Kitzingen
Naturschutz

Sind die Bienenvölker erneut gefährdet?

Die Imker im Landkreis haben ein hartes Jahr mit vielen Verlusten an Bienenvölkern hinter sich. Ausgerechnet jetzt kommt eine neue Untersuchung mit beunruhigendem Ergebnis.
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Die Bienen bilden die so genannte Wintertraube zur Wärmeerzeugung. So überwintern sie im Stock.  Foto: Sabine Paulus
Die Bienen bilden die so genannte Wintertraube zur Wärmeerzeugung. So überwintern sie im Stock. Foto: Sabine Paulus
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Im Winter denkt eh keiner an Bienen. Robert Gubesch schon. Er ist Imker und verschafft sich immer wieder einen Überblick, was sich in den Lehrbienenständen auf dem Gartenschaugelände tut.
Zu sehen ist nichts, alles wirkt wie tot. Aber die nützlichen Insekten sind da, sie haben sich in die Bienenstöcke zurückgezogen und zehren von dem Honig, den sie den Sommer über gesammelt haben. Die Tiere haben sich zu einer so genannten Wintertraube zusammengerottet. In der Mitte bei etwa 35 Grad Celsius hält sich die Königin auf.

Schlechte Prognose

So läuft es im Idealfall. Bienenvölker können aber im Winter sterben, vor allem, wenn sie durch Krankheiten geschwächt sind.
Die Universität Hohenheim hat vor Kurzem das Ergebnis einer Untersuchung veröffentlicht, das beunruhigend klingt:

Knapp ein Viertel der Völker, 23 Prozent, könnten es nicht ins Frühjahr 2013 schaffen, heißt es in einer Pressemeldung. Das lässt Schlimmes befürchten.

Denn eine mögliche Dezimierung der Anzahl der Völker würde auf eine schwierige Phase folgen. "Letztes Jahr war es schlimm, denn wir hatten Verluste von über 50 Prozent im Landkreis", sagt der Sulzfelder Imker Thomas Gschwandtner, Vorsitzender des Kreisverbands Kitzingen. Viele seiner Kollegen gaben auf.

Was den Völkern so zugesetzt hat, sind Varroa-Milben.

Sie infizieren die Bienenbrut und vermehren sich in den Larven, so dass Viren eindringen können. Das führt dazu, dass die geschlüpften Bienen verkrüppelt sind. Die noch gesunden werfen die kranken Tiere zum Schutz der restlichen aus dem Stock.
Die Imker im Kreis Kitzingen wundern sich, dass die Meldung der Uni Hohenheim zum jetzigen Zeitpunkt kommt, weil sie aktuell nicht von so einer hohen Infektionsrate ausgehen wie in der vergangenen Saison.

Peter Maske aus Schwarzach, der 1. Vorsitzende des Bezirksverbands Imker Unterfranken, hält den prognostizierten Wert von 23 Prozent für eine Schätzung. "Die Rückmeldung von zirka 7000 Imkereibetrieben lässt auf eine niedrigere Zahl hoffen", sagt er.

Im Moment wirken Maske und Gschwandtner gelassen. Sie wissen, dass ihre Schützlinge ihre kritische Zeit schon hinter sich haben. Die ist Ende Oktober, Anfang November. Dann verlassen viele Honigbienen ihre Behausung oder sterben. Derzeit sind die Arbeitsbienen damit beschäftigt, Wärme durch Muskelvibration zu erzeugen. Es werden dazu die Flügel ausgehakt und die dortigen Muskeln zur Vibration gebracht. Reibung erzeugt Wärme. Die Heizer-Bienen schaffen mit ihrer Brust eine Strahlungswärme von etwa 45 Grad. Um diese warme Mitte scharen sich die Bienen in der Traube und bewegen sich in Rotation. Die Honigbiene überwintert als Staat mit etwa 10 000 bis 15 000 Bienen. Somit stehen im Frühjahr dann gleich in einer großen Anzahl Bienen zur Bestäubung zur Verfügung.

Kein Problem für die Tiere war die frostige Zeit in den vergangenen zwei Wochen.

"Die Kälte macht ihnen nichts aus", sagt Gschwandtner. Da sei das momentan verfrühte Weihnachtstauwetter mit der plötzlich milden Luft ungünstiger.

Die Honigbiene ist eine so wichtige wie bedrohte Tierart.

Es gebe mehrere Stressfaktoren, die den nützlichen Insekten zusetzen, sagt der Kitzinger Imker Robert Gubesch, Kreisgesundheitswart des Verbandes: Klimawandel, Umweltverschmutzung, Pestizide, die über den Boden in Wildkräuter gelangen, und einseitige Ernährung durch Monokulturen. Probleme gibt es also genug.
Gerade deswegen strengen sich die Imker an, damit eine flächendeckende Bestäubung gewährleistet ist. Dazu brauchen sie den Rückhalt der Bevölkerung. Mit Hilfe des Lehrbienenstocks wollen sie die Kitzinger für die Imkerei interessieren, Fachwissen verbreiten und bei dem einen oder anderen Interesse wecken, selbst Völker zu halten. Ein Bienenstock in der Nähe sei viel wert, sagt Thomas Gschwandtner und rät: "Man sollte sich den betreffenden Imker unbedingt warm halten."
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