LANDKREIS KITZINGEN

So schwer wie lange nicht mehr

Die Grippe wütet auch im Landkreis Kitzingen. Experten raten dringend zum Impfen.
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Impfen ist besser als schimpfen. Dr. Edgar Gramlich und eine Mitarbeiterin der Klinik Kitzinger Land bei einer groß angelegten Impfaktion für Beschäftigte im Jahr 2016. Der Albertshöfer Allgemeinmediziner rät angesichts der grassierenden Grippewelle zum regelmäßigen Impfen. Foto: ArchivFoto: Ralf Dieter
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Langsam ebbt sie ab. Ganz langsam. Nach vielen turbulenten Wochen. Die Grippewelle hatte und hat auch den Landkreis Kitzingen im Griff. Experten raten schon jetzt: Im Herbst unbedingt ans Impfen denken.

„Das war heuer schon besonders schwerwiegend“, sagt Dr. Edgar Gramlich und zählt die drei entsprechenden Faktoren an seinen Fingern ab: die Dauer der Grippewelle, die Häufigkeit und die Schwere der Erkrankungen. Der Sprecher der Hausärzte im Landkreis Kitzingen hat von seinen Kollegen diese Einschätzung bestätigt bekommen. Kopfweh, Erbrechen, Übelkeit, hohes Fieber und oftmals ein extrem schmerzhafter Husten: Die Symptome der Grippe 2018 hatten es in sich. „In den letzten Jahren war das nicht so ausgeprägt“, informiert der Albertshöfer Allgemeinmediziner. Einige Fälle musste er in die Klinik Kitzinger Land überstellen. „Da ging ambulant nichts mehr.“

Entsprechend viel Arbeit hatten die Ärzte und Krankenschwestern in der Klinik zu bewältigen. „Es war zeitweise schon dramatisch“, bestätigt Vorstand Thilo Penzhorn. Patienten mussten wegen der hohen Ansteckungsgefahr in Einzelzimmern untergebracht werden. Die Belegungskapazität reichte ein paar Tage lang an die hundert Prozent heran. Gleichzeitig war auch das Personal nicht vor einer Ansteckung gefeit.

„Am Jahresanfang ist es immer eng in der Klinik“, weiß Dr. Sabrina Ott von der Abteilung „Innere Medizin“. In diesem Jahr sei die Häufung an ernsthaften Grippefällen allerdings schon auffällig gewesen. Waren es 2017 noch 30 Fälle von Influenza-Patienten, die in die Klinik eingewiesen werden mussten, lag die Zahl heuer bei bislang 40. Die letzte Grippewelle ist dabei noch gar nicht erfasst.

Auch die statistischen Erhebungen aus dem Landratsamt sprechen eine deutliche Sprache. 88 Grippefälle hatte das Gesundheitsamt im Frühjahr 2017 gemeldet. In diesem Jahr waren es deutlich mehr. 272 Fälle sind in den Monaten Januar bis März aufgetreten. Gerade der März hatte es in sich. Waren es im Jahr 2017 gerade mal zehn gemeldete Fälle, lag die Zahl in diesem März deutlich höher: 114 Neuinfektionen. Eine Entwicklung, die in ganz Deutschland ähnlich verlief. Das Robert-Koch-Institut meldet mehr als 270 000 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle in der bisherigen Grippesaison. Die deutschlandweite Grippewelle hatte in der Weihnachtswoche 2017 begonnen. Die Influenza-Aktivität sei weiterhin hoch, heißt es auf der Homepage des Robert-Koch-Institutes. Der Höhepunkt der Grippewelle scheint aber überschritten zu sein.

Dr. Edgar Gramlich ist bei dieser Diagnose noch ein wenig skeptisch. „Wenn die Grippewelle abebbt, dann recht langsam.“ Tatsächlich schickten deutschlandweit Kliniken und Krankenhäuser noch in dieser Woche Patienten nach Hause, weil die Kapazitäten wegen der vielen Grippefälle nicht mehr ausreichen. Und auch die Wirtschaft leidet. Es gab in den letzten Wochen so viele kranke Beschäftige wie seit zehn Jahren nicht mehr.

„Die Grippe ist die

tödlichste infektiöse

Krankheit in Deutschland.“

Dr. Edgar Gramlich, Hausarztsprecher

In die Albertshöfer Praxis kamen auch in den letzten Tagen immer wieder Patienten, die über die typischen Symptome klagten. „Das ist schon ungewöhnlich spät im Jahr“, sagt Dr. Gramlich. Normalerweise sei der Gipfel einer Grippewelle im Januar und Februar erreicht. Was ihn beinahe noch mehr überrascht: Die Lässigkeit, mit der nach wie vor viele Patienten auf die Bedrohung durch das Virus reagieren. „Die Grippe ist die tödlichste infektiöse Krankheit in Deutschland“, erinnert er. Die Zahlen des Robert-Koch-Institutes geben ihm Recht. In der Saison 2013/2014 sind schätzungsweise 20 700 Menschen an der Grippe gestorben, in der Saison darauf waren es sogar rund 21 300. In diesem Jahr sind es schon jetzt nachweislich mehr als 350 Todesopfer. Die genauen Zahlen für 2018 werden aber erst in ein paar Monaten vorliegen.

Für Dr. Sabrina Ott steht deshalb außer Zweifel, dass sich möglichst viele Menschen gegen die Grippe impfen lassen sollten. „Bei uns landen nur die nicht Geimpften.“ Gerade diejenigen Berufsgruppen, die häufig Kontakt zu anderen Menschen haben, sollten sich schützen. Menschen über 60 Jahre und Schwangere seien besonders gefährdet. „Die regelmäßige Impfung ist der beste Schutz“, bestätigt Dr. Gramlich und hofft auf eine deutlich höhere Impfrate im kommenden Jahr. Zum einen würde dann der vierfache Impfstoff von den Krankenkassen bezahlt, zum anderen helfe vielleicht der dramatische Verlauf der Grippewelle in dieser Saison. Frei nach dem Motto: So ein Jahr will ich nicht noch einmal erleben.

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