NORDHEIM

Spätbarocker Glanz in Text und Bild

„Nur wenige mainfränkische Orte verfügen über so ein qualitätvolles, zugleich von wechselnder Geschichte geprägtes Beispiel barockzeitlicher Raumgestaltung“, sagte Dr. Matthias Wieser in der Divino in Nordheim. Der Architekt und Kunsthistoriker aus Sommerhausen, der sich die Erhaltung kultureller Zeugnisse zum Ziel gesetzt hat, stellte am Mittwoch sein neues Buch „Die Kapelle der Heiligen Apostel Simon und Judas Thaddäus im Münsterschwarzacher Zehnthof in Nordheim“ der Öffentlichkeit vor. Mit im Autorenboot saßen Pater Dr. Franziskus Büll (Abtei Münsterschwarzach) und Dr. Martin Brandl (Schloss Seehof).
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"Die Kapelle der Heiligen Apostel Simon und Judas Thaddäus im Münsterschwarzacher Zehnthof in Nordheim" lautet der Titel des Buches von Matthias Wieser (Bildmitte), den Abt Michael Reepen, Pater Franziskus Büll, Erich Schneider (Wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft für fränkische Geschichte), Wendelin Grass, Martin Brandl und Paul Freiherr von und zu Franckenstein (von links) tatkräftig unterstützten. Foto: Foto: Peter Pfannes

„Nur wenige mainfränkische Orte verfügen über so ein qualitätvolles, zugleich von wechselnder Geschichte geprägtes Beispiel barockzeitlicher Raumgestaltung“, sagte Dr. Matthias Wieser in der Divino in Nordheim. Der Architekt und Kunsthistoriker aus Sommerhausen, der sich die Erhaltung kultureller Zeugnisse zum Ziel gesetzt hat, stellte am Mittwoch sein neues Buch „Die Kapelle der Heiligen Apostel Simon und Judas Thaddäus im Münsterschwarzacher Zehnthof in Nordheim“ der Öffentlichkeit vor. Mit im Autorenboot saßen Pater Dr. Franziskus Büll (Abtei Münsterschwarzach) und Dr. Martin Brandl (Schloss Seehof).

Der Fortbestand der Kapelle im Nordheimer Zehnthof sei schon lange gesichert, sagte Wieser. Seit 2008 vermittelt der kleine klösterliche Gebetsraum nach umfassender Instandsetzung spätbarocken Glanz. Die Renovierung wurde mit dem Förderpreis des Regierungsbezirks Unterfranken ausgezeichnet. Wieser hat sein Buch dieser zurückliegenden Denkmalsanierung gewidmet. Im Umgang mit besonders geschichtsträchtigen Baudenkmalen sei es eine Pflicht, die komplexen Prozesse einer Instandsetzung umfassend wissenschaftlich zu dokumentieren, betonte er. Die Bau-Monografie zur Zehnthofkapelle vereine die Bestandsdokumentation, die Ergebnisse der Quellenforschung sowie eine ausführliche Projektbeschreibung.

Wichtige Entscheidungen sollen für spätere Generationen nachvollziehbar sein, betonte der Kunsthistoriker. Gemeinsam mit den Co-Autoren Pater Franziskus und Martin Brandl ist eine reich bebilderte Dokumentation entstanden, die über die Siedlungshistorie von Nordheim hinaus den Baukomplex des Zehnthofes innerhalb des Ortskerns würdigt.

Der Revitalisierung der kleinen Zehnthofkapelle ging ein zeitlich langer und komplizierter Prozess voran. Martin Brandl, Oberkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege schildert in dem Buch aus amtlicher Sicht spannungsreich das Prozedere der Sanierungsbemühungen über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten. Sein zweiter Beitrag widmet sich dem Umgang mit den fragmentierten Stuckaturen sowie den Maßnahmen an den geschädigten Wand- und Deckenmalereien. Seine Ausführungen gründen auf den Erkenntnissen des Ochsenfurter Restaurators Wolfgang Baude, der sich über viele Monate mit der Kapellenschale beschäftigte. Pater Franziskus Büll leistete mit aufgearbeiteten und bislang unveröffentlichten Quellen zum Zehnthof und zu dem am Ort betriebenen Weinbau einen wichtigen Beitrag. Sein Aufsatz zeichnet die Baugeschichte anhand der Schriftquellen nach und widmet sich schwerpunktmäßig der inneren Kapellenausgestaltung einschließlich ihres Ausmalungsprogrammes.

Paul Freiherr von und zu Franckenstein, der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für fränkische Geschichte würdigte die Arbeit der drei Autoren. „Dieses Buch stellt die heutige Restaurierungsgeschichte dar und spannt einen Bogen zur Geschichte der Abtei Münsterschwarzach, speziell vor der Säkularisation“, sagte Franckenstein. Die Aufnahme des Buches in der von der Gesellschaft für fränkische Geschichte herausgegebenen Reihe der „Neujahrsblätter“ bildet einen schönen Schlusspunkt dieser denkmalpflegerisch anspruchsvollen Sanierungsmaßnahme. Ex-Divino-Chef Oskar Noppenberger verbeugte sich vor den drei Autoren, die eine „beeindruckende Bau-Monografie“ erstellt hätten. „ Weitere Grußworte sprachen Divino-Geschäftsführer Wendelin Grass, Abt Michael Reepen, Bürgermeister Guido Braun und Divino-Vorstand Günter Höhn. Mit klassischen Musikstücken umrahmten Maja und Elias Oppermann (Geige und Akkordeon) den Empfang.

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