Nein, für schwache Nerven war das nichts, das Saisonfinale in der Schweinfurter Kreisliga 1. Da war die zweite Garde des TSV Abtswind II schon nahezu hoffnungslos 0:3 zurückgelegen, und dann zog die Mannschaft mit dem 3:3 im Spitzenspiel gegen den FV Egenhausen noch in der Nachspielzeit den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und qualifizierte sich für die Aufstiegsrelegation.

Den Meistertitel gewann der TSV Röthlein vor seinen punktgleichen Rivalen aus Abtswind und Eßleben. Enger hätte die Titelentscheidung nicht ausfallen können. Die Abtswinder profitierten vom Modus eines Dreier-Vergleichs, aus dem sie als Beste hervorgingen. Nun werden sie am Donnerstag beim FC Thulba in der Rhön zum ersten Angriff auf die Bezirksliga blasen. Das Rückspiel steigt dann am Sonntag.

Die Kulisse mit rund 300 Zuschauern war trotz Dauerregens schon bezirksligareif – nur die Vorstellung der Abtswinder Reserve vor der Halbzeit nicht. Die Egenhäuser gaben bereits zu Beginn den Ton an, präsentierten sich homogener und gefährlicher im Angriff. Der trotz seiner Größe flinke FV-Torjäger Julian Weis stach schon nach elf Minuten. Er setzte sich nach einem schönen Pass halblinks durch und ließ Marco Bischoff im TSV-Gehäuse keine Abwehrmöglichkeit: das 0:1. Abtswind agierte zu rechtslastig und auch dort relativ erfolglos, denn Eigenhausens Torwart Fabian Weingart musste vor der Pause keinen einzigen Schuss abwehren. Einzig Lukas Zobel hatte eine Torgelegenheit, verzog den Ball allerdings aus halblinker Position.

Besser machten es die Egenhäuser, deren Rechtsfuß Lukas Rettner in der 41. Minute einen Freistoß Richtung Gehäuse flankte. Der Ball segelte an Freund und Feind zum 2:0 ins Netz. Mit Beginn der zweiten Hälfte wechselte Abtswinds Spielertrainer Velibor Teofilovic einen zweiten Stürmer ein: Shawn Hilgert. Doch die Maßnahme zeigte vorerst keinen Erfolg. Stattdessen erhöhte Martin Weingart nach 57 Minuten gar auf 3:0 für Egenhausen.

Dann schlug Abtswinds grünes Imperium zurück. Velibor Teofilovic gab mit seiner Einwechslung (66. Minute) das Signal für den Übergang in den totalen Angriffsmodus. Kurz zuvor hatte Lukas Zobel noch den Anschlusstreffer vergeben. Den fädelte Teofilovic ein,als er Egenhausens Abwehr in einige Verlegenheit brachte. Die wusste sich nur mit einem Foul im Strafraum zu helfen. Peter Mrugalla verwandelte den Strafstoß zum Anschlusstor.

Fortan drückte Abtswind mit drei Stürmern vehement. Im Minutentakt kam die Heimelf zu weiteren Chancen, aber Mrugalla und Julian Beßler scheiterten. Zum Glück für Abtswind vermochte Tobias Kraus eine erstklassige Gelegenheit nicht zu verwerten. In der 82. Minute brachte dann eine weitere Coproduktion von Teofilovic und Mrugalla das 2:3. Diesmal legte der Trainer ab und sein Sturmpartner vollendete. Und in der Nachspielzeit schlug Mrugalla ein drittes Mal zu: Mit dem Ausgleichstreffer belohnte er Abtswind für seine totale Offensive. Torwart Marco Bischoff bugsierte mit der letzten Aktion der Begegnung einen gefährlichen Freistoß über die Querlatte.

Von Jubel war da aber nichts zu sehen, der machte sich erst eine Stunde nach dem Schlusspfiff bei den Abtswindern breit. Teofilovic ordnete die Leistung der Seinen richtig ein: „Wir hatten nicht mehr verdient als einen Punkt.“ Gleichzeitig gab der 43-Jährige zu bedenken, dass ihm nahezu die gesamte Abwehr ausgefallen war. Dies führte dazu, dass Axel Zehnder nach eineinhalb Jahren sein Comeback gab, um seinem Heimverein zu helfen.

Egenhausens Trainer Michael Waffler sah seine Abwehrrecken zum Schluss „körperlich am Ende“. Dazu stufte er seine Leute als „zu jung“ für erfahrene Streiter wie Teofilovic und Thorsten Götzelmann ein. „Morgen geht's weiter“, sagte Waffler, und er nahm es nicht weiter schlimm, dass sein Team noch auf den letzten Drücker aus dem Aufstiegsrennen geflogen war. „Als Aufsteiger ein Endspiel bestreiten zu dürfen, das war schon ein großer Erfolg“, gab Waffler zu bedenken.

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind II – FV Egenhausen 3:3 (0:2)

Abtswind: Marco Bischoff; Axel Zehnder, Markus Schamberger (61. Julian Beßler), Markus Golombek, Christoph Kniewasser, Jovica Pejakovic, Lukas Zobel (66. Velibor Teofilovic), Constantin Paunescu, Peter Mrugalla, Thorsten Götzelmann, Patrick Hock (46. Shawn Hilgert).

Egenhausen: Fabian Weingart; Christoph Rettner, Lukas Rettner, Jonas Wehner (80. Andreas Pfeuffer), Hannes Römert, Manuel Hochrein, Martin Weingart, Julian Weis (45. Felix Pfeuffer), Tobias Kraus, Jonas Pfeuffer, Andreas Keller.

Schiedsrichter: Felix Meding (Giebelstadt).

Zuschauer: 300.

Gelbe Karten: Zehnder, Schamberger, Paunescu, Hilgert; Weingart, Weingart.

Tore: 0:1 Julian Weis (15.), 0:2 Lukas Rettner (41.), 0:3 Martin Weingart (57.), 1:3 Peter Mrugalla (70., Elfmeter), 2:3 Peter Mrugalla (82.), 3:3 Peter Mrugalla (90.+2).

Kreisliga 1 Schweinfurt
 
SV Herlheim/Zeilitzheim – TSV Röthlein 0:2  
TV Jahn Schweinfurt – SG Schleerieth 4:1  
TSV Abtswind II – FV Egenhausen 3:3  
SV Oberwerrn – DJK Hirschfeld 0:3  
DJK Altbessingen – TSV Theilheim 1:3  
DJK Schweinfurt – TSV Eßleben/Rieden 2:3  
TSV Bergrheinfeld – Türkiyemspor SV 12 SW 6:1  
 
1. (4.) TSV Röthlein 30 16 5 9 55 : 44 53  
2. (1.) TSV Abtswind II 30 14 11 5 84 : 45 53  
3. (3.) TSV Eßleben/Rieden 30 15 8 7 44 : 32 53  
4. (2.) FV Egenhausen 30 14 10 6 61 : 34 52  
5. (5.) SV Stammheim 30 14 6 10 74 : 51 48  
6. (6.) SG Schleerieth 30 13 8 9 60 : 49 47  
7. (9.) DJK Hirschfeld 30 13 6 11 52 : 54 45  
8. (7.) TSV Waigolshausen 30 13 6 11 47 : 49 45  
9. (10.) TSV Bergrheinfeld 30 12 8 10 56 : 39 44  
10. (8.) DJK Altbessingen 30 12 8 10 51 : 52 44  
11. (11.) DJK Schweinfurt 30 11 7 12 63 : 58 40  
12. (12.) TSV Theilheim 30 12 3 15 48 : 62 39  
13. (13.) TV Jahn Schweinfurt 30 11 4 15 50 : 58 37  
14. (14.) Türkiyemspor SV 12 SW 30 9 6 15 46 : 62 33  
15. (15.) SV Herlheim/Zeilitzheim 30 8 7 15 42 : 63 31  
16. (16.) SV Oberwerrn 30 0 3 27 15 : 96 3