise, wie Scintu über die Entwicklung der Spieler spricht, ist ihm das offenbar gelungen. Auf individueller Ebene und im mannschaftlichen Zusammenwirken habe sich jeder Einzelne in den vergangenen zwölf Monaten verbessert. Der Abstieg, das stellt Scintu klar, ist das Einzige, was nicht ins Schema passt.

Erstmals hatte es ein Nachwuchsteam des SSV in die höchste bayerische Klasse geschafft, wo Vereine wie Jahn Regensburg, der 1. FC Nürnberg und Schweinfurt 05 zur Konkurrenz gehörten. Auch wenn es überwiegend Niederlagen setzte, fielen die Resultate nicht zu deutlich aus. Vier Treffer Unterschied bildeten im Saisonverlauf das Maximum. „Die Gegner waren abgebrühter, kaltschnäuziger“, stellt Scintu fest: „Wir dagegen haben uns oft zu brav und nicht clever genug angestellt.“ Manchmal wie vergangenen Samstag im Heimspiel gegen Viktoria Aschaffenburg genügte auch die spielerische Qualität der Kitzinger nicht. Während die Gäste selbst auf engem Raum und unter Handlungsdruck schnell und zielgenau kombinierten, gelangten Pässe der Kitzinger in solchen Situationen geradewegs ins Aus oder zum Gegner. Ein früher Gegentreffer und drei weitere in der ersten Hälfte nahmen den Hausherren die Moral.

Erst nach Wiederanpfiff entwickelte sich der Wille, sich zu wehren. Doch bis zum Aschaffenburger Tor war es ein weiter Weg. Lang getretene Bälle als entlastende Maßnahme flogen zu weit, um selbst gefährlich zu werden. Trotz weiterer Großchancen Aschaffenburgs blieb es nach siebzig Minuten beim 0:4. „Nachdem unser Abstieg seit Wochen feststeht, fällt es Jungs in dem Alter, wo sich die Persönlichkeit gerade erst bildet, schon mal schwer, die Disziplin aufrecht zu halten“, sagte Silvio Scintu. Das galt auch für Stürmer Angelo Gnirck. Nach einem Wortwechsel mit dem Gegner wurde er mit einer fünfminütigen Zeitstrafe belegt. Sonst gaben sich die Kitzinger Junioren während der Saison ziemlich friedlich. „Mir war es fast zu ruhig“, fand Scintu angesichts der zahlreichen Misserfolge. Doch der Zusammenhalt wirkte magnetisch, obwohl vor der Runde wieder mehrere Auswärtige aus dem Raum Würzburg, Schweinfurt und Ochsenfurt zum Team gestoßen waren. Im siebzehn Mann großen Kader kam nur eine Handvoll Spieler aus Kitzingen.

„Wir waren eine geschlossene Gemeinschaft“, sagt der 15-jährige Kapitän Nils Lange aus Giebelstadt, der seine dritte Spielzeit beim SSV absolviert hat: „Im Trainingslager sind wir über Nacht zusammengewachsen.“ In der Bayernliga hatte sich der Aufwand für Spieler und Eltern durch drei Trainingseinheiten die Woche und Fahrten durch ganz Nordbayern nochmals erhöht. „Unter dem Strich hat es sich gelohnt“, findet Horst Held, der Leiter der Kitzinger Juniorenabteilung: „Für die Jungs war es ein lehrreiches Jahr.“ Sportliche Höhepunkte gab es auch: In der Vorbereitung verabredeten sich die Kitzinger zu einem Test gegen den FC Bayern an der Säbener Straße (1:4). In der Punktspielrunde bezwangen sie den Club (2:0). „Natürlich haben wir uns vor der Saison mehr erhofft“, sagt Nils Lange: „Immerhin haben wir viel Erfahrung gewonnen.“

Durch den Abstieg in die Bezirksoberliga wird sich mancher Spieler über seinen Verbleib beim SSV Gedanken machen. Der Abschied des Trainers ist dagegen definitiv: Silvio Scintu wird kommende Saison Co-Trainer der U14 von Greuther Fürth.

U15 Bayernliga Nord

Viktoria Aschaffenburg – SK Lauf 5:2  
DVV Coburg – SpVgg Ansbach 1:2  
SSV Kitzingen – Viktoria Aschaffenburg 0:4  

1. (1.) SSV Jahn Regensburg 20 15 2 3 47 : 14 47  
2. (2.) FC Schweinfurt 05 20 14 0 6 53 : 27 42  
3. (3.) FSV Erlangen-Bruck 20 12 4 4 52 : 28 40  
4. (4.) SG Quelle Fürth 21 12 3 6 43 : 21 39  
5. (5.) 1. FC Nürnberg II 20 12 3 5 44 : 31 39  
6. (6.) SpVgg Ansbach 21 12 2 7 52 : 32 38  
7. (7.) Viktoria Aschaffenburg 21 9 4 8 38 : 32 31  
8. (8.) TSV Kareth-Lappersdorf 21 7 4 10 23 : 37 25  
9. (9.) SpVgg Bayreuth 20 6 6 8 18 : 23 24  
10. (10.) DVV Coburg 21 2 5 14 20 : 49 11  
11. (11.) SSV Kitzingen 21 2 2 17 15 : 52 8  
12. (12.) SK Lauf 20 1 3 16 14 : 73 6  

Die Statistik des Spiels

SSV Kitzingen – Viktoria Aschaffenburg 0:4 (0:4)

Kitzingen: Thim Schuster; Özer Gisi, Yanik Unger, Pascal Kapp, Alexander Schmidbauer, Nils Lange, Aaron Hager (60. Christoph Zapf), Eric Propp, Marcel Kühlinger (10. Mario Paul), Niklas Günther, Angelo Gnirck (60. Berfisan Korkmaz).

Aschaffenburg: Robin Michel; David Wohnsland, Nico Lutz, Philipp Knorr, Jan Wabnitz, Luca Zucchi, Noël Heymanns-Bieber (42. Erdal Kilincaslan), Furkan Sandikci, Peter Jost, Bajrsam Dzeladini (46. Lucas Gora), Ismail Sen (42. Niklas Marquardt).

Schiedsrichter: Simon Wieland (VfL Volkach).

Zuschauer: 40.

Gelbe Karte: Marquardt (Aschaffenburg).

Zeitstrafe: Angelo Gnirck (Kitzingen, 54., Unsportlichkeit).

Tore: 0:1 Peter Jost (4.), 0:2 Luca Zucchi (13.), 0:3 Luca Zucchi (19.), 0:4 Philipp Knorr (34., Foulelfmeter).

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