Einen neuen Besitzer hat der REWE-Cup der U17-Junioren in Wiesentheid. Erstmals und überraschend deutlich setzte sich der Nachwuchs des VfR Aalen gegen die namhafte Konkurrenz durch. Aalen blieb im ganzen Turnier ohne Makel. Erst im Endspiel bekamen die Kicker aus Baden-Württemberg, deren Profis bereits ihre dritte Saison in der zweiten Bundesliga bestreiten, Probleme. In der Verlängerung besiegten die Aalener das Überraschungsteam vom SC Eltersdorf durch einen wirklich goldenen Treffer mit 4:3. Gegner Eltersdorf, auf dem Feld in der Landesliga angesiedelt, hatte in der Vorrundengruppe zuvor durch einen Sieg Titelverteidiger und U17-Bundesligist TSV 1860 München aus dem Rennen geworfen.

Im Finale hing Aalens Sieg am seidenen Faden. Außenseiter Eltersdorf hatte wie in seinem letzten Gruppenspiel gegen die Löwen den 0:2-Rückstand dank der Treffer Leon Sieferts und Selim Chouchs aufgeholt. Zwei Minuten vor dem Ende zog Eltersdorf durch das Tor von Karim Said sogar 3:2 in Führung. Doch vierzig Sekunden vor Schluss brachte Aalens Yasin Gülle seine Mannschaft mit dem 3:3 in die Verlängerung. In dieser dreiminütigen Extraspielzeit ließ der Eltersdorfer Oliver Leipold die Riesenchance zum Turniersieg aus. Sekunden vor dem Ende gelang Aalens Calvin Körner tatsächlich der 4:3-Siegtreffer für den auf dem Feld in der Oberliga Baden-Württemberg spielenden Aalener U17-Jahrgang.

„Der Turniersieg ist umso schöner, weil es ein hochklassiges Turnier war mit Mannschaften wie Karlsruher SC und 1860 München. Da kann man den Turniersieg nicht planen“, sagte der Aalener Trainer Michael Hoskins. „Überrascht war ich von unserer Souveränität.“ Vier Siege und 18:2 Tore in der Vorrunde, dazu ein überragender 7:1-Erfolg im Halbfinale über Kickers Offenbach hatten die Württemberger als beeindruckende Bilanz vorzuweisen. Hoskins wertete den Erfolg als weiteres Ausrufezeichen, immerhin müsse sich sein Verein auch beim Nachwuchs erst einmal gegen einige Großklubs durchsetzen. „Seit unsere Profis in der zweiten Liga spielen, ist unser Nachwuchsleistungszentrum enorm im Wert gestiegen. Aber wir haben noch viel zu tun, uns täglich zu verbessern.“

Der Eltersdorfer Trainerkollege Daniel Kaul hatte die Niederlage schnell überwunden und wusste den zweiten Platz einzuordnen. „Wir standen vor dem Turniersieg und können stolz sein, was wir hier geleistet haben. Für meine Spieler waren alleine die Gegner Motivation genug. Sie haben früh gemerkt, dass sie auch diese Großen schlagen können“, sagte Kaul. Seine Mannschaft hatte sich erst zwei Tage zuvor über das Qualifikationsturnier ins Feld gespielt. Dort standen auch die „Junglöwen“ von 1860 München, die seit fast zwanzig Jahren zu Gast in Wiesentheid sind. Sie taten sich diesmal schwer mit dem Fußball in der Halle, mussten mit Platz fünf zufrieden sein.

Zur Begründung sagte Trainer Josef Steinberger: „Wir haben erst am Tag zuvor das Derby in der Bundesliga ge-gen die Bayern 2:1 gewonnen. Dieses Spiel steckte einigen noch in den Beinen.“ Die Löwen hatten ihren Kader aufgeteilt und mit U16-Spielern aufgefüllt, weil sie gleichzeitig bei einem Turnier in Geretsried antraten. Für sie war der Auftritt in Wiesentheid einer von nur zwei in diesem Winter. „Wir spielen noch in Montabaur, am 7. Januar beginnt dann wieder die Vorbereitung auf dem Feld“, sagte Trainer Steinberger.

Die Löwen schossen sich im Spiel um Platz fünf mit dem 6:1 gegen den Karlsruher SC noch einmal den Frust vom Leib. Der KSC hatte erstmals seit Jahren wieder in Wiesentheid teilgenommen, „weil das in unseren Turnierplan passt und weil gute Mannschaften dabei sind“, wie deren Trainer Kristian Sprecakovic erklärte. Der einst auch in Würzburg und beim FC Schweinfurt 05 aktive Profi hatte sich etwas mehr als Rang sechs erwartet, wie er zugab.

Gute Rollen spielten die hessischen Stammgäste des SV Darmstadt 98 und der Offenbacher Kickers, die sich im Spiel um Platz drei trafen. „Wir mussten an diesem Wochenende etliche Spieler zu einem Lehrgang abstellen und sind mit keinen großen Erwartungen gekommen“, so Offenbachs Coach Matthias Filbrich. „Aber wir spielen leistungsbezogen, und da müssen alle Spieler im Kader zeigen, was sie können.“

Für den TSV/DJK Wiesentheid als Gastgeber hob U17-Trainer und Turnierorganisator Christian Lorey hervor, dass es „ein faires, reibungsloses Turnier mit gutem Fußball“ gewesen sei. Der Zuschauerzuspruch hätte höher sein können, blieb aber auf dem Niveau der Vorjahre. Man wolle dem eigenen Nachwuchs auch einmal die Chance bieten, gegen solche Vereine anzutreten.

Endstand: 1. VfR Aalen, 2. SC Eltersdorf, 3. Kickers Offenbach, 4. Darmstadt 98, 5. TSV 1860 München, 6. Karlsruher SC, 7. Kickers Stuttgart, 8. SSV Ulm, 9. Wiesentheid, 10. VfL Volkach. Bester Torschütze: Noah Feil (Aalen, 8).