Hellmitzheim
Betreuung

So steht´s um die Kitas im Landkreis Kitzingen

Ab August soll es per Gesetz einen Anspruch auf Krippenplätze geben. Eine Klagewelle befürchtet niemand im Landkreis, doch manche Kitas kämpfen um jedes Kind.
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Heike Koch leitet den Hellmitzheimer Kindergarten. Foto: Carmen Schmitt
Heike Koch leitet den Hellmitzheimer Kindergarten. Foto: Carmen Schmitt
Im Waschraum des Hellmitzheimer Kindergartens ist alles winzig. Die Waschbecken für die Krippenkinder hängen nur knapp über dem Boden, die Toilettenschüssel ist besonders schmal. Für die unter Dreijährigen fällt die ganze Einrichtung eine weitere Nummer kleiner aus. Wie in allen anderen deutschen Kindergärten, soll auch der in Hellmitzheim ab August Kinder ab einem Jahr aufnehmen. Dann soll ein rechtlicher Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr bis drei Jahren eingeführt werden.

Schon seit Ende 2011 ist im Hellmitzheimer Kindergarten auch Platz für die Kleinsten. Um den zu schaffen, musste umgebaut werden. Knapp 250.000 Euro kosteten die Baumaßnahmen. 160.000 Euro davon übernahm der Freistaat.

Der Kindergarten Pusteblume in Hellmitzheim wurde aber weniger aus-, dafür mehr umgebaut. Denn mit einem großen Ansturm rechnet hier gerade niemand. "Früher waren in dem Kindergarten mal 50 Kinder", erzählt Heike Koch. Sie leitet den Kindergarten seit vier Jahren. "Das ist aber schon lange nicht mehr so." Die Geburtenzahl gehe immer weiter zurück. Momentan sind 28 Kinder im Hellmitzheimer Kindergarten. Zehn von ihnen sind in der Kinderkrippe. "Wir kämpfen um jedes Kind, damit wir unseren Kindergarten erhalten können."
Heike Koch glaubt nicht, dass es im ländlichen Raum zu einer Klagewelle kommen wird, wenn der Rechtsanspruch kommen soll. Für Eltern in der Großstadt sei die gesetzliche Regelung aber notwendig.

Keine Panik im Landkreis

"Der Landkreis ist sehr gut aufgestellt", sagt Irene Dietrich-Strelow. Sie ist Kindergartenfachaufsicht beim Kitzinger Landratsamt. "Jedes dritte Kind von null bis drei Jahren ist untergebracht." Und schließlich wollen ja auch nicht alle Eltern ihre Kinder in eine Betreuung geben, erklärt sie. Bisher habe sich noch niemand beschwert, dass er keinen Platz für sein Kind bekommen hat. Laut Amt sind im Landkreis bereits 557 Krippenplätze im Betrieb. Der Um- und Ausbau für weitere 117 soll bis spätestens nächstes Jahr abgeschlossen sein. "Mit der Situation in einer Großstadt kann man unsere nicht vergleichen."

Der evangelischen Kindertageseinrichtung St. Michael in Kitzingen ist schon bis 2014 ausgebucht. Insgesamt gehen über 100 Kinder in die Kita. Vor drei Jahren wurde der Neubau für die Krippenkinder fertig. 14 Kleinkinder von einem Jahr bis zweieinhalb Jahren werden dort zur Zeit von vier Mitarbeitern betreut, erzählt die Leiterin Ute Weiß. Hätten sie noch mehr Kapazität, könnten sie problemlos weitere Kinder aufnehmen. Die Nachfrage ist da: "Wir müssen viele Anfragen ablehnen."

Auch der katholische Kindergarten St. Burkhard in Geiselwind ist "momentan gut ausgelastet", sagt die Leiterin Marlene Engel. 14 Krippenplätze sind dort belegt. Weil der Bedarf besteht, ist sogar geplant, noch weitere zwölf Plätze zu schaffen.

Heike Koch müsste dagegen eine Stelle in ihrem Erzieher-Team abschaffen, weil bald vier Kinder weniger im Kindergarten sind. Geht es nach dem sogenannten Anstellungsschlüssel, müsste die Gruppe ab September eigentlich mit drei statt vier Leuten zurechtkommen. "Geht man von der Arbeit aus, die wir hier leisten, ist das absolute Gegenteil der Fall. Wir könnten eher noch eine zusätzliche Kraft gebrauchen." Generell müssen in der Krippe zwei Leute eingesetzt sein, erklärt sie. "Eine Erzieherin kann die Kindergartengruppe nicht betreuen. Um qualitativ gute Arbeit zu leisten, sind zwei Kräfte pro Gruppe zwingend erforderlich."

Alles den Kleinsten anpassen

Neu sind im Kindergarten Pusteblume der Schlafraum, in dem die kleinen Bettchen stehen, und der Kinderwagenabstellplatz. Auch einen Wickelraum gibt es für die Kleinkinder. Aber nicht nur die Räume mussten verändert werden. "Die Krippenkinder brauchen mehr Zuwendung, der Aufwand ist höher." Sie müssen gewickelt werden, lernen das Sprechen und die Sauberkeit, erklärt Heike Koch. Wichtig bei der Betreuung sei es, alle Sinne der Kinder anzusprechen. Man müsse sich eben den Kindern anpassen.

Die 43-Jährige sieht in den zusätzlichen Anforderungen alles andere als eine Belastung: "Es ist eine Bereicherung. Nicht nur für mich persönlich." Auch die Kindergartenkinder profitieren davon, meint sie.

"Die Kinder besuchen sich gegenseitig", sagt Ute Weiß. In der Kitzinger Kita ist die Kleinkindgruppe offen. "Sie lernen voneinander und miteinander, auch Toleranz und Respekt." Für Kinder sei die Krippe sehr positiv, meint auch Heike Koch. "Kinder lernen in der Krippe schneller als allein zu Hause. Voneinander lernen sie viel besser, als von ihren Eltern." Trotzdem sei die enge Zusammenarbeit mit den Eltern notwendig. "Wir gehen mit den Eltern eine Erziehungspartnerschaft ein. Dafür müssen wir an einem Strang ziehen." Die meisten Eltern seien dankbar und froh, dass jemand auf ihr Kind aufpasst, erklärt sie. "Wir nehmen den Eltern einen großen Teil der Erziehungsarbeit ab."

Ausbau der Krippen

Kosten
In ganz Deutschland wird der Ausbau der Betreuungsplätze 12 Milliarden Euro kosten. Ein Drittel davon trägt der Bund.

Recht Das Kinderförderungsgesetz (KiföG) trat 2008 in Kraft. Laut Bundesfamilienministerium soll es den Ausbau eines "qualitativ hochwertigen Betreuungsangebotes beschleunigen" und den Eltern "echte Wahlmöglichkeiten" bieten. Ab 1. August soll nach dem Ausbaus ein Anspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder vom vollendeten ersten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr eingeführt werden.
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