WÜRZBURG/KITZINGEN

Spektakulärer Erpressungsfall eingestellt

Angeklagt war ein Fall von schwerer räuberischer Erpressung, Tatort eine Gemeinde im Landkreis Kitzingen: Nach drei Prozesstagen war alles vorbei.
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Aus dem Gericht
Foto: Regina Krömer

Angeklagt war ein Fall von schwerer räuberischer Erpressung, Tatort eine Gemeinde im Landkreis Kitzingen, es ging um 5000 Euro und die Drohung, einem Kind Ohren und Finger abzuschneiden, wenn nicht bezahlt wird. Als Auftraggeber wurde ein rumänischer Security-Mann (27) in Dublin ermittelt. Der ist dort festgenommen und für die Verhandlung nach Deutschland ausgeliefert worden, verhandelt wurde der Fall vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts Würzburg – aber am dritten Prozesstag war die Luft raus.

Wenn überhaupt, so fasste der Vorsitzende Richter Hans Brückner die Beweisaufnahme zusammen, dann könnte auch nach weiteren Zeugenaussagen nur noch Nötigung und Bedrohung „herauskommen“. Das Verfahren wurde daher mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt, nachdem der Angeklagte auf mögliche Ansprüche im Zusammenhang mit drei Monaten Auslieferungshaft in Irland und fünf Monaten Untersuchungshaft in Deutschland verzichtet hatte. Die Prozesskosten und die Auslagen des Angeklagten trägt die Staatskasse, der Haftbefehl wurde aufgehoben, der Angeklagte verließ den Sitzungssaal Richtung Dublin.

Einstellung des Verfahrens statt einer Strafe – das lag nicht an mangelhaften Ermittlungen der Polizei oder falschen Schlussfolgerungen eines Staatsanwalts, auch nicht an der Cleverness des Verteidigers und vermutlich auch nicht daran, dass der Angeklagte in Verhandlungspausen den Rosenkranz gebetet hatte. Die Aussagen des Opfers bei mehreren Vernehmungen waren für das Gericht nicht immer überzeugend.

Der Angeklagte, der in Rumänien angeblich als „Sicherheitskraft mit Hochschulstudium“ für Banken und Behörden gearbeitet hat, zuletzt in Dublin Kaufhausdetektiv war und Türsteher in einem Nachtclub, gab zu, dass er einer Frau aus Rumänien mehrfach Geld geliehen hat, dann aber nichts mehr von ihr hörte.

Einen Bekannten in Frankfurt habe er deswegen gebeten, die Frau zu finden und ihm sein Geld zu besorgen. Dass zwei Landsleute, die er losschickte, die Frau im Landkreis dann so brutal unter Druck setzten, mit Messer in der Hand drohten, ihrem Kind Ohren und/oder Finger abzuschneiden, das habe er nicht gewollt, nicht ahnen können und das tue ihm wirklich leid.

Da der Prozess eingestellt wurde, blieb offen, ob der Angeklagte, wie vom Opfer behauptet, Frauen in Rumänien Jobs „ohne Papiere“ in Deutschland, versprochen hat: als Altenpflegerin, Küchenhilfe oder Reinigungskraft. Tatsächlich seien die dann jedoch in Rotlicht-Betriebe vermittelt worden. Die Zeugin sagte aus, ihr sei ein gut bezahlter Job in der Küche eines Restaurants in Stuttgart in Aussicht gestellt worden, bei der Ankunft am Flughafen habe ein Bekannter des Angeklagten zu dem gesagt, sie musternd: „Die sieht gut aus, die bringt Geld.“

Alles, was mit Bordell zu tun haben könnte, hat der Angeklagte bestritten. Er habe einer Frau, die er von zuhause kannte, die mit einem Lebensmittelgeschäft pleite ging, Schulden hatte und Geld verdienen wollte, helfen wollen. Geld das er ihr gegeben hat, habe sie nicht zurückgezahlt und sei untergetaucht. Ein Bekannter in Frankfurt habe dann für den „Inkasso“-Auftrag zwei Landsleute losgeschickt.

Der Prozess gegen die beiden Männer, die das Geld im März 2015 eintreiben sollten, läuft seit November vergangenen Jahres. Die Strafverfahren gegen den Fahrer, der sie von Frankfurt aus fuhr und gegen den „Chef“ in Frankfurt, der mit rumänischen Kräften heikle Aufträge übernahm wie den aus Dublin, folgen in den nächsten Monaten.

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