IPHOFEN

"So einen coolen Haufen hatte ich noch nie"

Die Trainerin der Iphöfer Handballmädels ist von ihrer sozial engagierten Gruppe mehr als begeistert
Artikel drucken Artikel einbetten
„Einfach eine tolle Truppe“: Sonja Weigand, Trainerin beim TSV Iphofen, freut sich sehr darüber, dass ihre Handballmädels nicht nur sportlich, sondern auch sozial sind. Foto: Foto: Diana Fuchs
+10 Bilder

14 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren – gibt es da nicht manchmal Zickenkrieg? Sonja Weigand lacht, wenn sie diese Frage hört. Die dreifache Jungs-Mama kann es selbst kaum glauben, und doch weiß sie genau, dass es so ist: Ihre Jugend-Handballerinnen des TSV 07 Iphofen sind etwas Besonderes. Deshalb hat sich die 46-Jährige schließlich auch an die Presse gewandt: „Wenn junge Leute sich so sozial verhalten, dann muss das mal in die Öffentlichkeit.“

Was ist denn nun so besonders an den 14 Teenagern aus Iphofen, Willanzheim, Marktsteft, Markt Bibart, Hellmitzheim und Obernbreit? Zunächst einmal sind sie ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Fast alle Schularten sind vertreten und es sind auch Mitspielerinnen dabei, die Einschränkungen haben, zum Beispiel schwerhörig sind. „Und trotzdem gibt es in der Gruppe keinerlei Mobbing, sondern einen unglaublichen Zusammenhalt“, schwärmt Sonja Weigand. „Schwächere werden genauso akzeptiert wie Starke. Die Mädels wollen außerdem anderen jungen Leuten helfen, denen es schlechter geht als ihnen.“ Sonja Weigand trainiert schon seit 25 Jahren immer wieder Iphöfer Handballmannschaften. „Aber so einen coolen Haufen hatte ich noch nie!“

Vor drei Jahren machten sich einige der jungen Sportlerinnen so ihre Gedanken. „Alle hatten in irgendeiner Weise schon die Erfahrung gemacht, dass das Leben nicht immer rosig ist.“ Darum habe man damals überlegt, Hilfsprojekte zu unterstützen. „Nicht nur die Jugendlichen, sondern auch viele Erwachsene waren von der Idee angetan und engagierten sich.“ Die Teenies zwackten einen Teil ihres Taschengeldes ab, die Eltern einen Teil ihres Verdienstes oder Haushaltsgeldes. „So kam es, dass wir 2016 zum ersten Mal eine schöne Summe spenden konnten – 333 Euro an den Verein KIWI, der sich um Kinder auf der Würzburger Intensivstation kümmert.“

Bei der Spendenübergabe durften die Mädchen selbst einen Blick in die Kinderklinik werfen und mit einer Mutter sprechen, die ihnen erzählte, was Spenden wie die aus Iphofen alles möglich machen. Zum Beispiel, dass Mütter über Nacht in der Nähe ihrer kranken Babys bleiben können. „Das von einer Betroffenen zu hören, hat alle beeindruckt und begeistert“, erinnert sich Sonja Weigand.

Nun hatten die Mitglieder der Iphöfer Handballabteilung erst recht Feuer gefangen. Sie sammelten weiter. Parallel zu den letzten Handballspielen der vergangenen Saison machten sich die Mädchen Gedanken, wem sie diesmal helfen wollten. Am Ende entschieden sie sich dafür, für die Kinderhospizarbeit der Malteser in Würzburg zu spenden.

„Das Thema ging natürlich ans Eingemachte. Aber die Spielerinnen wollten sich damit befassen – und auch sehen, bei wem das Geld landet“, schildert Sonja Weigand ihre Erfahrungen. Also organisierte die Trainerin eine Fahrt nach Würzburg. Im Gepäck hatten die Iphöferinnen einen Scheck über 800 Euro, die die 14 Mädels in ihrem Umfeld gesammelt hatten. Bei der Spendenübergabe zollten die Malteser den jungen Damen großen Respekt und schilderten ihnen, wie mit ihrem Geld todkranken Kindern geholfen werden kann: Ein ehrenamtliches Team besucht die Kinder zuhause und hilft ihnen und ihren Familien. „Das hat uns alle sehr angerührt.“

Ob es Schicksal war, dass die 14- bis 17-Jährigen jetzt, ein Jahr später, das entscheidende Handballspiel gewannen und dadurch in die Bezirksoberliga der weiblichen Handball-B-Jugend aufstiegen? „Jedenfalls war es ein ganz verrücktes Spiel“, stellt die Trainerin fest, die ihre Schützlinge mit den Worten ins Match schickte: „Macht einfach das, was Ihr immer macht! Habt Spaß und fertig.“

Statt übertriebenem Ehrgeiz sei es immer besser, aus Fehlern zu lernen, gab die Trainerin ihrem Team noch mit auf den Weg. In dem Fall lernten die Jugendlichen sehr schnell – und gewannen mit zwei Toren Unterschied. „Keiner konnte es so recht glauben, alle haben sich mit uns gefreut! Das war toll.“ Unter einem selbst gemalten Meister-Plakat und mit rasch übergestreiften Meister-T-Shirts wurde wenig später richtig schön gefeiert: Auf dem bunt geschmückten Bulldog ging es zur Rundfahrt durch Iphofen. Anschließend gab es am Sportplatz leckeres Essen und Trinken – und dabei wurde auch die nächste Spendenaktion schon thematisiert.

Sonja Weigand findet, dass der Aufstieg in die BOL eine schöne Belohnung für ihre Mädels ist. „Solche jungen Leute hat man nicht oft in seiner Trainer-Karriere.“ Auf die Frage, was sie besonders stolz macht, antwortet die Iphöferin: „Dieses Miteinander! Das ist wichtiger und bringt einen im Leben weiter als bloßes Gewinnen.“

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren