NORDHEIMNORDHEIM

Spaß am Currywurstbrunnen und mit Riesling-Parfüm

Christina Schneider genoss ihr Jahr als Deutsche Weinprinzessin. Wo die Nordheimerin war, was sie erlebt hat, worauf sie sich freut:
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Lustig: Der Currywurstbrunnen. Die Wurst hält man einfach drunter. Foto: Foto: Schneider
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Eines betont Cristina Schneider beim Gespräch über ihr Jahr als Deutsche Weinprinzessin immer wieder: „So schön die Zeit auch war: Ab jetzt sind Krone, Königin und Prinzessin für mich Geschichte. Ich will darauf nicht reduziert werden – weder als Person noch beim Thema Wein“.

So redet jemand, die nach einer Phase mit viel Fremdbestimmung durch vorgegebene Termine gerne loslässt. Vorfreude darauf verspürt, wieder eigene Wege zu gehen. „Seit ich nicht mehr Fränkische Weinkönigin bin, also seit März, arbeite ich wieder an meinem Master in Psychologie. Dazu beginne ich demnächst ein Praktikum und engagiere mich ehrenamtlich beim Würzburger Krisendienst“.

Ehrenamtlicher Einsatz

Dieser Telefondienst ist abends und nachts für Menschen da, die Suizidgedanken äußern. Wird eine Rat suchende Person von einer Fachkraft aufgesucht und betreut, wird Christina Schneider unterstützend dabei sein.

Ihrem Lieblingsthema Wein bleibt die 23-Jährige allerdings treu. Zusammen mit ihrem Bruder Michael ist sie derzeit dabei, im Weingut ihres Vaters Markus das ein oder andere neu zu gestalten – zeitgemäßer, auch jugendlicher. „Ich bin viel rumgekommen, habe viel gesehen. Und es hilft uns, dass dem Papa das Nein-Sagen bei mir besonders schwer fällt,“ sagt Christina augenzwinkernd.

Ein terroir-f-Punkt für Nordheim

Eine zweite wichtige Aufgabe hat sie im Nordheimer Touristikrat übernommen. Dort bringt die junge Frau ihre Ideen für das Dorfjubiläum (1100 Jahre Nordheim) im nächsten Jahr ein. Und kämpft unverdrossen für ihr Lieblingsprojekt, einen magischen Ort des Frankenweins (terroir-f-Punkt) in ihrem Heimatort. „Die Sache ist inzwischen weit gediehen. Der Platz ist gefunden, der Gemeinderat hat sich mit der Sache befasst“. Im Jubiläumsjahr soll der terroir-f-Punkt fertig werden und eingeweiht werden. „Darauf freue ich mich schon heute.“

Videos über die Mainschleife

Vergnügen bereitet der jungen Frau auch die Arbeit für „Mainschleife-TV“: Zusammen mit dem Volkacher Tourismuschef Marco Maiberger präsentiert und moderiert sie auf Youtube Videos über die Region. Zählt man diese Aufgaben zusammen, dazu diverse Hobbys und den Wunsch nach mehr Zeit für Freund Arthur, wird verständlich, warum Christina am kommenden Freitag (29. September) beim Finale der Wahl zur Deutschen Weinkönigin ihre Krone ziemlich entspannt an einer der beiden neuen Weinprinzessinnen aufsetzen wird.

Vielleicht ja sogar Silena Werner aus Stammheim, die an diesem Samstag mit zwölf anderen Gebiets-Weinköniginnen um den Einzug ins Finale der besten Sechs kämpft. „Die Konkurrenz ist sehr stark. Aber natürlich drücke ich unserer Fränkischen Weinkönigin die Daumen,“ sagt Christina.

Kein Bammel mehr vor Flügen

Ihr Jahr als Deutsche Weinprinzessin ist wie im Flug vergangen. „Ich bin noch selbstständiger geworden“, sagt sie. „Als Fränkische Weinkönigin hast du in Asien Begleitung, wirst immer betreut, musst dich um nichts kümmern“. Das sei als Deutsche Weinprinzessin jetzt anders gewesen – mit erfreulichem Ergebnis. „Ich steige jetzt wie selbstverständlich in einen Flieger. Früher hatte ich fast schon Flugangst. Und auch sonst kämpfe ich mich einfach durch, Sprachbarriere oder nicht lesbare Straßennamen hin oder her.“

In Asien ist ihr Hongkong ans Herz gewachsen. Dort gebe es viel mehr idyllische Plätze, auch die Strände und Golfplätze seien sehr schön. Und die Mentalität sei völlig anders, freier und offener als in China, das in der früheren britischen Kolonie seit 20 Jahren das Sagen hat. Richtig Freude hatte Christina dort zum Beispiel, als ein Parfümeur vor ihren Augen ein Riesling-Parfum für sie kreierte, aus verschiedenen Ingredienzien sowie einem Riesling von der Mosel und der Pfalz.

Riesling-Tattoos

Sie selbst verteilte in Hongkong Riesling-Tattoos mit Herz und musste dann prompt erläutern, was ein Riesling ist. Fast noch erstaunlicher: In einem Restaurant in der Weinstadt Beaune im Burgund sollte Christina erklären, was eine Apfelschorle ist! Richtig cool fand sie einen Termin im Dortmunder Mercure-Hotel: Treue Kunden werden dorthin eingeladen und entscheiden anhand einer Blindverkostung, welche Weine ein Jahr lang auf der Mercure-Karte angeboten werden.

Dort machte Christina auch Bekanntschaft mit dem ersten Currywurstbrunnen ihres Lebens. „Ich hielt das zunächst für einen Scherz, dachte eher an einen Schokobrunnen. Aber dann lief tatsächlich Currywurstsoße aus dem Brunnen, und darunter hat man die Wurst auf Holstäbchen gehalten“.

Die Nordsee bei Ebbe

In Duisburg machte die 23-Jährige Bekanntschaft mit der einzigen begehbaren Achterbahn Deutschlands. „Es ist ziemlich atemberaubend, neben den voll besetzten Wage zu laufen, von oben runter zu schauen.“ Im ersten Moment ein wenig enttäuschend verlief hingegen der Besuch in Cuxhaven: Das Meer war nicht da, es war Ebbe. Doch danach war die Begeisterung dann umso größer. „Der Norden hat mir bestens gefallen, Vieles dort war für mich neu.“

Auf Entdeckertour

Das Jahr als Deutsche Weinprinzessin sei zu einer langen Entdeckertour geraten, was die anderen deutschen Weinbaugebiete betrifft. „Viele kannte ich nicht, habe sie erstmals gesehen. Für die Wahl habe ich seinerzeit zwar vieles in der Theorie gelernt. Aber wie schön die einzelnen Gebiete tatsächlich sind und wie unterschiedlich die Winzer, weiß ich erst jetzt. Das hat meinen Blick geweitet.“

Ein überraschendes Erlebnis sei gewesen, in der Bierstadt Duisburg plötzlich lauter Menschen mit eleganten Weingläsern in der Hand anzutreffen. Und natürlich wusste Christina, dass Europas steilster Weinberg mit fast 70 Prozent an der Mosel ist. „Aber dann vom Bremmer Calmont ins Tal zu schauen, ist etwas ganz Anderes, ist atemberaubend“.

Wahl der Deutschen Weinkönigin

Christina Schneider hat in ihrem Jahr als Deutsche Weinprinzessin 19182 Kilometer mit dem Auto, 7800 mit dem Zug und rund 21400 mit dem Flugzeug zurückgelegt. Bei 59 Terminen kam sie auf 53 Hotelübernachtungen, war insgesamt 107 Tage unterwegs – im 1er BMW und einem Mini Cooper-Countryman.

Die Fränkische Weinkönigin Silena Werner aus Stammheim kämpft an diesem Samstag (16 Uhr) in Neustadt an der Weinstraße mit den zwölf Kandidatinnen aus den anderen Weinbaugebieten um den Einzug ins Finale bei der Wahl der 69. Deutschen Weinkönigin. Die Entscheidung, wer von den sechs Finalistinnen zur neuen Deutschen Weinkönigin gekrönt wird, fällt bei der großen Wahlgala am kommenden Freitag (29. September) ab 19.30 Uhr.

Die Kandidatinnen neben Silena Werner sind Theresa Ulrich (Ahr), Katharina Staab (Nahe), Magdalena Malin (Baden), Andrea Ritz (Württemberg), Laura Lahm (Rheinhessen), Lisa Schmitt (Mosel), Daniela Simon (Mittelrhein), Charlotte Freiberger (Hessische Bergstraße), Stephanie Kopietz (Rheingau), Friederike Wachtel (Sachsen), Anastasia Kronauer (Pfalz) sowie Jenny Meinhardt (Saale-Unstrut).

Der SWR überträgt das Finale (29. September) von 20.15 bis 22 Uhr live aus Neustadt. Die Vorentscheidung (23. 9.) wird per Livestream im Internet und zeitversetzt am Sonntag gezeigt.

 

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