Fußball-Bezirksoberliga

Abtswinds Wankelmütige siegen wieder

Trotz zehn Niederlagen liegt Abtswind auf dem fünften Tabellenrang. Der Aufsteiger besitzt damit die gute Möglichkeit, einen weiteren Sprung zu vollziehen. Der Wankelmut, den das Team aufbringt, spiegelt sich auch während der neunzig Minuten gegen Strahlungen.
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Wichtiger Fingerzeig: Abtswinds Axel Zehnder (rechts, im Duell mit dem Strahlunger Sebastian Schneider) spielt momentan stark auf. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Axel Zehnder kam ratlos dahergelaufen. Mit ausgebreiteten Armen stand der Abtswinder nach einer Stunde Spielzeit plötzlich vor seinem Trainer und bat um Hilfe. „Pressen wir jetzt oder lassen wir uns fallen?“, fragte Zehnder. Der 22-Jährige, dem eine gewisse Ähnlichkeit zu Real Madrids Mesut Özil anhaftet, schien offensichtlich unsicher, was die eigene Handlungsmaxime für die verbleibenden dreißig Minuten betraf.

Abtswind, vom Wunsch getrieben, kommende Saison erstmals in seiner Vereinshistorie in die Landesliga aufzurücken, stand zu diesem Zeitpunkt der Partie vor der Entscheidung: das Unentschieden gegen den FC Strahlungen konservieren oder mit etwas mehr Risiko den Sieg initiieren? Trainer Carsten Weiß musste nicht überlegen. „Wir pressen“, gab der 50-Jährige seinem Mittelfeldspieler zur Antwort, als es noch 1:1 hieß. „Ich wollte den Sieg heute unbedingt“, sagte Weiß später mit Nachdruck: „Die Tabelle hat verraten, wie sehr wir nach der 1:2-Niederlage in Schollbrunn unter Druck gestanden waren.“

Im Nachhinein hatte sein Plan gegriffen: Abtswind behielt im Schlussbogen der Begegnung die Punkte nach dem 3:2-Heimspielerfolg. Genauso hätte Weiß' Anweisung zu mehr Druck und größerer Offensive das Gegenteil gegen die durch ihr Tempo und Konterspiel ausgezeichneten Gäste bewirken können. „Wir kennen nur Top oder Flop“, sagte Carsten Weiß angesichts der wechselhaften Leistungsschauen seiner Mannschaft im Laufe dieser Runde – und dies nicht nur, da an den 24 Spieltagen bislang kein einziges Unentschieden entsprungen ist.

Trotz zehn Niederlagen liegt der Klub auf dem fünften Tabellenrang und besitzt damit die gute Möglichkeit, den Aufstieg zu vollziehen. Der Wankelmut, den das Team aufbringt, spiegelte sich auch während der neunzig Minuten gegen Strahlungen. Phasen der Exzellenz, in denen Abtswind den Konkurrenten beherrschte, wechselten mit Schwächeperioden. Die Schwankungen musste Weiß mit fehlender Fitness in der Offensive erklären: Premium-Angreifer Peter Mrugalla sei seit längerem lädiert in die Spiele gegangen, Flügelstürmer Razvan Paunescu hatte für Wochen verletzt pausiert, während dem zentralen Antreiber Shkelqim Kruezi im Spiel noch immer der Trainingsrückstand anzusehen ist.

In dieser Besetzung der Namhaften wusste in letzter Zeit einer der Nebendarsteller die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und zu zeigen, dass er auf der Außenbahn keine Randfigur abgibt: Axel Zehnder, der einzige Einheimische in der ersten Mannschaft Abtswinds, überzeugte auch am Samstag durch Vielseitigkeit. „Axel ist ein Guter, war in der Vorrunde bis zu seiner Verletzung schon überragend und nutzt jetzt erneut seine Chance“, sagte Carsten Weiß.

In der ersten Halbzeit stieß Zehnder immer wieder mit Gefahr im Fuß über die rechte Seite nach vorne und bildete gemeinsam mit Oliver Döring ein harmonisches Pärchen. Im zweiten Abschnitt wechselte Zehnder den Flügel, um die Abwehrbereitschaft zu stärken, nachdem Kapitän Mario Schindler gesperrt ausgefallen war. Strahlungens David Noack, zusammen mit Spielertrainer Jürgen Hein und Torhüter Nico Hein der Beste der Gäste, war häufig in den Strafraum vorgestoßen und hatte die Abtswinder Defensive eingeschüchtert.

25 Minuten präsentierten sich die Hausherren von ihrer besten, vor allem der rechten Seite. Dem schnellen Kombinationsspiel und der überwiegenden Mehrzahl an Chancen stand am Ende immerzu Strahlungens Schlussmann mit herausragenden Paraden im Weg. Nico Hein, keine 1,80 Meter groß und in der Hinrunde noch Verteidiger, vertrat den seit Monaten verletzten Stammtorwart Jens Wackenreuter.

Dank der raschen Umschaltbewegung im Spiel, vor allem mit Zuspielen auf Jürgen Hein und David Noack, erzeugten die Gäste aus der Rhön Ernstfälle in der Abtswinder Deckung. Tobias Werner etwa nahm sich nur halbherzig des Balles an, glaubte seinen Schlussmann Irnes Husic in besserer Position, doch der konnte Joachim Seit nur noch mit einem Foul aufhalten. Christoph Leicht ließ Strahlungens Führungstreffer per Elfmeter folgen (37. Minute). Werners Wiedergutmachung kam kurz vor der Pause: Sein Distanzschuss schlug ein zum 1:1 (45.+1).

Strahlungen blieb seinem Kontersystem treu, und erneut gab Tobias Werner den Verteidiger von unglücklicher Gestalt. Seine Attacke gegen Noack traf ins Leere. Der Außenangreifer legte zu Marco Nöth, und die Gäste führten nach 71 Minuten erneut. „Der Knackpunkt war“, sagte Strahlungens Trainer Jürgen Hein, „dass wir zu schnell den Ausgleich gefangen haben. Sonst hätten wir womöglich gewonnen.“ Zwei Minuten nach dem 1:2 passte Zehnder ins Zentrum zu David Schad, der egalisierte. Abtswinds Alles-oder-nichts-Mentalität an diesem Tag lohnte sich, als Dustin Höppner nach einer abgewehrten Ecke aus 25 Metern abzog und zum Siegtreffer traf (90.).

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind – FC Strahlungen 3:2 (1:1)

Abtswind: Irnes Husic; Oliver Döring, Tobias Werner, Sven Gibfried, Alexander Krüger, Markus Schamberger (74. Razvan Paunescu), Dustin Höppner, Axel Zehnder, Shkelqim Kruezi, Philipp Kutzenberger (68. David Schad), Peter Mrugalla (90.+1 Christian Reimer).

Strahlungen: Nico Hein; Felix Beck, Sebastian Geßner, Matthias Hümpfner, Sebastian Schneider (76. Tim Krais), Christoph Leicht, Marco Nöth, David Noack, Benedikt Bötsch, Joachim Seit, Jürgen Hein.

Schiedsrichter: Raphael Gomez-Elena (FSV Michelbach).

Zuschauer: 150.

Gelbe Karten: Husic, Mrugalla, Höppner, Schad; Beck, Bötsch, Noack.

Tore: 0:1 Christoph Leicht (37., Foulelfmeter, verursacht von Irnes Husic an Joachim Seit), 1:1 Tobias Werner (45.+1), 1:2 Marco Nöth (72.), 2:2 David Schad (74.), 3:2 Dustin Höppner (90.).

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