Kitzingen
Gericht

Speed als Souvenir?

Weil er sich über die Trennung von seiner Freundin hinweg trösten wollte, besuchte der Angeklagte in Tschechien Bordelle. Drogen will er dort nicht gekauft haben.
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Als mit seiner Freundin Schluss war, fuhr der 30-jährige Angeklagte mit einem Kumpel in die Tschechische Republik, um sich bei den Damen in den dortigen Freudenhäusern von seinem Liebesleid abzulenken. Insgesamt drei Mal will er in Tschechien gewesen sein und nur einmal auf den asiatischen Basaren, den so genannten Fijimärkten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, auf diesen Märkten in insgesamt vier Fällen je ein Gramm der Droge Chrystal Speed gekauft und nach Deutschland gebracht zu haben.

Gefährliches Mitbringsel

Chrystal Speed ist ein Amphetamin, das das Schmerzempfinden senkt und die Leistungsfähigkeit steigert, aber auch Wahnvorstellungen, Angstzustände und schließlich sogar Herzstillstand hervorrufen kann. Kein Wunder, dass Erwerb und Besitz des weißen Pulvers unter Strafe stehen und die Kontrollen an den Grenzen Deutschlands dementsprechend scharf sind.


Das weiß auch der Spediteur auf der Anklagebank. Schon allein wegen der Kontrollen hätte er die Droge nie über die Grenzen zu schmuggeln versucht. "Es wäre Selbstmord gewesen, etwas rüber zu schmuggeln", beteuert der Angeklagte seine Unschuld. Statt der kristallinen Droge habe er lediglich eine Stange Zigarette über die Grenze gebracht, aber das sei ja erlaubt.

Und gekauft habe er erst recht kein Speed, auch nicht auf den Fijimärkten, die mittlerweile auch in Deutschland für den dort stattfindenden Drogenhandel bekannt sind.

Ein einziges Mal auf Asiamarkt

Nur einmal sei er auf einem dieser Asiamärkte gewesen. Dort habe er lediglich zwei Hemden und einen Gürtel gekauft. "Sonst nichts, erst recht keine Drogen", betont der 30-Jährige wieder und wieder.
Weil er selbst zu betrunken oder "angesoffen" war, wie es der Angeklagte ausdrückt, ist stets ein Bekannter mit dem Auto gefahren. Der Fahrer war auch mit einem anderen Freund nach Tschechien unterwegs und hat mit ihm Drogen gekauft. Deswegen sitzt er auch in der JVA ein. Der Angeklagte versichert jedoch, damit gar nichts zu tun zu haben. Und sein Bekannter stützt seine Version.

Vor der Polizei hat er zwar ausgesagt, auch mit dem Angeklagten Betäubungsmittel für den Eigenkonsum gekauft zu haben, was aber nicht stimme. Und bei den asiatischen Basaren seien sie nie gewesen. Ein klarer Widerspruch, denn der Angeklagte hatte ja angegeben, einmal den Märkten einen Besuch abgestattet zu haben. Auf diese Unstimmigkeit angesprochen, meint der Zeuge lediglich, er könne sich nicht so recht daran erinnern.

Trotz Widerspruch glaubwürdig

Dennoch glaubt der Richter dem Zeugen. Er kennt den 28-Jährigen bereits aus anderen Verhandlungen. Bei denen habe er stets die Wahrheit gesagt. Weil der Richter keinen Grund sieht, weshalb der Zeuge dieses Mal plötzlich lügen sollte, schlägt er eine Einstellung des Verfahrens vor und der Angeklagte kann den Gerichtssaal ohne Verurteilung und ohne Auflage verlassen.
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