GEISELWIND

Toter Jungstorch in Geiselwind

Der Regen der letzten Tage hat vielen Jungstörchen in Bayern das Leben gekostet.
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Da war die Welt noch in Ordnung. Anfang sind vier Storchenküken in Geiselwind geschlüpft. Am Donnerstag ist eines verstorben. Foto: ArchivFoto: Ernst Nickel

Der Regen der letzten Tage war für die meisten Landwirte und Gemüsebauern ein Segen. Für andere Lebewesen war er tödlich.

Ernst Nickel schaut fast jeden Tag einmal vorbei. Die Störche auf dem Geiselwinder Kirchdach haben es dem Bürgermeister seit ihrem ersten Erscheinen vor acht Jahren angetan. Nickel ist nicht der Einzige. Die Störche haben sich zu einer Attraktion entwickelt. Jetzt ist allerdings eines der vier Jungen gestorben. „Es war wohl zu nass und zu kalt“, vermutet Nickel. Vor ein paar Jahren hat er das schon einmal erlebt. Damals sind alle vier Jungstörche gestorben. „Den anderen drei scheint es dieses Mal aber gut zu gehen“, freut er sich.

„Die Tiere sind verhungert oder erfroren.“
Johannes Krapp, Bürgermeister Schlüsselfeld

„So ist die Natur“, sagt Robert Endres vom Landesbund für Vogelschutz. Ist das Gefieder durchnässt, können die erwachsenen Tiere nicht mehr ausfliegen, um das nötige Futter beizubringen. Die Jungen im Nest müssen verhungern. Sinken die Temperaturen, wie es Anfang dieser Woche der Fall war, kommen Unterkühlungen mit dazu.

Auch Bodenbrüter hatten mit den Witterungsbedingungen extreme Schwierigkeiten, wie Robert Endres berichtet. Sind die Eier erst einmal unterkühlt, hat der Nachwuchs keine Überlebenschance.

108 Liter sind am Montag und Dienstag im Raum Geiselwind heruntergekommen. „Wir hatten zig Feuerwehreinsätze“, berichtet Nickel. Dass die Störche diese ergiebigen Regenfälle überhaupt überlebt haben, liegt an der jährlichen Reinigung ihres Horstes, den die Gemeinde Geiselwind alljährlich auf eigene Kosten durchführen lässt. Im Januar macht sich eine Dachdeckerfirma daran, das Nest zu reinigen. Futterreste, Kot und anderes Material würden das Nest sonst verstopfen. „Dann säßen die Tiere wie in einer Badewanne“, sagt Nickel. Mit dem Wetter der letzten Tage und Wochen hatten nicht nur die Geiselwinder Störche zu kämpfen. Im nahen Schlüsselfeld sind alle drei Jungstörche verendet. Bereits Ende letzter Woche, wie Bürgermeister Johannes Krapp berichtet. Das Problem in Schlüsselfeld: Ein Elternteil war vor zwei Wochen nahe der Autobahn tot aufgefunden worden. Das andere Elternteil hatte die Versorgung der Jungvögel wohl nicht mehr alleine geschafft. „Die Tiere sind erfroren oder verhungert“, bedauert Krapp. Immerhin: Aus den Ortsteilen hat er bislang nichts negatives gehört. Ein Glücksfall, denn in Bayern hat der Starkregen der letzten Tage für etliche tote Jungstörche gesorgt. „Gerade in Südbayern gab es auch Totalverluste“, berichtet Oda Wieding vom Landesbund für Vogelschutz. Franken ist da ein bisschen besser weggekommen. Ist das Gefieder zu nass und damit zu schwer, fliegen die Eltern nicht mehr zur Nahrungssuche aus. Und der Versuch, alle Jungtiere vor dem Dauerregen abzuschirmen, misslingt. Manchmal werden dann auch die kleinsten Tiere aus dem Nest geworfen. „Das sind die Regeln der Natur“, sagt Wieding. „Nur die Stärksten kommen durch.“

„Normalerweise werfen die Eltern das tote Jungtier einfach runter.“
Ernst Nickel, Bürgermeister Geiselwind

Sorgen muss man sich deshalb nicht um die bayerische Storchenpopulation machen. Die letzten Jahre konnte der LBV einen Rekord nach dem anderen vermelden. Zuletzt waren mehr als 440 Paare gesichtet worden. Alleine im Aischtal gibt es bis zu 30 Paare, zuletzt hat sich ein Storchenpaar in Wipfeld niedergelassen. Ein Grund für die wachsende Population ist für Oda Wieding das veränderte Zugverhalten. Die meisten Störche fliegen im Winter nicht mehr Afrika. „Der Zug von rund 10 000 Kilometern ist sehr anstrengend, den überleben viele nicht.“ Jetzt überwintern die meisten Störche in Spanien oder Frankreich.

Bleibt nur noch die Frage, wie der tote Nachwuchs aus dem Geiselwinder Horst entfernt wird. „Normalerweise werfen die Eltern das tote Jungtier irgendwann einfach runter“, sagt Ernst Nickel aus Erfahrung. Vor Jahren war das so. Da hat der Bürgermeister die Tiere schnell an Ort und Stelle begraben. Bevor die Kirchgänger vom Glauben abfallen.

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