Fußball-Landesliga Nordwest

Abtswind jubelt in der Nachspielzeit

Trainer Götzelmann fällt ein Stein vom Herzen: Mit dem 2:1 gegen Kahl ist der Titelanwärter auf dem Weg der Besserung, aber noch nicht über den Berg.
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Gefragter Gesprächspartner: Der Abtswinder Nicolas Wirsching musste nach dem Spiel genau erzählen, wie das war mit seinem Treffer in der Nachspielzeit. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Gemeinhin gilt Nicolas Wirsching ja nicht als der Mann, der beim TSV Abtswind die Tore schießt. Beim mühsamen 2:1 (0:0)-Erfolg seines Klubs über den FC Viktoria Kahl sorgte der 22-Jährige, der aus Stammheim kommt, mit seinem Siegtreffer in der Nachspielzeit für ein kollektives Aufatmen. Der Patient Abtswind scheint nach unerwarteten Komplikationen zum Saisonbeginn auf dem Weg der Besserung, ist aber noch lange nicht über den Berg. So ließe sich nach völlig unterschiedlichen 93 Minuten am Samstagnachmittag die Lage beurteilen.

Es schien dem Betriebswirtschaftsstudenten Wirsching fast ein wenig peinlich zu sein, dass er – wie in Abtswind guter Brauch – als Spieler nach dem Abpfiff neben den Trainern im Vereinsheim saß und um seine Bewertung gebeten wurde. Egal wie, Hauptsache gewonnen, gab Wirsching zu verstehen. Eine nachvollziehbare Sicht der Dinge nach dem missratenen Saisonstart seines Klubs. Sein Tor, das er im Nachschuss eines noch abgelenkten Versuchs von Jürgen Endres erzielt hatte, beschrieb er so: „Der Ball fiel mir vor die Füße. Da blieb mir nichts anderes übrig, als zu schießen.“ So einfach ist das manchmal. Vielleicht habe ihm der kürzlich genossene Kurzurlaub mal ganz gut getan.

„Mir blieb nichts anderes übrig, als zu schießen.“
Nicolas Wirsching, Abtswinder Siegtorschütze

Frisch erholt war auch Abtswinds anderer Schütze aus Kroatien gekommen. Nach 72 Minuten durfte Jörg Otto für Albert Fischer aufs Feld. Vier Minuten später gelang ihm die Erlösung, wie so mancher Anhänger der Heimelf wohl nach dem 1:0 gedacht hatte. Listig hatte Otto einen Freistoß aus 20 Metern von halbrechts an der rechten Mauerseite vorbei halbhoch ins Eck geschlenzt, zur Überraschung von Kahls Torwart Rumel (77.). „Das war nicht das erste Mal, dass ich so was probiert habe“, kommentierte er seinen Kunstschuss. Erholt und mit viel Lust auf Fußball sei er zurückgekommen.

Otto sah kurz darauf den „Nackenschlag“, wie er das 1:1 wertete. Abtswinds nicht nur in dieser Szene etwas zu sorglose Abwehr hatte den kleinen Tim Müller entweder übersehen oder unterschätzt. Jedenfalls durfte Müller nach einem Eckball ziemlich frei am entfernten Pfosten einköpfen (86.).

Es war nicht sicher, ob sich der ungestüm anrennende TSV noch einmal zu einer sichtbaren Reaktion würde aufraffen können. Speziell Tolga Arayici war zuvor das Pech am Schuh geklebt, als Kahls Torwart zunächst den Ball nach einem abgewehrten Freistoß aus dem Gewühl gegen die Latte drückte. Den Nachschuss Arayicis erwischte Kahls Tim Müller im Fallen offenbar erst hinter der Torlinie. Aber Schiedsrichter Niko Mäusbacher ließ das Spiel weiterlaufen (76.), das bis etwa zwanzig Minuten vor dem Ende von Aktionen zweier sichtlich verunsicherter Mannschaften geprägt war. Ballverluste, technische Fehler, Fehlpässe – wenig Sehenswertes hatte das Treffen bis dahin über weite Strecken geboten.

Die Kahler, ohne ihren urlaubenden Genius Gökhan Aydin angereist, besaßen einige gute Möglichkeiten, Abtswind noch tiefer in die Krise zu schießen. Einen Kopfball von Patrick Smith (50.) oder eine Riesenchance von Serhat Yildiz, der den Ball nicht richtig traf (73.), allein daraus hätte der Gast mehr machen müssen. Abtswind ackerte und rackerte, schien zudem mehr Kraftreserven zu besitzen. Zum Ende hin zog der Schiedsrichter auch noch eine Rote Karte für Kahls Smith (88.) nach allenfalls gelbwürdigem Foul.

Nachher musste TSV-Trainer Thorsten Götzelmann eingestehen, dass „wir wirklich Glück hatten, nicht mit 0:1 hinten zu liegen. Aber wir müssen immer wieder sehen, wie wir die Sturmmisere kompensieren. Am Ende fiel mir ein Stein von Herzen“, gab er zu. Kahls Trainer Thomas Raupach war sich sicher, dass „wir in Kahl genauso noch den Weg in der Tabelle nach oben gehen wie Abtswind“. Das dürfte aber hier wie dort noch etwas dauern.

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind – Viktoria Kahl 2:1 (0:0)

Abtswind: Florian Warschecha; Mathias Brunsch, Przemyslaw Szuszkiewicz, Carl Murphy, Michael Herrmann, Nicolas Wirsching, Albert Fischer (73. Jörg Otto), Ben Verberkt, Jonas Wirth (46. Tolga Arayici), Jürgen Endres, Constantin Paunescu (60. Fabian Mauderer).

Kahl: Thomas Rumel; Steffen Fuchs, Gabriel Akman, Enrico Puglisi, Kreshnik Kryezia (63. Dorian Tobollik), Julian Mbuku (80. Isaac Ojigwe), Dennis Rung, Patrick Smith, Bastian Schwalbe (63. Serhat Yildiz), Manuel Krapp, Tim Müller.

Schiedsrichter: Niko Mäusbacher (Neustadt/Fürth am Berg).

Zuschauer: 150.

Gelbe Karten: Fischer, Endres, Mauderer; Kryezia, Schwalbe, Tobollik.

Gelb-Rote Karten: Murphy (79., Foulspiel) und Akman (82., Foulspiel).

Rote Karte: Smith (Kahl, 88., grobes Foulspiel).

Tore: 1:0 Jörg Otto (77.), 1:1 Tim Müller (85.), 2:1 Nicolas Wirsching (90.).

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